Seit 2015 sagt der TSC Eintracht zu jugendlichen Geflüchteten „Willkommen im Fußball“. Mittlerweile ist der TSC ein internationales Vorbild.

Dortmund

, 24.10.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als 2015 nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Deutschland 475.000 Anträge auf Asyl gestellt wurden, die meisten davon in Bayern und Nordrhein-Westfalen, sei die Situation „sehr prägnant“ gewesen, findet Alexander Kiel, Vorstandsvorsitzender des TSC Eintracht Dortmund. Für ihn war sofort klar: „Sportvereine haben immer einen integrierenden Auftrag.“

Genau diesem wird der TSC Eintracht mit dem Projekt „Willkommen im Fußball“, gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern, der BVB-Stiftung „leuchte auf“ und dem Projekt „Angekommen“ der Walter Blüchert Stiftung, gerecht und ist mittlerweile ein internationales Vorbild. Einmal die Woche haben circa 20 Jugendliche zwischen 17 und 21 Jahren – alle Geflüchtete aus verschiedenen Ländern der Welt – die Möglichkeit, auf der Anlage des TSC zu kicken und anschließend in einem Sprachkurs Deutsch zu lernen. Es gilt das Motto: erst der Fußball, dann die Schulbank.

Die Kombination des Sports mit dem Deutschunterricht ist etwas Besonderes.

Die Kombination des Sports mit dem Deutschunterricht ist etwas Besonderes in Deutschland. Deshalb tummelten sich zuletzt auch Vertreter aus ganz England an der Victor-Toyka-Straße. Leicester City, Middlesbrough FC, Aston Villa, Fulham FC. Sie alle waren gekommen, um sich die Integrationsarbeit beim TSC genau anzuschauen. Den Diskurs in die Wege leitete Naomi Westland, die Leiterin des britischen Projektes „Football Welcomes“ von Amnesty International.

„Sie war vor einem Jahr schon einmal hier, hat auch im Deutsch-Unterricht hospitiert und die Ideen und Gedanken mit nach England genommen“, berichtet Wolfgang Euteneuer, der „Willkommen im Fußball“ federführend betreut. Naomi Westland ist begeistert von der Arbeit hierzulande. In Deutschland unterstützen 24 der 36 Profivereine das Projekt. „Sie sagen wirklich Willkommen. Die Message ist klar. Und das im ganzen Land, egal ob im Norden, im Süden, im Westen oder im Osten“, betont Westland, die Fußballvereine als das „Herz von Gemeinden“ sieht. Zwar seien auch in England schon 60 Vereine, von der Premier League bis zu Amateurvereinen, im Projekt aktiv, es gehe bei dem Besuch aber trotzdem darum, den „effektivsten“ Weg zu ergründen. Denn die Diskussion über Flüchtlinge sei in England sehr ähnlich zu der in Deutschland. „Deswegen ist es auch so wichtig, positive Geschichten zu erzählen.

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Projekt Willkommen im Fußball

In Deutschland gibt es unterschiedliche Organisationen und Experten, die zusammenarbeiten. Jeder bringt seine eigenen Erfahrungen und Ideen ein, und so profitieren alle voneinander“, lobt Westland, während Daniel Metzen, der Integrationsbeauftragte des TSC, erklärt: „England hat verstanden, dass man den Fußball nutzen kann, um soziale Themen zu setzen. Eins ist klar: Die Klubs haben die Power, es in die Gesellschaft hereinzutragen.“

Einer, der wöchentlich bei der Eintracht gegen den Ball tritt, ist der 21-jährige Shamil AlQasim. Aus dem Irak flüchtete er nach Deutschland und suchte aktiv nach einem Ort, wo er Deutsch lernen kann. „Da ich auch im Irak Fußball gespielt habe, wurde ich dann gefragt, ob ich bei diesem Projekt mitmachen möchte“. Er war sofort begeistert und bezeichnet es heute als „super cooles Projekt.“

England schaut zum TSC Eintracht

Auch Patrick Owomoyela und Marco Rühmann vom BVB gaben den Engländern ihre Erfahrungen und Expertisen zum Projekt weiter. © Patrick Radtke

Bei der Integration hätte es auf jeden Fall geholfen. „Ja sicher, ich fühle mich jetzt wie zu Hause. Wir kommen alle aus unterschiedlichen Ländern, ich spreche fünf Sprachen, aber im Training wird nur Deutsch gesprochen“, betont AlQasim. Das sei anders als zu Hause, „wo man sich häufiger in der Muttersprache unterhält“.

Ein wichtiger Partner des TSC Eintracht ist Borussia Dortmund, der immer mit Rat und Tat zur Seite steht, unter anderem für die Trainingsausrüstung sorgt und Aktionen wie Stadionbesuche ermöglicht. Für Marco Rühmann, den Leiter von „leuchte auf“ und Betreuer der sozialen Projekte des BVB, war die Zusammenarbeit mit der Eintracht besonders wichtig. Denn „Integration findet in der Gesellschaft statt“, und die Amateurvereine haben einen noch direkteren Zugang zu den Jugendlichen. Das Ziel sei es „die jugendlichen geflüchteten Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wir wissen ganz genau, dass wir mit dem Projekt nicht die komplette Welt verändern können. Wir können nur unseren kleinen Teil dazu beitragen“, so Rühmann.

Das Projekt soll auch 2019 weiterlaufen

Auch 2019 soll das Projekt weiterlaufen. Alexander Kiel ist froh darüber, mit dem BVB einen sehr professionellen Partner dabei zu haben, betont aber auch: „Im Grunde genommen machen wir jeden Tag Integrationsarbeit.“

Willkommen im Fußball ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, initiiert und gefördert von der Deutschen Fußballliga (DFL) und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Vor Ort kooperieren 24 der 36 Profivereine der Bundesliga und der 2. Bundesliga mit lokalen Bildungsträgern, bürgerschaftlichen Initiativen und Amateurvereinen, um jungen Geflüchteten den Zugang zum Sport zu erleichtern.
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