Europameisterin Gesa Krause will in der Helmut-Körnig-Halle ihre Grenzen kennenlernen

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Gesa Krause ist ein Star der Leichtathletik. Am 27. Januar startet die Europameisterin über 3000 Meter Hindernis beim PSD Bank Indoor Meeting in Dortmund - obwohl es ihre Paradedisziplin dort gar nicht gibt.

Dortmund

, 17.01.2019, 12:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Selbst 30 Grad und mehr können Gesa Felicitas Krause nicht schrecken. „Ich mag diese Wärme“, berichtet die 28-Jährige aus dem Trainingslager in Südafrika, sie spüre, wie „ich in Schwung komme“. Nun will sich die zweifache Europameisterin über 3000 Meter Hindernis unter perfekten Bedingungen und mit so manchen Schweißperlen auf der Stirn den letzten Feinschliff für die Saison holen, die Bestzeiten und Titel bringen soll.

Damals und heute: Gesa Krause sehnt sich im Trainingslager ein bisschen nach dem Urlaub zurück.

Mögen Sie die Halle?

Ehrlich gesagt, geht meine Tendenz eher in Richtung Freiluftsaison. Die Halle hat ihre eigenen Tücken und man kann wegen der Enge auch mehr Fehler machen. Aber auch wenn es keinen Start in meiner Spezialdisziplin gibt, es ist eine gute Schule, ich kann Erfahrungen sammeln, ich kann auch Grenzen kennenlernen. Ganz einfach: Jeder Wettkampf bringt einen nach vorn.

Was können Sie in der Halle lernen?

Klar sind Rennen ohne Hindernisse zügiger. Ich will einen Schritt Richtung Sommer machen, ich will in meine Bestzeiten über 1500 Meter (4:08 Minuten, Anm. d. Red.) und 3000 Meter (8:49 Minuten, Anm. d. Red.) hineinlaufen. Das wäre dann eine ganz wichtige Standortbestimmung für die Freiluftsaison.

Die haben Sie sich mit einem furiosen Rennen im letzten Sommer in Berlin den EM-Titel gesichert. Wie sehr hat dies einen Schub gegeben?

Dieser Lauf war unheimlich wichtig für mich. Nach einigen Verletzungen und Krankheiten war mein Selbstvertrauen eigentlich weg, ich war fast ganz unten. Das Rennen aber hat mir gezeigt, ich kann das Blatt auch wenden, wenn vorher nicht alles perfekt war. Ich konnte alle Kräfte mobilisieren, es hat mich Kampfgeist gelehrt. Ja, es hat mir eine Menge Schwung gegeben.

Und neue Nahrung für den großen Traum Olympia-Medaille?

(lacht) Ja, ganz ehrlich, das ist mein ganz großer Traum. Als kleines Kind habe ich schon gesagt, ich möchte mal zu Olympischen Spielen. Nun war ich 2012 in London dabei, da hatte ich mich schon selbst übertroffen. Mit Platz sechs 2016 war ich nicht ganz zufrieden, da waren ja noch fünf Läuferinnen vor mir. Aber der Traum ist gewachsen und wächst weiter, zu den drei Glücklichen auf dem Podest zu gehören, und ich werde alles tun, um diesen Traum zu realisieren.

Sie sind bei der WM 2017 in London gestürzt, bekamen ein Knie an den Kopf und jemand trat Ihnen auf den Knöchel. Sie haben sich trotz aussichtsloser Position aufgerappelt und sind als Neunte über die Ziellinie gelaufen. Wegen Ihres Kampfgeistes und der fairen Haltung haben Sie viele Herzen erobert, Sie wurden geehrt. Was hat Ihr Herz gesagt?

Mein Herz hat geblutet. Es war schwierig, das Rennen in aussichtsloser Position zu Ende zu laufen. Ich war einfach bitter enttäuscht. Aber das Mitgefühl und die Anerkennung vieler Menschen haben mich schon etwas getröstet. Es war schon etwas Besonderes, es war teilweise überwältigend, wie sehr es honoriert wurde, es hat mir aus dem Tief geholfen. Heute ist es Teil meiner Geschichte.

Ihr Beliebtheitsgrad ist enorm. Schmeichelt es Ihnen oder fühlen Sie sich auch mehr verpflichtet?

Es freut mich einfach sehr. Aber deshalb spüre ich keinen Druck. Ich mache nur das, was mich erfüllt. Aber ich finde es toll, wenn viele mit mir mitfiebern, es motiviert mich, etwas zurückzugeben.

Laufen ist für Sie, wie Sie sagen, ein „professionelles Hobby“. Ist es auch mehr als das, ist es auch eine Sucht?

Es ist eine Lebenseinstellung, die zu mir gehört. Vielleicht ist es auch eine Art Sucht, aber es ist etwas, das mir sehr viel Freude bereitet. Und keine Sorge, ich schaffe es im Urlaub auch mal eine Woche oder länger, nicht zu laufen und einfach Luft zu holen. Es ist ja auch schön, mal etwas zu vermissen. Aber dann kribbelt es auch wieder.

Im Zusammenhang mit Ihnen fallen immer Vokabeln wie Wille, Disziplin, Zielstrebigkeit, Hartnäckigkeit, Ausdauer. Stimmt das alles?

(lacht) Oh, ich glaube, das passt alles sehr gut.

Auch die Überschrift „Klarer Kopf, große Erfolge“?

Nun, das ist lieb gemeint. Ich will schon wissen, wo meine Grenzen liegen, wie weit meine innere Energie geht. Es ist schon so, ich weiß genau, was ich will.

Und was wollen Sie beim Indoor-Meeting in Dortmund am 27. Januar?

Es ist mein erstes größeres Rennen in diesem Jahr, ich werde sicher ganz schön nervös sein. Ich möchte ein tolles Rennen zeigen, ich möchte meinen Hallenrekord angreifen. Die Vorfreude ist auf jeden Fall enorm.

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