Grompe will mit neuem Trainer wieder durchstarten

Leichtathletik

Sie stellt noch einmal die Uhren auf Null, unternimmt einen neuen, vielleicht sogar den letzten Anlauf, um ihre Karriere in Schwung zu bringen. Katharina Grompe und Trainer Thomas Kremer haben sich nach vier Jahren, "in denen ich eigentlich fast immer verletzt war", getrennt, "in bestem Einvernehmen", wie beide Seiten im Gespräch mit dieser Redaktion überzeugend betonen.

DORTMUND

, 23.08.2017, 10:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Grompe will mit neuem Trainer wieder durchstarten

Katharina Grompe muss verletzt pausieren.

Katharina Grompe, Kurzstrecklerin der LG Olympia Dortmund, galt vor einigen Jahren als eines der hoffnungsvollsten Sternchen am deutschen Sprinter-Himmel. Die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen bereits 2016 in Rio de Janeiro war das große Ziel, doch kleinere und größere Wehwehchen machten der heute 23-Jährigen immer wieder einen dicken Strich durch alle Comeback-Träume. Allein in den letzten zwei Jahren musste sie dreimal operiert werden. In diesem Sommer wollte sie wieder auf der Laufbahn stehen, doch erneut zwang sie eine schwere Muskelverletzung zur Untätigkeit.

„Nun haben Thomas Kremer und ich nach sehr vernünftigen Gesprächen beschlossen, unsere Zusammenarbeit zu beenden“, sagt Katharina Grompe. Beide Seiten seien offenbar zu dem Ergebnis gekommen, „dass es so keinen Sinn mehr macht“. Andere Athletinnen hätten noch einer so langen Leidenszeit, in der man sich ja auch unweigerlich die Frage stellen muss, ob der Körper für einen derart intensiven Leistungssport nicht gemacht ist, sicher an ein Karriere-Ende gedacht, doch das ist für die Dortmunderin noch keine Option, „ich will jetzt einen neuen Weg gehen und wieder richtig auf die Beine kommen“.

Ein langer Weg

Helfen auf diesem Weg, „vielleicht habe ich in der Vergangenheit auch manchmal zuviel gewollt“, soll ihr dabei Thomas Prange. Der erfolgreiche Trainer hat in Paderborn gleich mehrere Sprinterinnen um sich geschart, unter anderem auch Tatjana Pinto. „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit“, sagt Katharina Grompe, die natürlich weiß, welch langer Weg zurück in die nationale Spitze auf sie wartet. Viele schnelle junge Damen sind in den letzten beiden Jahren Zeiten um die 11,10 bis 11,20 Sekunden gelaufen, Vereinskameradin Gina Lückenkemper hat in diesem Jahr bei der Weltmeisterschaft in London die magische Elf-Sekunden-Marke geknackt, Katharina Grompes Bestzeit über 100 Meter aus dem Jahr 2013 liegt bei 11,43 Sekunden. Und in den letzten vier Jahren hat sie eigentlich nur in Ausnahmefällen Spikes unter den Füßen gehabt.

Aber all diese Rückschläge konnten ihr den Mut und die Zuversicht nicht nehmen. Natürlich habe sie sehr schmerzhaft gespürt, dass viele von ihr abgerückt seien, eigentlich nur noch Freunde und vor allem Familie hinter ihr standen, aber es hat sie nicht resignieren lassen. „Ich will beweisen, dass ich es drauf habe“, sagt sie mit einer Portion Trotz, „da schlummert etwas, das noch raus will“.

"Niemand erkundigt"

Sie weiß, sie muss noch mal ganz von unten anfangen, der Deutsche Leichtathletik-Verband hat sie, die so häufig verletzte Athletin, nicht mehr zu Lehrgängen eingeladen, „es hat sich auch niemand nach mir erkundigt“. Nun also führt sie der Weg nach Paderborn, in den letzten Monaten war sie weitgehend zur Untätigkeit gezwungen, „da war an Leichtathletik nicht zu denken“, ab dem 1. September, „meinem Geburtstag“, beginne der Countdown, „ich will wieder mit dem Lauftraining beginnen, dann kann hoffentlich das Krafttraining kommen“.

Noch sei nicht abschließend geklärt, wie häufig sie sich künftig in Paderborn aufhalten werde, noch gebe es keine abschließenden Gedankenspiele, ob sie den Verein wechseln werde oder müsse. Bisher hat die LG Olympia Dortmund ihr die Treue gehalten, „ich hoffe, er zeigt mit jetzt nicht die kalte Schulter“. Aber käme es zur Trennung, sollte es auch da zu einer Lösung kommen.

Uhren auf Null

Zunächst aber freue sie sich auf die neue Herausforderung, auf eine leistungsstarke Trainingsgruppe, rein in ein komplett neues Umfeld, vielleicht auch raus aus der bisherigen Komfortzone. Sie hoffe, sie gehe gestärkt aus dieser schwierigen Zeit heraus, ihr Glaube an sich und ihre Leistungsstärke hat ohnehin nie gelitten. „Ich habe nie gezweifelt, was ich wirklich kann.“ Jetzt hat sie die Chance, es zu beweisen. Die Uhren stehen auf Null.

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