Er war die herausragende Persönlichkeit des Dortmunder Radsports in den 1960 und 1970er-Jahren. Am Donnerstag ist die Radsportlegende Dieter Kemper im Alter von 81 Jahren gestorben. Ein emotionaler Rückblick.

Dortmund

, 12.10.2018, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jahrelang schien der Mann, der einst den Radsport in seiner Heimatstadt so entscheidend prägte, wie vergessen. Dann brachte Kempers Sohn Christian, ein erfolgreicher TV-Journalist und Buchautor, im Vorjahr ein Buch über seinen Vater heraus – quasi als Geburtstagsgeschenk zum „80.“ Der Titel lautete ganz passend „Der Kämpfer“.

Die Szene war begeistert, in den sozialen Medien meldeten sich die alten Kumpel, die Mitstreiter der vergangenen Tage, die ehemaligen Partner bei den Six Days. Und das waren einige.

Wer nicht live dabei war, kann es kaum nachvollziehen

In 18 Jahren als Berufsradsportler fuhr Kemper insgesamt 166 Six Days, gewann 26. Drei davon in Dortmund. 1967 mit Horst Oldenburg, 1971 mit Klaus Bugdahl und 1975 mit dem Australier Graeme Gilmore. „Er war in Dortmund ein Held“, erinnert sich Sohn Christian. Wer nicht live dabei war, kann es kaum nachvollziehen.

Ein emotionaler Rückblick: Radsport-Fans trauern um Dieter Kemper

Begeisterte die Radsport-Fans in der Westfalenhalle über Jahre: Dieter Kemper (li.), hier mit Albert Fritz. © imago

Bis zu 18.000 Fans in der Westfalenhalle standen auf den Bänken in der Samstagnacht, als Kemper zu seinen gefürchteten Rundengewinnen ansetzte. Kemper lebte von seiner Kraft und Athletik. Eine unglaubliche Atmosphäre. Ebenso beim Großen Weihnachtspreis, den er fünfmal gewann.

Zahlreiche Titel: Einmal Weltmeister

„Dietze“ wurde auch siebenmal Deutscher Meister, siebenmal Europameister und einmal Weltmeister. Er bestritt die Tour de France und gewann bei der Tour de Suisse das Grüne Trikot des besten Sprinters. Er lernte die Welt kennen, fuhr 6-Tage-Rennen in Australien, Südamerika und den USA. Lange lief es gut in der Karriere von Kemper, das Ende besaß dagegen viel Dramatik.

Am 5. Dezember 1976 stürzte er bei einem Steher-Rennen in der Kölner Sporthalle und wurde anschließend von einem 200 Kilogramm schweren Schrittmachermotorrad am Kopf getroffen. Den Helm vom Kopf gerissen, lag Kemper blutend auf der Bahn. Es folgten neun Tage im Koma, der damals fast 40-Jährige überlebte, beendet aber ein Jahr später in Dortmund seine Laufbahn.

Nach dem dramatischen Unfall und dem Karriere-Ende waren die Erfolge schnell vergessen

Die Erfolge waren schnell vergessen. Im normalen Leben tat sich Kemper schwer. Eigentlich sollte der im Dortmunder Süden geborene Kemper die Nachfolge von 6-Tage-Chef Otto Weckerling antreten. Klappte aber nicht. Danach eröffnete er ein Radsportgeschäft in Scharnhorst, später eins in Barop. Beide liefen nicht. Irgendwie schien Dortmund mit Kemper zu hadern. Und umgekehrt.

2006 verließ er Dortmund, verkaufte das Haus im benachbarten Hengsen, zog mit Ehefrau Carola ins holländische Julianadoorp in ein Ferienhaus am Meer. Bei einem Telefonat kurz vor Weihnachten 2010 – seine Frau war da schon an einem Gehirntumor verstorben – ließ er seinen Unmut raus. Über das Ende des Dortmunder 6-Tage-Rennens, des Großen Weihnachtspreises der Steher.

Von Dortmund über Julianadoorp nach Berlin

Mit seiner Heimatstadt Dortmund hatte er nichts mehr zu tun. Das sei abgehakt. 2012 holte ihn Sohn Christian nach Berlin. Seitdem wohnte Kemper in einer Zweizimmer-Wohnung in Pankow.

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