Frauenpower beim Dortmunder Golfclub: „Mein zweiter Vorname ist Ungeduld“

rnGolf in Dortmund

Im Dortmunder Golfclub (DOGC) stehen die Zeichen auf Neuanfang. Seit neun Monaten gibt es eine Präsidentin und seit Januar 2019 nun auch erstmals eine Clubmanagerin. Ihre Ziele sind komplex.

Dortmund

, 17.01.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Foyer des 1956 gegründeten Dortmunder Golfclubs in der Reichsmark hängt eine Ahnentafel der bisherigen Präsidenten. Am 19. April 2018 wurde mit Andrea Marx erstmals ein Frauenname eingraviert. Das war die erste kleine Revolution, der mit Jahresbeginn die zweite folgte: Mit Amélie Bernsdorf übernahm erstmals in der DOGC-Geschichte eine Frau das Amt des Clubmanagers. Wir haben uns mit dem Führungsduo getroffen, während im Hintergrund Handwerker ein- und ausgehen.

Beim Dortmunder Golfclub stehen die Zeichen auf Neuanfang. Und was wird da gerade hinter uns im Klubhaus neu gemacht?

Andrea Marx (lacht): Wir werden ab Februar mit Felix Feldkamp einen neuen Klub-Gastronomen haben. Bei der Gelegenheit wurde festgestellt, dass die Küche aus dem Jahr 1961 in keinerlei Hinsicht den aktuellen Anforderungen unter anderem an Arbeitsschutz- und Hygienevorschriften entsprach. Die Renovierungsmaßnahme hatten wir vorher nicht auf dem Schirm, aber es muss gemacht werden.

Dann haben Sie, Frau Bernsdorf, ja gleich Ihre erste Aufgabe vor sich ...

Amélie Bernsdorf: Mit solchen Aufgaben kenne ich mich inzwischen aus. Bei meinem vorherigen Job in Stahlberg habe ich den Bau einer großen Driving Range koordiniert, da sollte es auch mit einer neuen Küche klappen (lacht).

Aber eigentlich haben Sie andere Aufgaben. Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Dortmund gewechselt?

Bernsdorf: Mich reizt dieser alt eingesessene Klub, der mit seinem anspruchsvollen Platz in wunderbarer Landschaft, mit seinem schönen Klubhaus und seinen netten Menschen, soweit ich sie bisher kennenlernen durfte. Dortmund ist ein Aushängeschild im NRW-Golf. Dort zu arbeiten, muss Spaß machen, deshalb habe ich mich aktiv beworben.

Früher hatten Golf-Klubs lange Wartelisten und hohe Aufnahmegebühren, das ist jetzt vielerorts anders. Wie muss man sich heute aufstellen, um zukunftsfähig zu sein?

Marx: Das ist tatsächlich eine große Herausforderung. Wir wollen und müssen aus einem Traditionsverein einen Klub machen, der weiter traditionell ist, aber den Anforderungen eines veränderten Golfmarktes entspricht. Mitgliederwerbung gehört unbedingt dazu, mehr Öffnung nach außen. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel 49 Vollzahler hinzugewonnen, das ist eine erfreuliche, aber auch notwendige Zahl. Wir haben die Beiträge für Kinder, Jugendliche und Studenten angepasst, haben die Golfschule, die jetzt ein PGA-Zertifikat hat, für Nicht-Klubmitglieder geöffnet. Wir haben Schnuppergolf angeboten, wir wollen die Aktion „Abschlag Schule“ wiederbeleben. Ach ja, die Driving Range wird auch gerade modernisiert, und eine neue Internet-Seite nebst App ist ebenfalls in Arbeit.

Das klingt nach sehr viel Aufbruch auf einmal ...

Marx: (lacht): Mein zweiter Vorname ist Ungeduld, aber ich habe durch das Golfspielen gelernt, dass man nicht alles auf einmal verändern kann, da geht es nur Schlag für Schlag. Die Aufgaben in einem Golfclub sind heute komplex, und manche Maßnahmen werden zum Teil sehr kontrovers diskutiert. So werden wir künftig Teile der Gastronomie für Nicht-Mitglieder öffnen, auch das ist eine kleine Revolution in unserer über 60-jährigen Klubgeschichte. Wir möchten wieder mehr Kontinuität in diesen wichtigen Teil des Klublebens bringen. Eine gute Gastronomie ist das Herzstück eines funktionierenden Klublebens. Wir wollen ein Verein mit Wohlfühlfaktor und Willkommenskultur sein und bleiben.

