Erst langzeitverletzt, jetzt langzeitgebunden: Ein Neuzugang der BVB-U23 überzeugte sofort

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Die U23 des BVB hat einen starken Neuzugang dieser Saison schon jetzt weiter an sich gebunden - der hat erst 16 Spiele im schwarzgelben Trikot bestritten, zeigte sich aber flexibel.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 24.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das neue Jahr war erst ein paar Tage alt, da konnte gleich die erste Positiv-Meldung um einen der Neuzugänge aus dem alten Jahr verfasst werden.

Maximilian Hippe, 21 Jahre jung und erst im Sommer vom Ligakonkurrenten SV Rödinghausen gekommen, verlängerte seinen Vertrag um ein Jahr bis 2022. Hippe ist bestens eingeschlagen bei der U23 des BVB, hat Trainer Mike Tullberg und Manager Ingo Preuß gleich überzeugt – und wurde dafür nun entlohnt.

Dortmunds Kaderplaner sei „sehr frühzeitig auf meinen Berater zu gekommen“, erzählt der Defensivmann. „Dass mir nach so kurzer Zeit ein weiteres Vertragsjahr angeboten wurden, macht mich natürlich stolz.“ Kommt allerdings nicht von ungefähr. Denn Hippe hat in seinen bislang 16 Einsätzen einerseits Verlässlichkeit bewiesen. Und andererseits erhöhte Anpassungsfähigkeit. Als gelernter Zentralverteidiger wurde er bisher meist auf dem rechten defensiven Außenposten platziert.

Maximilian Hippe hat eine kompliziertes Jahr hinter sich

Eine Umstellung, die nicht plötzlich kam, sondern schon kurz nach seiner Ankunft von Tullberg so erprobt wurde. „In der Sommervorbereitung wollte es der Trainer mal testen. Im Trainingslager haben wir das gemacht – und ich habe mich anscheinend nicht so schlecht angestellt.“ Dabei war es zunächst natürlich ungewohnt, im Angriffsspiel habe es „anfangs ein paar Schwierigkeiten“ gegeben, sagt Hippe denn auch. „Wann ich wo am besten nach vorne laufen kann beispielsweise.“

Erst langzeitverletzt, jetzt langzeitgebunden: Ein Neuzugang der BVB-U23 überzeugte sofort

Maximilian Hippe hat bei der BVB-U23 verlängert. © Stephan Schuetze

Das sei dann mit der Zeit gekommen. „Ich“, bemerkt er, „ich werde zwar wohl nie einen richtigen, gelernten Außenverteidiger ersetzen können, aber das ist auch nicht meine Aufgabe.“ Seine Aufgabe war es, die personelle Lücke zu schließen, die sich ergeben hatte. Exakt das tat Hippe, zwar mit manchem Stellungsfehler, meist aber souverän agierend und sogar ab und an erfolgreich nach vorne stürmend.

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Dabei war dieser 1,94 Meter große Mann selbst ohne sonderlich viel Spielpraxis zur Borussia gekommen. 2015 vom Bielefelder Klub VfL Theesen nach Rödinghausen gewechselt, durchlief er erst die U19, spielte für die Zweitvertretung, ehe Hippe der Sprung In die erste Mannschaft gelang. Und obwohl er dort in der vergangenen Spielzeit beim DFB-Pokal-Erfolg gegen Dynamo Dresden in der letzten Minute der Verlängerung das umjubelte 3:2-Siegtor erzielte, bezeichnet er die Saison 2018/19 als „bisher komplizierteste“ seiner noch jungen Karriere.

Hippe: „Die lange Verletzungspause hat mich zurückgeworfen“

Nur vier Pflichtspiele nämlich konnte er da insgesamt absolvieren; jeweils zwei für Rödinghausen I und Rödinghausen II. Erst legte ihn eine Schambeinentzündung flach, dann machten ihm Hüftprobleme zu schaffen. Zuvor sei alles rund gelaufen, sagt Hippe, „die lange Verletzungspause hat mich allerdings zurückgeworfen.“ Doch, so meint er, „auch daraus lernt man, ich habe das Beste daraus gemacht, habe meinen Körper besser kennengelernt – und einiges umgestellt.“

So stärkt er seither mit spezifischem Krafttraining besonders den Rumpf und die Körpermitte. Und seine Ernährung hält er seit einigen Monaten strikt vegan, „um alle tierischen Proteine, die entzündungsfördernd sind, zu vermeiden.“ Hippe, das zeigen diese Beispiele, will so wenig wie möglich dem Zufall überlassen – und künftig freilich ohne Verletzung bleiben. Die Zeit bei Ärzten oder in Einzeleinheiten zu stecken, statt mit der Mannschaft auf dem Feld zu stehen, sei „schon sehr deprimierend“ gewesen, bemerkt er.

