Ein Corona-infizierter Fußballer aus Dortmund appelliert an die Sportler

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Fünf Corona-Infizierte sind im Dortmunder Amateurfußball bekannt. Wir haben mit einem von ihnen über seine Situation gesprochen. Und er hat einen Appell an alle Fußballer.

Dortmund

, 21.08.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Carsten C. (*Name geändert) sitzt aktuell in seiner Wohnung und darf nicht raus. Er befindet sich zusammen mit seiner Freundin in Quarantäne. Genauso wie seine gesamten Teamkollegen aus dem Fußballverein. Er darf noch nicht einmal zum Einkaufen gehen. Er gibt seiner Familie immer Bescheid, was er und seine Freundin sich wünschen und irgendwann steht dann eine Metrobox voll mit Lebensmitteln vor seiner Tür.

Für den leidenschaftlichen Fußballer ist es aktuell eine schwere Zeit. Er darf nicht arbeiten, nicht zum Fußball und auch nicht zu seinen Freunden. Das wurmt ihn. Aber er hat den Covid-19-Virus in sich und befindet sich deshalb in Quarantäne. Seinen Gesundheitszustand beschreibt er mit „gut“. Er habe etwas Husten und zwischenzeitlich mal das Gefühl, dass der Geschmackssinn etwas nachgelassen habe, das sei es aber.

So richtig weiß er nicht, wo er sich infiziert hat. Er geht davon aus, dass es im Urlaub war. 14 Tage lang war er zusammen mit vier Freunden in Kroatien. Sie hatten sich ein Haus gemietet, mit einem großem Pool. „Wir sind zum Entspannen nach Kroatien geflogen, nicht zum Feiern“, sagt Carsten C. Die Freunde wollten relaxen, seien fast die gesamte Zeit über auf der eigenen Anlage geblieben, mal am Strand gewesen und abends dann in Restaurants essen gegangen.

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Seine Freundin hatte ihm von dem Urlaub abgeraten. „Ich hätte wohl auf sie hören sollen. Wenn ich heute noch einmal entscheiden müsste, würde ich natürlich nicht noch einmal nach Kroatien fliegen. Aber zu diesem Zeitpunkt gab es keine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt“, erklärt der Fußballer. Seit Donnerstag sieht das anders aus. Jetzt gibt es für zwei Urlaubsgebiete in Kroatien Reisewarnungen.

Kein Test am Flughafen

Nach den 14 Tagen Urlaub wollten er und seine Freunde sich eigentlich am Flughafen Düsseldorf direkt testen lassen. „Wir hätten da bestimmt 90 Minuten warten müssen und als ich gesehen habe, dass viele Leute in der Warteschlange noch nicht einmal die Maske richtig getragen haben, war mir das zu gefährlich“, sagt er.

Er entschied sich dann an dem Freitag, nach Hause zu fahren und sich am nächsten Tag im Dortmunder Klinikum Nord testen zu lassen. Am Sonntag bekam er dann den Anruf, dass er positiv sei. „Das war natürlich eine große Überraschung für mich“, sagt er. Das Kuriose an der ganzen Angelegenheit ist, dass nur zwei der fünf Freunde letztlich infiziert sind. „Und das, obwohl wir 14 Tage aufeinander gehockt haben.“ Aber warum musste denn jetzt seine ganze Mannschaft in Quarantäne? „Weil der Kumpel, der ebenfalls positiv ist, am Sportplatz war, bevor er sein Ergebnis hatte. Das war extrem fahrlässig.“

Carsten C. hat jetzt viel Zeit zum Nachdenken. „Sorge macht mir mein aktueller Zustand nicht. Ich mache mir eher Sorgen um Nachfolge-Erkrankungen. Ich hoffe einfach, dass nichts hängen bleibt. Es ist ja viel zu lesen, wie gefährlich dieser Virus für den Körper sein kann.“ Er habe jetzt einen ganz neuen Blick auf die Corona-Pandemie. „Ich glaube, so richtig bewusst wird einem die Pandemie erst, wenn du selbst betroffen bist.“

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Er hat auch einen neuen Blick auf den aktuellen Fußball. „Alle müssen viel verantwortungsvoller mit der Pandemie umgehen. Es darf doch für niemanden ein Problem sein, sich eine eigene Trinkflasche mitzubringen. Es ist ja auch nicht zu viel verlangt, die Abstandsregelungen einzuhalten oder eine Maske zu tragen.“

„Hey, Corona gibt es wirklich. “

Carsten C. gibt aber zu, dass er vor seiner Erkrankung auch nicht so genau hingeschaut hat. Deshalb sei es ihm jetzt auch extrem wichtig, die anderen Sportler und Vereine ein bisschen zu sensibilisieren und zu sagen: „Hey, Corona gibt es wirklich. Und nehmt das nicht auf die leichte Schulter. Alle Bürger tragen die Verantwortung, also auch wir Fußballer. Nur zusammen dämmen wir die Pandemie wieder stärker ein. Ich habe nicht das Gefühl, dass das bei allen schon angekommen ist.“

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Er ist auch gespannt, ob und wie die kommende Fußball-Spielzeit überhaupt stattfindet. „Es wird immer wieder Corona-infizierte Spieler geben. Es wird immer wieder dazu kommen, dass sich Mannschaften in Quarantäne begeben müssen und Spiele ausfallen. Ich bin gespannt, ob die Spielzeit überhaupt zu Ende gespielt wird.“

Bis zum 29. August steht er mit seiner Freundin erstmal unter Quarantäne. Dann darf er zurück in sein Leben. Es ist dann aber noch lange nicht das normale, wie er sagt. Aber eins weiß er ganz genau. Er wird viel verantwortungsvoller mit der aktuellen Situation umgehen als noch vor seiner Erkrankung. Und das wünscht er sich von allen anderen. „Niemand von uns möchte doch schuld daran sein, wenn zum Beispiel ältere Menschen durch Nachlässigkeiten infiziert werden und dadurch in Gefahr geraten.“

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*Wir schreiben nicht den Namen des Spielers und des Vereins, um die Privatsphäre des Infizierten zu schützen.
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