Gold-Junge Julian Garth: „Es ist wichtig, dass man sich nicht hasst“

rnRudern

Mit einer kleinen Meldung im Lokalsport der Ruhr Nachrichten begann die Ruder-Leidenschaft, zehn Jahre später ist Julian Garth U19-Weltmeister und seit Sonntag auch U23-Europameister.

Dortmund

, 10.09.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 18-jährige Bodelschwingher, der im Februar des Jahres von den RN-Lesern und Radio 91.2-Hörern nach dem Gewinn der Goldmedaille bei der Junioren-WM in Tokio zum „Juniorsportler des Jahres“ in Dortmund gewählt worden war, holte am Wochenende bei der U23-Europameisterschaft auf der Duisburger Wedau mit dem Deutschlandachter die Goldmedaille - und das als mit Abstand Jüngster im Großboot. Wir sprachen mit dem 2,04 Meter langen Modellathleten.

In diesem Jahr ist viel passiert. Welchen Stellenwert hat das EM-Gold für Sie?

Ja, es war schon verrückt. Erstmal die lange währende Unsicherheit, ob wir durch Corona überhaupt einen Wettkampf haben würden in 2020. Das lange Trocken-Training mit ungewissem Ziel, und das in meinem ersten Jahr im U23-Bereich Zwischendurch das Abitur (lacht). Dann die Zusage, dass nach Absage der WM in Bled wenigstens die EM stattfindet. Dass ich es dann in den Achter, in meinen Augen die beste Bootsklasse, geschafft und mit ihm so souverän Gold geholt habe, das war die absolute Krönung.

Was war nach der Zieldurchfahrt in Duisburg los?

Wir sind vom Rennen direkt in die Party übergegangen (lacht). Es war schön, dass ein paar Freunde und die Familie an der Wedau vor Ort waren, natürlich unter den gegebenen Umständen mit Maske und Abstand. Das Singen der Nationalhymne war für uns alle sehr emotional. Als ich später das Handy angemacht habe, ist es vor lauter Glückwünschen förmlich explodiert. Am Abend hatten wir am Bootshaus in Dortmund noch eine kleine Feier mit einigen aus der U23-Nationalmannschaft. Zum Erholen bleibt jetzt ja Zeit bis Anfang Oktober. Wir haben trainingsfrei. Das ist auch ganz gut, um dem Körper nach sechs Wochen Trainingslagern und Wettkampf Erholung zu gönnen und den Kopf mal richtig durchzulüften.

Wie konnte in nur sechs Wochen ein so starker Achter zusammenwachsen?

Unser Bundestrainer Christian Viedt hat ein Team zusammengestellt, das nicht nur ruderisch, sondern auch menschlich super funktioniert hat, wir kamen auch außerhalb des Bootes gut miteinander klar. Für mich ist es schon wichtig, dass man sich nicht gegenseitig hasst. Nach dem klaren Vorlaufsieg haben uns vorgenommen, nicht zu euphorisch zu sein, konzentriert zu bleiben. Wir haben die goldene Mitte gesucht - und zum Glück gefunden.

Warum sind Sie als Zehnjähriger eigentlich beim Rudern gelandet, bei Ihrer Länge wäre doch auch Basketball eine Option gewesen, oder?

Ich wollte draußen Sport treiben, und da stand in den Ruhr Nachrichten eine Einladung des Ruderclub Hansa zum Schnuppertraining. Da bin ich dann mal hingegangen, war aber anfangs gar nicht so motiviert. Wenn es geregnet hat, bin ich zuhause geblieben (lacht). Aber ich habe dann Kontakte aufgebaut, und es macht auch Spaß, seinen Ruderschlag immer weiter zu verbessern. Dann kamen erste Erfolge, und ich bin dabeigeblieben.

Ein Glück für Sie. Wie geht es jetzt weiter?

Die Saison ist zuende, im Oktober beginnt die neue. Im November beginne ich mein Studium im Bauingenieur-Wesen in Bochum. Da hilft es mir sehr, dass ich von verschiedenen Seiten wie der Deutschen Sporthilfe, der NRW-Sporthilfe und der Wilo-Foundation finanziell unterstützt werde, um Training und Studium besser unter einen Hut zu bekommen. So werde ich mir einen fahrbaren Untersatz besorgen, um nicht beim Pendeln zwischen der Uni in Bochum und der Trainingsstätte in Dortmund auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein.

Und welche sportlichen Ziele peilen Sie an?

Ich möchte mich natürlich im U23-Bereich weiter etablieren, am allerliebsten im Achter. Vieles hängt natürlich von der Corona-Situation im nächsten Jahr ab. Wohin das führen kann, haben wir jetzt in Duisburg gesehen, als die Ungarn wegen einiger Krankheitsfälle die EM absagen mussten. Auch die Kanadier dürfen zur Zeit nur im Einer trainieren, die waren ganz schön neidisch, dass wir in allen Bootsklassen an einer EM teilnehmen durften. Also: Wenn 2021 Wettkämpfe stattfinden sollten, möchte ich gern wieder aufs Treppchen (lacht).

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