Fußballverband kurz vor Saisonabbruch: 50 Vereine schreiben offenen Brief - droht eine Klagewelle?

Amateurfußball

Ein Fußballverband aus Süddeutschland ist kurz vor dem Saisonabbruch. 50 Vereine des Verbandes haben sich in einem Offenen Brief positioniert. Droht eine Klagewelle?

NRW

, 16.04.2021, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fußballverband kurz vor Saisonabbruch: 50 Vereine schreiben offenen Brief - droht eine Klagewelle?

© Jens Lukas

Im vergangenen Jahr hat der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen eine simple Lösung gefunden: Die Spielzeit 2019/2020 wird abgebrochen, die endgültige Tabelle per Quotientenregel ermittelt.

Auch Aufsteiger sind so festgelegt worden, aber keine Absteiger.

Beim Bayerischen Fußballverband läuft die Spielzeit aus 2019 immer noch. Dort entschied man sich gegen einen Abbruch oder eine Annullierung, sondern pausierte die Spielzeit damals lediglich. Viele Spiele kamen seitdem nicht zu, die meisten Teams liegen bei 15 bis 20 Spielen.

Spielordnung sieht Quotientenregel vor

Jetzt könnte es aber zu einem Saisonabbruch kommen. Das Bayerische Kabinett beschloss am vergangenen Dienstag (13. April) eine Verlängerung der Lockdown-Maßnahmen bis zum 9. Mai.

„Durch den heutigen Kabinettsbeschluss und die sich daraus ergebende staatliche Verfügungslage ist ein flächendeckender Trainingsbetrieb ab dem 3. Mai, der notwendig gewesen wäre, um die Spielzeit 2019/21 in allen bayerischen Ligen noch einmal aufnehmen und die verbleibenden Spiele noch durchführen zu können, de facto nicht mehr möglich“, so BFV-Schatzmeister Jürgen Falterbacher gegenüber dem „Kicker“.

Der Verband plane nun mit den Vereinen zu sprechen. Bei einer sofortigen Saisonbeendigung sieht die Spielordnung die Quotientenregel vor.

Dagegen gibt es aber bereits Widerstand. 50 Vereinen haben sich in einem Offenen Brief an den Verband gewandt. Ihr Anliegen: Keine Absteiger nach der Quotientenregel.

„In Summe fordern wir den Verband bei einem voraussichtlichen Abbruch also auf, Aufsteiger aber keine Absteiger zu definieren. Um weiteren Schaden vom bayerischen Amateurfußball abzuwenden, gilt es eine Lösung zu finden, die Planungssicherheit für alle Vereine und eben keine Klagewelle nach sich zieht“, erklären die Klubs, darunter auch einige Vereine, die sich mit ihren Teams in Abstiegsregionen befinden.

Auch die Gerichte würden wohl pro Verband entscheiden

Diese Klagewelle hätte aber wohl wenig Aussicht auf Erfolg, erklärte der Münchner Sportrechtsexperte Thomas Summerer der „Passauer Neuen Presse“. Auch der mögliche Weg über Sports- oder Schiedsgerichte würde den Vereinen dann wohl auch nichts nützen. „Ein Verband darf nicht im Eigeninteresse handeln, er muss das Gesamtwohl im Blick haben. Ein Richtig oder Falsch gibt es allerdings nicht, daher räumen die Gerichte den Verbänden üblicherweise Ermessensspielraum ein“, erklärt Summerer.

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Eine Sache scheint klar: Die Saison aus 2019 wird in Bayern wohl ein Ende finden nach beinah zwei Jahren. Wie und ob gewertet wird, ist dabei noch unklar. Es bleibt spannend.

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