Ex-Kicker haben jetzt das Sagen bei einem Dortmunder Fußballklub

rnFußball in Dortmund

Ein Dortmunder Fußballklub stellt sich in der Führungsetage auf eine ganz bestimmte Art und Weise auf. Der Klub will größtenteils mit Eigengewächsen in die Zukunft gehen.

Dortmund

, 12.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In vielen Vereinen wächst eine neue Funktionsträger-Generation heran. Vor ein paar Jahren noch auf dem Aufstellungsbogen, finden sich jetzt ihre Namen im Vorstand. Einer von ihnen, ein sehr routinierter Torwart, hat gerade die helle Freude an seinem Klub.

Jens Boenke (38) übernahm vor eineinhalb Jahren beim B-Liga-Spitzenreiter Urania Lütgendortmund mit mehreren anderen Alten Herren das Zepter. Der Ex-Keeper fungiert als Sportlicher Leiter und als „Immer-noch-Aushilfs-Torwart“. Gäbe es kein Corona, wäre der ohnehin schon zufriedene Boenke noch glücklicher. Denn einige Dinge taten den Lütgendortmundern zuletzt ziemlich gut: der Umbruch im Vorstand, das Vertrauen auf den eigenen Nachwuchs, beides nach dem Abstieg in die B-Liga vor einem Jahr, und um weiter zurückzublicken, auch der Umzug vom Rauhen Holz näher an den Dorfkern an die Evastraße.

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„Im Sommer vor einem Jahr hatten wir ein Vakuum im Vorstand“, erinnert sich der Sportliche Leiter. „Das haben wir gerne gefüllt. Und wir haben Wert darauf gelegt, dass auf dem Platz Jungs mit Urania-Hintergrund stehen oder zumindest welche aus der Nähe.“ Die Alten Herren leben Identifikation vor, die jungen Spieler sollen sie auch verkörpern. Und das gelingt alleine sportlich ziemlich gut. Die Urania steigert sich nach einer schon guten ersten Saison nach dem Abstieg, die sie als Vierter abschloss. Mehr geht momentan auch nicht, denn die Blau-Weißen gewannen alle sieben Spiele und sind damit alleiniger Tabellenführer der Liga B1.

Screenshots an den Trainer

„Das liegt auch am guten Trainer“, lobt Boenke Christoph Blumberg, der - na klar – aus dem Verein kommt. Zuvor hatte Blumberg die Reserve trainiert. Jetzt beweist er sich gerade eindrucksvoll mit der 1. Mannschaft. „Und er hat eine junge, entwicklungsfähige und auch entwicklungswillige Mannschaft.“ Laut Boenke ist das Durchschnittsalter etwas über 20. „Wir haben nicht den herausragenden Spieler. Die Jungs machen es alle gut. Viele kommen eben aus unserem Nachwuchsbereich. Auch 2021 rechnen wir mit acht bis zehn frischen Eigengewächsen.“

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Gut möglich, dass sie im eigenen Verein den Sprung wagen und nicht wechseln. Denn Blumberg kommt auch in dieser neuen Generation gut an. Dabei lege er großen Wert auf das Läuferische und die Physis, wie Boenke erklärt. Heißt aber auch: Wer etwas gut vermitteln kann, fördert die Leistungsbereitschaft. Dementsprechend verschicken die Spieler während der Corona-Krise auch eifrig Screenshots von ihren Handys an den Coach, um ihren Fleiß zu dokumentieren.

„Wir haben den Aufstieg nicht als Ziel ausgegeben“

Trotz des Topstarts möchten Boenke und Trainer aber keinen großen Druck aufbauen. „Wir haben den Aufstieg nicht als Ziel ausgegeben. Wenn wir jetzt aber oben stehen, sagen wir am Ende auch nicht nein.“

Auch die Entwicklung des Vereins macht den Aufstieg nicht zur existenziellen Frage. Die Urania lebt auf und neben dem Kunstrasen an der Evastraße. „Unsere Leute haben den Umzug sehr gut angenommen. Wir verstehen uns gut mit Hellweg, mit denen wir uns den Platz teilen. Wenn wir spielen, ist es immer lebendig.“ Vor Corona war das Vereinsheim ein beliebter Treffpunkt. Der Andrang im Juniorenbereich ist beachtlich hoch. „Wir stellen in allen Altersklassen Teams“, erzählt Boenke. Da wächst also das Fundament für kommende Seniorenteams heran.

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Die Urania kann ihren eigenen Weg mit Leuten, die den Verein im Herzen tragen, weitergehen. Und wenn Not am Mann ist, haben sie ja immer noch ihren Standby-Torwart. „Ich weiß, es gibt noch einige Torhüter in meinem Alter. Aber aus beruflichen und familiären Gründen wollte ich eigentlich kürzertreten. Wenn die Jungs mich brauchen, bin ich aber da.“ So lebt jemand Identifikation eindrucksvoll vor, so darf sein Verein auf viele Nachahmer hoffen.

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