Bernsdorf: Meine Erfahrung aus dem In- und Ausland zeigt, wie wichtig es ist, sich nach außen zu öffnen. Der Wandel ist sicher nicht immer einfach, aber alternativlos für das Überleben der Vereine. Die traditionelle Welt geht dabei ja nicht unter.

Bernsdorf auf dem Blackstone Golfplatz in China:

Im fünfköpfigen DOGC-Vorstand sind drei Frauen, nun kommt noch eine Clubmanagerin hinzu. Führen Frauen anders?

Marx: Erst einmal gibt es bei uns keine Eitelkeiten. Wir sind im Vorstand zwar nicht immer einer Meinung, diskutieren auch kontrovers, aber bisher immer mit Kompromiss-Bereitschaft. Auch die Zusammenarbeit mit den Ausschüssen, die überwiegend mit Männern besetzt sind, klappt reibungslos. Das ist Ehrenamt im besten Sinne. Wir arbeiten gemeinsam an Strategie und visionären Themen, aber natürlich auch am Tagesgeschäft. Und das hält, wie die Küchenrenovierung zeigt, täglich neue Herausforderungen bereit.

Welche Themen, Frau Bernsdorf, stehen noch auf Ihrer Agenda?

Bernsdorf: Wir möchten uns zertifizieren für das „Golf & Natur“-Programm des Deutschen Golfverbandes (DGV), da geht es um Nachhaltigkeit, unter anderem in der Platzpflege. Auch „Ready Golf“, also die neue DGV-Initiative für schnelleres Spiel, wollen wir voranbringen. Wir werden künftig dafür auch Marshalls auf dem Platz einsetzen. Außerdem hoffe ich, dass wir sportlich weiter positive Schlagzeilen schreiben, das ist immer ein Aushängeschild für einen Verein.

Marx: Die Strahlkraft unseres Klubs zeigt sich alleine daran, dass unser Head-Pro Holger Böhme interessierten Spielern absagen musste und unser Neuzugang Fredrik Strandberg vom Erstligisten Hamburger GC lieber für unser Regionalliga-Team spielt, obwohl er ein Angebot aus Hubbelrath hatte.

Was sagen Sie Menschen, die noch nicht von Golf überzeugt sind?

Marx: Es ist ein sehr verbindender Sport für alle Altersklassen. Man muss strategisch spielen, also auch was im Kopf haben. Und es gibt keine Ausreden, alle spielen auf demselben Platz. Und der ist meist in sehr schöner Umgebung.

Bernsdorf: Stimmt, und kein Platz sieht gleich aus. Es gibt ständig neue Herausforderungen. Man kann in Gesellschaft, aber auch alleine spielen. Und es ist ein Supersport für jedes Alter und die ganze Familie, alle können gemeinsam loslaufen.

Das ist die neue Clubmanagerin Amélie Bernsdorf
  • Die aus Hamburg stammende Amélie Bernsdorf (32), seit Januar neue Clubmanagerin im DOGC und Nachfolgerin von Philipp Pfannkuche, hat an der University of Central Lancashire in England den Bachelor in Golf-Management und den Master in Sport-Management erworben.
  • Praktische Erfahrungen hat sie in verschiedenen deutschen Golfclubs, zuletzt beim GC Stahlberg im Lipperland, gesammelt, wo sie den Bau einer Driving Range, ein 500.000-Euro-Projekt, stemmte.
  • Bernsdorf (Hcp. 1,0) spielte 2018 beim Bremer Club Zur Vahr in der 2. Bundesliga und wird dort auch in der neuen Saison abschlagen.
  • Spielführerin Katja Richter übernimmt 2019 kommissarisch auch noch die DOGC-Jugend-Arbeit, wird dabei begleitet von Tanja Hillmann und dem Trainer-Team der Golfschule Böhme.
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