Fusionsklub Eintracht Dorstfeld hat große Pläne

Fußball

Rettung oder Untergang? Oft debattieren Nachbarvereine über Jahre, ob eine Fusion die zukunftsweisende Lösung ist. Mal ist es so spektakulär wie die Pläne des FC Brünninghausen und des Hombrucher SV – beide wollen den Traum von der Regionalliga verwirklichen. Dass es auch auf kleinerer Ebene funktionieren kann, zeigt sich in Dorstfeld. Das Porträt einer Fusion, die zeigt, dass sich geduldige Arbeit auszahlt.

DORTMUND

, 22.06.2017, 09:20 Uhr / Lesedauer: 3 min
Fusionsklub Eintracht Dorstfeld hat große Pläne

Die Vorstandsmitglieder Ludger Neuhaus (v.l.), Ina Rösch, Isabell Schulz, Michael Otto und Peter Hilbig sehen Eintracht Dorstfeld auf einem guten Weg.

Als sich 2008 die auf dem Sportplatz am Wasserfall beheimateten Klubs Fortuna und Karlsglück zur DJK Eintracht zusammenschlossen, gab es vorerst nur ein großes Ziel: Mittelfristig, so erklärten die Verantwortlichen damals, sollte die erste Mannschaft in die Bezirksliga. Darauf wartet man bei der Eintracht zwar weiterhin. Aber immerhin sieben Jahre nach der Fusion, im Jahr 2015, schaffte die fast aus dem Nichts entstandene Frauenfußball-Mannschaft den Aufstieg in die Landesliga, zudem gewann sie zum zweiten Mal nach 2016 in diesem Jahr die Hallen-Stadtmeisterschaft. Die Herrenmannschaft soll im kommenden Sommer, pünktlich zum 10. Geburtstag, wenigstens den lang ersehnten Sprung in die Kreisliga A schaffen.

Jetzt lesen

„Selbst wenn hier kein echter Dortmunder Großverein mit weiter Strahlkraft entstanden ist, so war die Fusion trotzdem richtig und notwendig“, sagt die 2. Geschäftsführerin, Isabell Schulz. Notwendig geworden war der Zusammenschluss vor allem aus sportlichen Gründen, wie es 2008 hieß.

850 Mitglieder

Fortuna hatte damals lediglich zwei Seniorenteams und eine Alte-Herren-Mannschaft – aber immerhin 100 Mitglieder. Karlsglück mit seinen damals insgesamt 600 Mitgliedern verfügte ebenfalls über zwei Seniorenmannschaften, aber auch über eine Jugendabteilung. Fortuna war der Fußballklub, Karlsglück bot auch Breitensport. Heute hat der Gesamtverein 850 Mitglieder. 450 davon entfallen auf den Bereich Fußball.

Was damals noch fehlte, war die gemeinsame Identität. Es gab Zweifel am eingeschlagenen Weg. „Gerade die Älteren, die zwar da waren, aber nicht mehr aktiv in der Vorstandsarbeit mitmischten, gaben sich skeptisch“, erinnert sich Ludger Neuhaus, 2. Vorsitzender der Eintracht. „Wir kannten uns nur vom Sehen, mussten uns erst mal aneinander gewöhnen“, ergänzt Schulz. Da sich beide Vereine aber den Platz teilten, fiel das Zusammenwachsen leichter.

Start mit zwei Teams

Weil beide Klubs zum Zeitpunkt der Fusion nicht höher gespielt hatten, ging die neue Eintracht mit zwei Kreisliga-A-Mannschaften ins Rennen anstatt mit einem Team mit den besten Fußballern. „Mit dieser Aufteilung haben wir uns selbst blockiert“, sagt Abteilungsleiter Peter Hilbig heute. Schon nach kurzer Zeit ging es runter in die B-Liga. Ein weiteres Problem: Mit seinem Ascheplatz schien der Klub wenig attraktiv. Umso wichtiger war den Verantwortlichen das Projekt Kunstrasenplatz, das 2015 schließlich realisiert war.

Es ging voran bei der Eintracht. Vor allem im Frauenbereich entwickelte sich der Klub zur guten Adresse im Dortmunder Westen. „Wichtig war uns, die Frauen in allen Fragen wie Ausrüstung oder Trainingszeiten gleichberechtigt zu behandeln“, sagt Neuhaus. Das zahlte sich aus: Manfred Schulze, der erfahrene Westfalenliga-Trainer, kam 2015 aus Berghofen und führte Dorstfeld in die Landesliga.

Neuer Schwung

Was dabei wuchs, war der Gemeinschaftssinn, sagt Michael Otto, der ebenfalls seit zwei Jahren in die Geschicke des Klubs eingebunden ist. „Beim Bäcker und beim Lidl“ überzeugte Eintracht-Vorsitzender Reinhard Klüh Otto, vom Nachbarn Dorstfelder SC zum Wasserfall zu wechseln. Und der zuvor auch beim Westfalenligisten FC Brünninghausen als Sportlicher Leiter aktive Dorstfelder Junge brachte neuen Schwung in den Fusionsklub. „Ich wollte eigentlich nichts mehr im Fußball machen, habe mich dann aber bereit erklärt, dem Verein in wirtschaftlichen Fragen wie beim Sponsoring zu helfen. Später wurde es dann doch wieder mehr“, sagt Otto, der mittlerweile Sportlicher Leiter der Eintracht ist.

Heute gibt es wieder Teams in allen Altersklassen, zudem eine Alte-Herren-Mannschaft und ein Mädchenteam. Ottos Fokus aber lag auf dem Aushängeschild im Männerbereich, der ersten Mannschaft. Im Winter 2015/2016 wechselten Ottos Sohn Daniel und die Westfalenliga erfahrenen Michael Kotlewski und Andreas Berning zur Eintracht und verzichteten dabei auf höhere Ligen und Geld. Ganz wichtig war auch der Zugang von Torwart Simon Tenkamp vom DSC. „Ich denke, in den Kreisligen gibt es keinen Besseren“, sagt Michael Otto. Am Ende der abgelaufenen Saison standen drei zweite Plätze der Herrenteams (einmal in der B-Liga, zweimal in den C-Ligen). „Nächstes Jahr wollen wir mehr“, sagt Otto. „In diesem Jahr waren die Sportfreunde Nette das beste Team in der B-Liga.“

Weiteres Aufrüsten

Trainer des Teams ist Ingo Kuhl, der vor Jahren Co-Trainer beim damaligen Westfalenlisten ASC 09 Dortmund war. Wieder rüstet der Fusionsklub auf: Aus der Landesliga vom VfL Kemminghausen kommt Dustin Nehm, aus der Bezirksliga Niklas Ernst von Westfalia Huckarde. Weitere externe Zugänge sind Vehdat Yalcin (DSC II) und Lennart Kurzweg (Brünninghausen II). „Ganz wichtig ist es, dass es Jungs aus der unmittelbaren Umgebung sind. Weiter als fünf Kilometer wohnt keiner entfernt.“ Und dann wird irgendwann vielleicht ja auch das 2008 ausgerufene Ziel wieder aktuell: die erste Mannschaft in die Bezirksliga zu bringen.

Lesen Sie jetzt