Grompe: Traum von Rio lebt weiter

Leichtathletik

Ganz tief will sie öffentlich nicht in ihrer Gefühlskiste kramen. Und so mag Katharina Grompe auch nicht wirklich davon sprechen, vor wenigen Tagen ein paar Tränen in den Augen gehabt zu haben. Aber als sie wieder die Spikes an den Füßen hatte, „da war das schon ein emotionaler Moment für mich“.

DORTMUND

, 30.03.2016 / Lesedauer: 3 min
Grompe: Traum von Rio lebt weiter

Die Zeit der Leiden ist vorbei: Katharina Grompe kehrt wieder auf die Tartanbahn zurück.

Mehr als 13 Monate stand sie nicht mehr mit dem Schuhwerk, das so schnelle Sprints erlaubt, auf der Tartanbahn. Im Februar 2015 hatte sie bei den nationalen Titelkämpfen Platz sechs über 60 Meter belegt, die junge Dame von der LG Olympia Dortmund wollte gerade richtig angreifen. Dann bremsten sie Leistenbrüche, dann schrie die Tibialis-posterior-Sehne, zu deutsch hinterer Schienbeinmuskel, auf, „sie hing nur noch am seidenen Faden, war zu 90 Prozent gerissen“.

Bittere Diagnose

Eine bittere Diagnose, weil sie vieles, wenn nicht alles im Leistungssport in Frage stellt. Aber Katharina Grompe wollte deshalb nicht einknicken. „Ich hatte ja fast schon Glück im Unglück, dass da noch etwas rumbaumelte“. Operiert werden musste die heute 22-Jährige trotzdem, die medizinische Prognose war eher niederschmetternd: „Es dauert ein Jahr nach der OP, bis die Sehne wieder bei 100 Prozent ist.“ Die Sprinterin versuchte so geduldig wie möglich zu sein, nun, acht Monate nach dem Eingriff, könne sie die Sehne fast schon wieder zu 100 Prozent belasten, „und das mit ruhigem Gewissen“.

Heute steigt sie in den Flieger nach Mallorca, sie fährt ins Trainingslager, und der nächste emotionale Moment steht damit an. „Es geht in die richtige Richtung“, sagt sie, sie will es nicht zu hoch hängen, aber sie fühlt sich endlich wieder gut, spürt, wie sich die Muskulatur wieder aufbaut, sie ist schmerzfrei, der Spaß, die Freude am Sport sind wieder da, und fast ein wenig zaghaft, als könne sie es selbst nicht glauben, meint sie: „Das hatte vor einigen Tage schon wieder etwas mit Sprint zu tun.“

"Warum trifft es immer mich"

Sie weiß es zu schätzen nach einigen Jahren, in denen es die Gesundheit nicht gerade gut mit ihr meinte, in denen sie ständig von Verletzungen gebremst wurde. In denen sie sich natürlich auch selbst gefragt hat: „Was ist bloß mit meinen Körper los, warum trifft es immer mich.“ Und als dann die Diagnose mit der angerissenen Tibialis-posterior-Sehne kam, dann war das zwar bitter, aber gleichzeitig war sie auch erleichtert, „endlich konnte etwas gemacht werden“.

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In den dunklen Stunden brauchte sie ein intaktes Umfeld, Eltern, Freunde, Trainer, Sponsoren, sie bekam Unterstützung von vielen Seiten. „Es war alles nicht leicht, das Schlimmste war, ich konnte nichts machen. Ich brauchte eine Menge Durchhaltevermögen.“ Die Überlegung, aufzugeben, die noch so junge Karriere zu beenden, „daran habe ich nie gedacht“. Es seien zwei Gedanken gewesen, die sie nicht verzweifeln ließen. Eine gute Portion Trotz, „ich will es einfach“, mehr aber noch trieb es sie an: „Ich will einfach meine Grenzen austesten, ich will wissen, wie schnell ich sein kann.“

Sportlicher Alltag

Ein wenig gibt sie die Antwort jetzt schon. „Ich bin überzeugt, wenn ich richtig gesund bin, kann ich sehr schnell laufen.“ Im Trainingslager will Katharina Grompe den nächsten Schritt machen, gescheit trainieren, auch mal eine Pause einlegen. Sie freue sich auf die Tage, sie „sind der Wiedereinstieg in den sportlichen Alltag.“ Sie verordnet sich selbst Gelassenheit, so schwer es ihr auch fällt. Sie werde nicht zu schnell zuviel wollen, „Ich gehe erst dann wieder auf die Bahn, wenn ich richtig fit bin.“ Ja, die Sommersaison habe sie im Kopf, das Ziel ist klar umrissen: „Ich möchte meine 100-Meter-Bestzeit von 11,43 Sekunden steigern.“ Und der große Traum von Olympia, erst einmal auf Eis gelegt? Sie zögert kurz, dann die Antwort: „Nein, Olympia habe ich im Hinterkopf, sonst würde ich nicht so kämpfen.“

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