Gelbsperre verfällt über spielfreies Wochenende

Fußball: Strafe ohne Wirkung

Die Fußball-Staffelleiter der Region haben einen signifikanten Anstieg von Gelbsperren am vergangenen Wochenende bemerkt. Ein möglicher Grund: In vielen Ligen ist am Osterwochenende Pause. Die Sperre nach der fünften Gelben Karte verfällt. Die Teams nutzen dabei eine Lücke im Regelwerk.

DORTMUND

, 23.03.2016, 06:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Regel ist eine Einladung für die Amateurfußballer. Wer sich am vergangenen Sonntag die fünfte Gelbe Karte abgeholt hat, erhält keine Sperre. Denn diese verfällt nach zehn Tagen. An Ostern pausieren die meisten Teams, sodass die Verwarnung keine Folgen hat. Bleibt die Frage, ob diese Regel sinnvoll ist. Zum Hintergrund: Seit voriger Saison gibt es auch im Fußball-Amateurbereich Gelbsperren. Wer seine fünfte oder zehnte Gelbe Karte gesehen hat, muss ein Spiel zuschauen. Ein Spiel? Ganz richtig ist das nicht. Denn die Sperre läuft nach zehn Tagen automatisch ab - völlig egal, ob die Mannschaft eines Gelbsünders in dieser Zeit eine Pflichtpartie zu bestreiten hatte oder nicht.

Reza Hassani, dessen TuS Eichlinghofen(Bezirksliga 9) in einem Fall von dieser Regel profitiert, erklärt: "Ich halte von der Gelbsperre im Amateurbereich ohnehin nichts. Das macht alles komplizierter. Dass Emre Erdur wegen seiner fünften Karte nicht aussetzen musste, kommt uns jetzt aber nicht ungelegen." Hassani weiter: "Die Regel ist nun mal so. Und wenn dann ein Spieler wie unser Emre jetzt die fünfte Gelbe Karte sieht, lassen wir ihn ja nicht später freiwillig sperren."

Wie Staffelleiter Klaus Overwien (Bezirksliga 9) mitteilte, sind auch drei Spieler von Westfalia Huckarde betroffen. "Wir haben jetzt zehn Fälle, sonst sechs oder sieben. Viel mehr waren es am letzten Spieltag vor der Winterpause." Da griff dann auch die Zehn-Tage-Regel. Von Absicht spricht offiziell keiner. Ungerne sehen es die Verantwortlichen natürlich nicht, wenn Spieler so ihr Aussetzen umgehen. Jürgen Litzmanski, Huckardes Sportlicher Leiter, erklärt: "Ungelegen kommt uns das nicht." Die Huckarder kassierten übrigens zwei Karten: in der 75. und eine in der 90. Minute.

Lothar König, Staffelleiter der Bezirksliga 8, in der TSC Eintracht, TuS Hannibal und der Dorstfelder SC spielen, zählte am vergangenen Spieltag acht Gelbsperren. "Das ist schon viel", sagte König, der berichtete, dass ihn vergangene Woche ein Verein angerufen und gefragt habe, ob die Pause tatsächlich so zu nutzen sei. Die Dortmunder Klubs haben keinen betroffenen Spieler. Auch Alfred Link, Staffelleiter der Westfalenliga, fiel die Häufung auf, als er durchzählte: "Zehn sind deutlich mehr als sonst. Zwei Spieler von Westfalia Wickede, einer vom Kirchhörder SC und einer von Mengede 08/20 sind dabei."

Witzige Randnotiz: Kirchhördes Constantin Kesper ärgerte sich nach seiner vermeintlich überflüssigen fünften Verwarnung in Wanne-Eickel. Der Gegner klärte den KSC aber dann auf, dass sie keine Folgen hat und damit sogar an diesem Spieltag von Vorteil sei. Wie gesagt: Es geht nicht darum, jemandem Absicht zu unterstellen.

In der Landesliga 3, in der Helmut Engelage Staffelleiter ist, gab es sieben Gelbsperren. "Das ist außergewöhnlich", sagt auch Engelage und bestätigt damit die Eindrücke seiner Staffelleiter-Kollegen. Aufgrund von Nachholspielen verfallen hier aber nur vier Sperren. BSV Schüren und Hombrucher SV jedoch dürfen je einen mehrfach verwarnten Spieler nach Ostern wieder bringen. Böse sein werden sie darüber nicht. Es bleibt die Frage, ob solch eine Regel überhaupt oder nur dann Sinn ergibt, wenn sie für ein Pflichtspiel gilt.

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