Hörder SC will kein „Partyverein“ mehr sein - und holt Westfalenligaspieler

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Fußball-Kreisligist Hörder SC will an seinem Image arbeiten und holt gleich mehrere Ehemalige zurück. Die Hörder wollen so auch auf dem Platz wieder für positive Schlagzeilen sorgen.

Dortmund

, 16.05.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Da tut sich was! Sportlich schien der Hörder SC im Dornröschenchlaf zu versinken. Wahrscheinlich hätte er mit Ach und Krach den Klassenerhalt in der Fußball-Kreisliga A geschafft. Er ist mit gerade mal elf Punkten aus 18 Spielen Drittletzter, was am Ende wohl gereicht hätte. Mit den Ansprüchen des ehrgeizigen Trainers Robert Podeschwa, der einen einstelligen Tabellenplatz als Mindestziel angepeilt hatte, deckte sich das aber gar nicht. Jetzt ist die Saison offenbar beendet.

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Weiter ausruhen wollen sich die Hörder nicht mehr. Robert Podeschwa, mit dem der Verein bereits verlängert hatte, erhält das Signal, auf welches er länger hingearbeitet hatte: Wir wollen in der Tabelle nach vorne blicken: „Klar, machen wir mit Robert weiter“, sagt der 3. Vorsitzende Volker Drewing, der sich auch in Zukunft weiter mit seinem Sohn Kevin, aktuell Jugendleiter, für den HSC engagieren möchte. „Robert ist ein sehr guter Trainer und ein angenehmer Typ. Dass es sportlich nicht wie gewünscht lief, lag nicht an seiner Arbeit.“

Podeschwa, der wegen der ungünstigen Tabellen- und auch Personalsituation sich hinterfragte und sich auch hinterfragt sah, erklärt: „Gegenwind hat mir noch nie etwas gemacht, mich eher motiviert, die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Und das dauert eben manchmal seine Zeit, um die richtige Mannschaft zusammenzubekommen. Wir waren aber im Verein immer in konstruktivem Kontakt. Wir setzen weiterhin auf Talente und auf Qualität.“ Dass Podeschwa sich im Verein wohlfühlt, liegt auch am Sportlichen Leiter Oliver Blinne.

Hörder SC will den Ruf des Partyvereins loswerden

Dieser allerdings tritt aus privaten und beruflichen Gründen kürzer, bleibt dem Verein aber erhalten. „Robert und ich haben ein freundschaftliches Verhältnis. Ich bin voll überzeugt von ihm. Wir reden oft miteinander. Das soll auch so bleiben, wenngleich ich mich um andere Dinge nicht mehr kümmern kann. Aber gerade diese Corona-Zeit lässt mich spüren, dass ich ganz ohne Fußball nicht kann.“ Volker Drewing und Co. stehen bereit, um mehr zu machen: „Olli hat sehr gute Arbeit geleistet. Dafür sind wir dankbar. Wo wir seine Aufgaben übernehmen, möchten wir diese Arbeit so positiv fortsetzen.“

Trainer Robert Podeschwa musste in jüngster Zeit einige sportliche Nackenschläge hinnehmen.

Trainer Robert Podeschwa musste in jüngster Zeit einige sportliche Nackenschläge hinnehmen. © Nähle

Und der HSC legt effizient los: „In der kommenden Saison wollen wir auch auf dem Platz wieder vermehrt für Positivschlagzeilen sorgen“, schreiben die Hörder in den sozialen Netzwerken, wo sie ihre neuen Ziele mit konkreten Beispielen bekräftigen. Der HSC erwacht also aus dem sanften Schlaf und meldet sich nicht nur mit ambitionierteren Worten, sondern auch mit Taten zurück. Vom Ruf des vermeintlichen Partyvereins will der Sportclub weg. Seiner Reputation, Spielern aus dem eigenen Nachwuchs eine dauerhafte sportliche Heimat zu bieten, bleibt er aber treu. „Ganz so war es dann vielleicht auch nicht“, sagen die Drewings.

„Wir hatten auch gute Jahre, sind auch dann immer auf den Platz gegangen, um den sportlichen Erfolg zu haben. Von den Etablierten aber haben sich einige – eher unbemerkt – zurückgezogen. Da hatten wir schon aus personellen Gründen Probleme.“ Viele Spieler waren verletzt, anderen traten aus beruflichen oder privaten Gründen zurück. Max Nennstiel beispielsweise, ein etablierter Bezirksliga-Spieler, verletzte sich, Paul Baginski widmet sich mehr seine Familie.

Hörder SC holt ehemalige Spieler zurück - teils aus der Westfalenliga

„Jetzt wollen wir eine neue Generation an Spielern, die am besten mal in unserem Nachwuchs waren“, sagt der 3. Vorsitzende. Und die neuen Namen können sich sehen lassen: Enes Arpaci (24) vom Westfalenligisten BSV Schüren und Nils Beier (20), Stammspieler beim Tabellenzweiten der Bezirksliga, TuS Körne, kommen zurück dahin, wo sie einst als jüngere Männer bereits kickten.

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Am Wochenende legte Hörde nach. Ein Trio vom BSV Schüren II kommt zurück: Richard Ferati und Tobias Ferati sowie Erdem Arpaci gaben den Hördern jetzt die Zusage. Den Sprung von den A-Junioren wagen zudem Kai Beier, Ebrima Samura und Halil Karaca. Das HSC-Trikot trägt bald auch Jianni Kosmas, als Juniorentrainer vom ASC 09 zu den Hördern gewechselt. Der ehemalige Nachwuchsspieler der SG Wattenscheid und Oberligakicker im Herner Raum feiert nun auch als Aktiver sein Comeback.

Nicht nur notwendig, sondern gewollt sind diese vielen Wechsel nach dem erwähnten Umbruch, der sich – wie erwähnt - bereits während der Saison durch die Abgänge abzeichnete. Diejenigen, die bis zum Schluss dabei blieben, sagten auch für die kommende Spielzeit zu. Der HSC sieht sich gut gerüstet, ist aber mit seinen Planungen noch nicht durch. Ganz oben auf der Wunschliste steht ein Stürmer, der sich mit dem HSC-Konzept „Identifikation, Spaß und Erfolg“ identifizieren könnte.

Kevin Drewing: „Ich bin überzeugt, dass wir sportlich die Rettung geschafft hätten“

Und Corona? Die Hörder müssten lügen, nähmen sie die Entscheidung, dass die Saison beendet ist, nicht erleichtert hin: „Ich bin aber auch überzeugt, dass wir sportlich die Rettung geschafft hätten. Es bleibt aber die Unzufriedenheit mit der Platzierung“, sagt Kevin Drewing. Auch Podeschwa ist überzeugt: „Wir waren über dem Strich. Mit einer verbesserten Personalsituation hätten wir es geschafft.“

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Sobald alle zum Schluss kommen, dass ein Trainingsbetrieb vertretbar ist, wollen die Hörder loslegen: „Die Rückkehrer möchten wir so schnell wie möglich wieder integrieren.“ Podeschwa ist ohnehin bereit: „Während der ersten Corona-Tage fehlte mir die Lust, mich zu bewegen. Meine Frau aber hat mich dann motiviert. Ja, wir müssen uns bewegen, aktiv bleiben.“ Das könnte auch das Leitmotiv für den neuen HSC sein. Dieser hofft, dass dann die positiven Schlagzeilen von alleine kommen.

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