"Harmonie hemmt" - Das Interview vor dem Auftakt

Tischtennis: 2. Bundesliga

Zwei bekannte und zwei neue Gesichter tummeln sich auf dem Teamfoto von Borussia Dortmunds Tischtennis-Spielern. Am Sonntag schlägt die neuformierte erste Mannschaft beim 1. FC Köln in die Zweitliga-Saison auf. Martin Maly sprach mit Abteilungsleiter Bernd Möllmann über hemmende Harmonie und ungarische Talente.

DORTMUND

01.09.2016, 16:20 Uhr / Lesedauer: 3 min
"Harmonie hemmt" - Das Interview vor dem Auftakt

Evgeny Fadeev und Erik Bottroff bleiben beim BVB und spielen auch künftig im Doppel zusammen.

Jahrelang schlug der BVB in gleicher Aufstellung auf, jetzt stehen da plötzlich zwei junge Ungarn an der Platte. Wie kommen die nach Dortmund?

Den 19-jährigen Bence Majoros haben wir vom Drittligisten Weinheim verpflichtet. Dort hat er im Spitzenpaarkreuz starke Leistungen gebracht. Er ist genau wie der 20-jährige Adam Szudi im Leistungszentrum Ochsenhausen untergebracht. Szudi war im oberen Paarkreuz beim Absteiger Ruhrstadt Herne.

Gab es die nur im Doppelpack?

Mein Ansinnen war es, beide Spieler aus einer Gegend zu verpflichten. Die zwei Ungarn spielen zusammen in der Nationalmannschaft, gemeinsam auf Turnieren und reisen gemeinsam an. Was das jetzt gebracht hat, hat man schon im jetzt schon im Pokal sehen. Da haben wir drei Mannschaften geschlagen, zwei Zweitligisten, einen Drittligisten.

Jetzt lesen

 

Wie haben Erik Bottroff und Evgeny Fadeev die Umstrukturierung aufgenommen?

Die Verjüngung im Team bewirkt auch eine Leistungssteigerung bei ihnen, die jetzt auch wieder in einem gewissen Konkurrenzkampf miteinander sind. Junge Spieler können erfahrungsgemäß über eine ganze Saison, die sich ja lange hinzieht, ihr Leistungsniveau halten. Bei älteren Spielern kommen da auch Verletzungen oder Müdigkeit gegen Ende der Saison dazu.

 

Ändert sich dann nicht auch die Dynamik in der Mannschaft, wenn vorher ja alle gemeinsam trainiert haben?

Ja, aber das muss man auch positiv sehen. Es ist auch eine gewisse Lethargie entstanden. Uli Hoeneß hat einmal gesagt: Zu gute Harmonie in einer Mannschaft hemmt die Leistung. Und durch diese Sache, dass nicht immer alle miteinander trainieren, kommt dann immer einen Tag vor dem Spiel durch die zwei neuen Spieler frischer Wind rein und belebt die Sache. Das kann natürlich in jeder Phase etwas anders bewertet werden. Zudem sind, das weiß ich schon, demnächst mehrere hochwertige Spieler in Dortmund, die das Training beleben werden. Unseren früheren Mitspieler Björn Helbing kann ich nennen, der nun für Köln aufschlägt, auch Damien Éloi, französischer Nationalspieler, wird in Dortmund oft zugegen sein. Die Qualität in der Trainingsgruppe wird auch noch gut bleiben.

 

Für den BVB ist es neu, Spieler extra für die Spiele anreisen zu lassen…

Bei uns war es immer eine tolle Sache, dass alle hier trainiert haben. Wenn das Leistungsniveau stimmt und alle zusammenbleiben, ist daran auch nicht zu rütteln. Nur hatte beispielsweise unser chinesischer Spieler Wencheng Qi, der mittlerweile Mitte 40 ist, keine positive Bilanz mehr gespielt. Dafür hat er sehr gute Qualitäten im Trainingsbereich, sodass er weiter als Trainer fungiert und selbst in der zweiten Mannschaft aufschlägt. Ihn kann man immer mal für ein, zwei Spiele bringen. Aber für eine Halbserie reicht es nicht mehr.

Evgeny Fadeev hat im oberen Paarkreuz eine 5:11-Bilanz gespielt, deutlich unter seinem Niveau von vor ein paar Jahren. Was ist ihm unten zuzutrauen?

Gute Frage. Das Leistungsniveau wird immer höher. Ich rechne mit einer deutlich positiven Bilanz. Schauen wir uns die vergangene Saison an. Da hat sich das Team zwar auf Platz acht gerettet, insgesamt aber enttäuscht. Wir mussten bis in den März hinein kämpfen – die Serie geht in den April – um die Gewissheit zu haben, nicht abzusteigen. Da war schon Anspannung auf unserer Seite, aber die haben wir nicht weitergegeben an die Mannschaft. Wir haben immer an die Mannschaft geglaubt, positive Impulse gesendet, und letztendlich hat sich das auch ausgezahlt. Ziel der Verjüngung ist natürlich auch eine Verstärkung der Mannschaft. Wir wollen nicht mehr den 8. Platz anvisieren, sondern sagen selbstbewusst, dass wir ins obere Mittelfeld wollen.

 

Der BVB spielt nun wieder in der heimischen Brügmannhalle. Welchen Einfluss hatte der notgedrungene Umzug auf die Saison?

Das war eine große Umstellung. Die Halle in Lanstrop war knapp geeignet für die 2. Liga. Wir konnten aber keinen Heimvorteil aufbauen. Das sollte uns jetzt im Laufe der Hinserie in der Brügmannhalle wieder gelingen.

Ist Fadeevs Sohn Kirill eine Option für die Erste?

Perspektivisch absolut. Aber er ist jetzt 15 Jahre alt, der Leistungsunterschied ist noch so deutlich, dass es zum heutigen Tag nicht geht. Wir denken, in zwei, drei Jahren könnte es so weit sein.

 

Wie sehen die Doppel aus?

Wir wollen die Ungarn zusammen spielen lassen und Erik mit Evgeny.

 

Der Saisonauftakt geht gegen den 1. FC Köln, der ohne Punktverlust durch die dritte Liga marschiert ist. Wie stark schätzen Sie den FC ein ?

Köln wird aus meiner Sicht um den Klassenerhalt kämpfen. Wir hatten den ersten Kontakt im Pokal, wo wir 3:1 gewonnen haben. Man muss schon selbstbewusst sagen, dass wir in Köln Favorit sind.

 

Was ist im Pokal, wo der BVB nun im Achtelfinale steht, in diesem Jahr drin?

Da treffen wir auf den TV Hilpoltstein. Die waren Dritter in der zweiten Liga. Wir spielen am 18. September zu Hause. Wir begegnen uns, denke ich, auf Augenhöhe.

Lesen Sie jetzt