Hans-Peter Durst: Auf dem Dreirad zu Gold

Paralympics 2016

Wenn Hans-Peter Durst mit seinem Dreirad den Berg herunterfährt, wirkt er absolut konzentriert. 2012 holte er in London Silber, ist zudem Doppel-Weltmeister. Der Dortmunder ist als Radsportler für die Paralympics in Rio nominiert - und will zwei Medaillen holen.

DORTMUND

24.08.2016, 08:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hans-Peter Durst will in Rio zwei Medaillen holen.

Hans-Peter Durst will in Rio zwei Medaillen holen.

Auf das Dreirad - und los geht's. Immer wieder bergige Strecken, kurze, intensive Trainingseinheiten, drei bis vier Stunden - ein normaler Tag für Hans-Peter Durst. Der 58 Jahre alte Dortmunder gilt bei den Paralympics in Rio de Janeiro als einer der Favoriten. Für dieses Ziel trainiert er täglich sehr intensiv. Der 58-Jährige ist einer von bundesweit 14 Radsportlern bei den Paralympics. Die Chancen für die deutschen Athleten stehen durchaus gut. „Bei der letzten WM und den Paralympischen Spielen waren wir die erfolgreichste Nation im Vergleich zur Teilnehmerzahl“, sagt Durst.

Gleichgewichtsstörung

1997 bekam der Dortmunder sein erstes Dreirad. Durch einen Unfall hat Durst eine Gleichgewichtsstörung. Er kann auf beiden Augen auf der linken Seite schlecht sehen. Außerdem hat er Bewegungsschwierigkeiten am rechten Bein. „Mit dem Dreirad benutzt man eine ganz andere Technik“, sagt Durst. „Man fährt immer auf drei Punkten und kann keine klassische Neigetechnik nutzen.“

Auf einem normalen Fahrrad müsse man in der Kurve fahren, auf dem Dreirad sei es genau das Gegenteil. Wichtig sei, dass nicht ein Rad vom Boden abhebe, sonst stürze man. Diese Technik könne nur über mehrere Jahre erlernt werden. Dazu gehören viele monotone Trainingseinheiten, die immer wieder mit der gleichen Kurve erarbeitet werden. „Als ich zum ersten Mal auf dem Dreirad saß, sah das noch eher wie radeln im Kurpark aus“, so Durst. „Es hat sich eben über Jahre und mit ganz unterschiedlich ausgeprägten Zielen entwickelt - und verbunden mit mehr als notwendigen Stürzen.“ Für Durst war das Dreirad die Möglichkeit, zunächst in den Alltag zurückzukehren und sich später dem Leistungssport zu widmen.

2012 ein Höhepunkt

Schwierig war es für ihn 2012, als er vor den London-Spielen am Dortmunder Phoenixsee einen Unfall mit einem anderen Radfahrer hatte. Trotz schwerer Verletzungen an beiden Händen und eines Trümmerbruchs am rechten Daumen nahm Durst an den Paralympics teil. Er gewann die Silbermedaille im Einzel-Zeitfahren - ein Höhepunkt seiner Karriere.

Ende August geht es für den Dortmunder nach Rio. Am 14. September startet das Einzel-Zeitfahren, am 16. September folgt das Straßenrennen. Durst fährt am liebsten einzeln: „Da muss man seinen eigenen Körper sehr gut kennen und darf sich nicht überfordern.“

"Mental gut eingestellt"

Bei den Straßenrennen, wo alle gemeinsam auf die Piste gehen, stellt vor allem seine Sehbehinderung eine Schwierigkeit dar. Hans-Peter Durst kann links nicht sehen, wenn ein anderer Fahrer an ihm vorbeiziehen will. Er hoffe natürlich trotzdem auf zwei Medaillen. „Ich bin ordentlich trainiert und vor allem mental gut eingestellt“, so Durst. „Das ist enorm wichtig, so ein Rennen bedeutet schließlich viel physischen und psychischen Druck.“

Um in Rio möglichst beide Ziele, also Medaillen in zwei Rennen, zu erreichen, hat der Ausdauersportler viel trainiert. „Dazu gehört zum Beispiel Frequenztraining hinter dem Motorrad mit dem Bundestrainer Patrick Kromer“, sagt Durst. Wie es nach Rio aussehen wird, weiß Durst noch nicht. Jedes Jahr werden die Rennen und das damit verbundene Training beschwerlicher. „Ich hatte neulich Besuch von Carol Cooke, der australischen Olympiasiegerin, und sie hat mich gefragt, ob ich noch gerne Rennen fahre und ob ich noch wettbewerbsfähig bin“, sagt Durst. „Nachdem ich beides bejahte, fragte sie mich, warum ich ans Aufhören denke.“

Gesundheit geht vor

Am wichtigsten sei natürlich trotzdem die Gesundheit. Falls er doch keine Rennen mehr fahren sollte, könne er sich auch vorstellen den Trainerschein zu machen. Dadurch würden jüngere Radsportler von seinen Erfahrungen profitieren. Klar ist für ihn aber erst einmal trotzdem: „Rio muss nicht mein letztes Rennen sein.“ 

Von dpa

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