Hippe konkurriert bei der BVB-U23 mit Julian Schwermann

Außerdem musste sich Hippe anschließend manche Fähigkeiten erst wieder auf dem Platz erarbeiten. „Besonders das Timing war nicht mehr vorhanden. Ich brauchte erst mal wieder Sicherheit und das richtige Gespür fürs Spiel. Wann setzt man sich ab, wann sucht man den Zweikampf“ – dieses Wissen musste sich Hippe erarbeiten. Zunächst noch beim SV Rödinghausen, dem er im jetzigen Aufstiegskampf die Daumen drückt („Ich bin noch mit ein paar Spielern in Kontakt – und würde mich freuen, wenn sie es packen. Ich war fünf Jahre in Rödinghausen und verfolge das auch weiterhin“), dann bei Borussia Dortmund.

Erst langzeitverletzt, jetzt langzeitgebunden: Ein Neuzugang der BVB-U23 überzeugte sofort

Maximilian Hippe (M.) freut sich mit Trainer Maik Tullberg (l.) und Teammanager Ingo Preuß (r.) über seine vorzeitige Vertragsverlängerung. © Jens Volke/BVB

Dort, in der Restrückrunde, könnte Hippe seiner liebsten Position wieder näher kommen. Wenn das 3-5-2-System, das Fußballlehrer Tullberg intensiv einüben ließ, auch in Pflichtspielen Anwendung findet, wird Marco Rente wohl das zentralste Mandat übernehmen dürfen, Lars Bünning die linke Halbposition – und Hippe die rechte? In der am Montag absolvierten Generalprobe gegen Oberligist RSV Meinerzhagen (2:1) gehörte Julian Schwermann zur ersten Elf. Mit ihm könnte Hippe um den Startelfplatz konkurrieren. Klar ist: Den rechten Flügelspieler müsste er in der 3-5-2-Anordnung nicht mimen.

U23 des BVB peilt Tabellenplatz sechs an

Doch ob sie überhaupt zum Einsatz kommt am kommenden Samstag gegen den Wuppertaler SV (14 Uhr, Stadion Rote Erde), weiß freilich nur Chef Tullberg – und ist Hippe generell auch einerlei. Die Hauptsache sei, dass die Mannschaft „jetzt auf jeden Fall eine Alternative“ zum zuvor häufig praktizierten 4-3-3 bzw. 4-1-4-1 besitze. Die Vorzüge der jüngst erlernten Systematik erklärt er so: „Man hat drei Innenverteidiger, die auch mal rausrücken und Stürmer direkt unter Druck setzen können. Wenn sich mal ein Angreifer fallen lässt, kann ein Innenverteidiger mitgehen – und die anderen sichern ab.“

Die Fünferkette in der Defensive erlaube bei guter Staffelung, „eine sehr gute defensive Sicherheit“. Andererseits jedoch „steht und fällt alles mit der Kommunikation.“ Wenn die Absprache mangelhaft sei, so Hippe, dann entstünden fix empfindliche Lücken im Defensivverbund. Lücken, die die Gegner im ersten Halbjahr häufig gnadenlos ausnutzten. Tullberg, Trainer des aktuell Tabellenachten, bemängelte immer wieder fehlerhaftes Abwehrverhalten. Damit soll nun endlich Schluss sein, damit zumindest die korrigierte Zielsetzung erreicht werden kann.

Platz sechs wird angepeilt, außerdem der inoffizielle Titel des besten U23-Teams der Liga. Hippe, so die dosiert-forsche Ansage, möchte „natürlich wieder so viel spielen wie möglich und persönlich den nächsten Schritt gehen“. In der Innenverteidigung und verletzungsfrei.

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