Gina Lückenkemper übertrifft alle Erwartungen

Leichtathletik

Einen Moment schaute sie ungläubig auf die Anzeigetafel, dann riss sie jubelnd die Arme hoch. 7,19 Sekunden stand dort oben auf der Anzeigetafel in der Leichtathletik-Halle im Düsseldorfer Arena-Sportpark, Gina Lückenkemper hatte ihre persönliche Bestzeit über 60 Meter geradezu pulverisiert und sich um sensationelle 31 Hundertstelsekunden gesteigert.

DORTMUND

, 02.02.2017, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gina Lückenkemper übertrifft alle Erwartungen

Mit voller Power zur Bestzeit: Sprinterin Gina Lückenkemper.

„Das ist ja der helle Wahnsinn, ich bin wirklich ohne große Erwartungen hierhin gefahren“, rief die 20-jährige Sprinterin der LG Olympia Dortmund. Es sollte ein vorsichtiger Einstieg in die Hallensaison werden, ein zartes Reintasten, jetzt war es fast eine Leistungsexplosion. „Ich kann auch ganz kurze Strecken“, jubelte sie, „das hat heute grandios Spaß gemacht“. Nie hätte sie gedacht, dass sie in Düsseldorf die EM-Norm läuft.

Von der Uni in den Startblock

Am Morgen um fünf Uhr war sie aufgestanden, hatte schon am Vormittag einen Vortrag an der Uni gehalten, eigentlich hätte sie richtig müde nach Düsseldorf fahren müssen. Aber dann steigerte sie sich schon im Vorlauf auf 7,22 Sekunden, vor dem Finale steckte ihr Trainer Uli Kunst ein Snickers zu, „ich hatte Hunger“.

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Und dann ging die Post ab, natürlich ließ Gina Lückenkemper am Start wie eigentlich immer ein paar Hundertstelsekunden liegen. Aber es hielt sich im Rahmen, spätestens nach 20 Metern flog sie förmlich über die Bahn. Es war ein erlesenes Feld, in dem sie sich behauptete, und es dürfte ihr sicher nicht unrecht gewesen sein, die nationale Spitze der weiblichen Kurzstreckler hinter sich gelassen zu haben. „Man muss immer mit mir rechnen“, sagte die 20-Jährige, „man sollte mich immer auf dem Zettel haben. Es sollte keine Drohung sein, allenfalls eine leichte Kampfansage.

"Hinten heraus war es saustark"

Wer es bisher noch nicht wusste, der weiß es seit Mittwoch: Gina Lückenkemper ist weit mehr als eine 200-Meter-Läuferin. Sicher, so 60 Meter sind ein wenig kurz, aber selbst auf dieser kurzen Strecke konnte sie ihre Stärken zeigen. „Hinten heraus war das heute saustark“, meinte sie, „schade, als ich gerade so richtig in Fahrt kam, da kam schon die Ziellinie. Ich wäre gern noch ein wenig länger gelaufen“.

Gina Lückenkemper also richtig glücklich, Patricia de Graat war da weit weniger happy. Platz acht für die Dortmunderin im 800-Meter-Lauf national, auch die Zeit von 2:12,92 Minuten konnte sie nicht begeistern. „Natürlich bin ich nicht zufrieden“, sagte sie, „ich habe zu früh den Kontakt zur Spitze verloren, da hätte ich mitgehen sollen“. Auch Fynn Schwiegelshohn gelang das nicht ganz, über 1500 Meter national belegte der Mittelstreckler in 3:58,01 Minuten aber immerhin Platz drei.

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