Gestöhne von den Rängen: Junges Team von Westfalia Wickede kämpft nicht nur gegen die Gegner

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Westfalia Wickede will mit jungen Spielern einen neuen Weg gehen. Sie sollen Fehler machen dürfen. Von den Wickeder Zuschauern haben das am ersten Spieltag aber noch nicht alle verstanden.

Dortmund

, 13.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Es waren gerade einmal zehn Minuten in der neuen Spielzeit gespielt, da bekam Don Schreiber schonmal die ganze Wut von der Tribüne zu spüren: „Kerloker Du“ schrie einer, während der Rest der Tribüne auf Schreibers Seite kollektiv aufstöhnte. Der 19-Jährige Neuzugang vom TSC Eintracht Dortmund hatte gerade seinen ersten Fehlpass im neuen Trikot gespielt. Willkommen in Wickede!

Stark verjüngtes Team

Es war natürlich nicht die einzige Aktion, die beim ersten Heimspiel der Wickeder Neuzeit nicht so klappte. Am Ende der 0:1-Niederlage gegen den TuS Sinsen konnte man die offensiv wirklich gelungenen Aktionen der stark verjüngten Westfalenliga-Truppe von Trainer Alex Gocke an einer Hand abzählen.

Zwar lief der Ball mitunter gefällig durch die eigenen Reihen, aber wenn sich die Wickeder dem Sinsener Tor näherten, gerieten die Pässe meist zu ungenau, zu unscharf oder wurden schon vorher abgefangen. „Wir standen gerade zusammen und ich habe das Gefühl, dass wir hier zu Hause Angst hatten, Fehler zu machen“, sagte Gocke hinterher. Dass die Reaktionen von den Zuschauern auf den Rängen dazu beigetragen hätten, wollte der Coach nicht gelten lassen: „Sowas kann auch an einem Abprallen und es darf einen auch nicht großartig beeinflussen.“

Krahn schwamm sich frei, Pietryga nicht

Das Problem ist, dass es junge Spieler natürlich beeinflusst, wenn von draußen schon beim ersten Fehlpass gestöhnt und gemeckert wird. Schreiber war nur ein Beispiel dafür, es folgten in einem fehlerbehafteten Spiele viele weitere.

Fynn Krahn, gerade erst 19 Jahre alt gewordener Innenverteidiger mit nahezu den meisten Ballkontakten im Wickeder Aufbauspiel, schwamm sich irgendwann frei, Außenbahnspieler Marcel Pietryga, der in der Vorbereitung noch mit vielen Vorbereitungen und Toren auf sich aufmerksam gemacht hatte, ging unter und wurde zur Halbzeit ohne nennenswerte Szene ausgewechselt.

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Wickede-Trainer Alexander Gocke nach dem 0:1 gegen Sinsen

Armin Mehovic (20), der in der Vorbereitung noch nach Belieben getroffen hatte, trag über den Ball und Hakan Cevirme (19) vergab in der 94. Minute den Ausgleich mit einem Kullerball aus sechs Metern: „Natürlich haben wir eine blutjunge Truppe, die auch Fehler macht“, sagte Gocke, nicht ohne auf die hohe fußballerische Qualität hinzuweisen, die sich in den kommenden Wochen festigen werde, „aber wir müssen eine gewisse Gelassenheit entwickeln. Wir wissen ja auch, dass wir Unterstützung erfahren, wenn es notwendig wird, deshalb hat jeder das Recht, auch mal zu meckern. Aber es kann natürlich nicht sein, dass wir in Tränen ausbrechen und das Fußballspielen einstellen, wenn auf den Rängen gestöhnt wird.“

Grautöne zulassen - trotz der Vereinsfarben

Nun ist niemand tatsächlich in Tränen ausgebrochen, aber der Hinweis darauf, trotz der Wickeder Vereinsfarben nicht immer nur schwarz und weiß zu sehen, sondern passend zu den neuen Trikots auch mal Grautöne zuzulassen, darf bei den anspruchsvollen Zuschauern im Pappelstadion aber gerne angenommen werden: „Wenn ich mir was wünschen dürfte“, sagte Gocke hinterher auf der Pressekonferenz, als er von einem Zuschauer noch einmal auf die ungeduldige Stimmung auf den Rängen angesprochen wurde, „dann wäre es Anfeuerung statt Gestöhne.“

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Was folgte war viel Applaus für den Wickeder Coach, der sich aber absolut darüber im Klaren ist, dass er die Zuschauer vor allem über sportliche Erfolge auf die Seite der neuen Wickeder Mannschaft bekommt. Mit dem heutigen Dienstag beginnt die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel bei YEG Hassel. Da gibt es sicher weniger Gestöhne – aber nicht automatisch Punkte.

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