Integration durch Fußball: Der VfR Sölde unterstützt seit acht Jahren Flüchtlinge in Dortmund

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Der VfR Sölde beweist, dass Fußball bei der Integration helfen kann. Angefangen hatte alles in einer Hauptschule und einer Runde Fußball unter der Leitung von „Siggi“ Müller.

von Dennis Winterhagen

Dortmund

, 24.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit acht Jahren hilft der VfR Sölde Flüchtlingen dabei, in Deutschland Fuß zu fassen. Sie bekommen nicht nur die Möglichkeit in Sölde zu kicken – auch bei der Jobsuche erhalten sie Support. Siegfried Müller, Integrationsbeauftragter des Vereins, erzählt von den Anfängen in einer Hauptschule und einem unüblichen Wunsch einiger Spieler.

„Die ersten Gehversuche waren so 2012, 2013“, erinnert sich Siegfried Müller. „Siggi“, wie er genannt wird, war damals noch Sportlehrer an der Hauptschule Stadt-West. „Dort gab es drei internationale Klassen, mit bestimmt 18 Nationen“, erzählt er weiter.

Drei Lehrer und drei Dolmetscher waren im Einsatz

Drei Lehrer unterrichteten diese, gemeinsam mit drei Dolmetschern. „Wenn diese sich irgendwann nicht mehr konzentrieren konnten, sagte einer der Lehrer zu mir: Die Jungs kommen jetzt zu dir, scheuch die mal durchs Gelände. Das habe ich dann gemacht. Wir haben dann zum Beispiel Fußball gespielt“, erinnert er sich. „Das hat sehr viel Spaß gemacht.“

„Irgendwann dachte ich mir dann: Da sind ja echt ein paar bei, die können schon was am Ball.“ Also fragte er sie, ob sie sich nicht vorstellen könnten, auch aktiv im Verein zu spielen – beim VfR Sölde. Die Schüler seien begeistert gewesen, doch eine Hürde gab es noch zu überwinden: Sie hatten weder die nötigen Klamotten dafür noch Fußballschuhe. „Ich besorgte, was ich konnte. Fortan liefen alle nur noch in den Klamotten rum“, schwelgt Müller in Erinnerung.

Nach der Schule versammelten sie sich am Bahnhof. „Eltern, Kinder, Dolmetscher“, alle seien sie da gewesen. Gemeinsamen nahmen sie die RB59 nach Sölde, die Kosten für die Fahrkarten teilten sich der Verein und die Schule.

Hilfe bei Bewerbungen, dem Umgang mit dem Internet und Co.

Durch das Spielen im Verein habe sich vor allem sehr schnell das Deutsch der Kinder und Jugendlichen verbessert. „Sechs bis acht Wochen“ habe es laut Müller gedauert, ehe ihr Deutsch große Fortschritte machte – und so steigerten sich auch schnell die schulischen Leistungen. Irgendwann seien sie zu gut für die Hauptschule gewesen, dann wurde auf einer umliegenden Realschule extra eine Klasse für sie aufgemacht. „Manche von ihnen haben inzwischen sogar das Abitur gemacht“, erzählt „Siggi“ stolz.

Nur die Jobsuche, die habe sich stets als schwierig gestaltet. „Ich war nach der Rente öfter im Jobcenter als während meines Erwerbslebens“, sagt er weiter. Auch heute schult der VfR Sölde seinen Schützlingen noch in wichtigen Lebensbereichen. „Wir haben ein Jobfindungsprogramm beim VfR ins Leben gerufen. Sprich: Wie bewerbe ich mich, worauf habe ich zu achten, was passt zu mir. Dazu gaben wir ihnen irgendwann auch Unterricht darin wie man sich im Internet verhält. Wo man drauf achten muss, um nicht versehentlich Verträge abzuschließen. Denn das ist anfangs vorgekommen.“

„Auf einmal wollten ein paar Jungs Futsal spielen“

Eine kontinuierliche Entwicklung sei deutlich zu erkennen gewesen, irgendwann kam es dann zu einem eher unüblichen Wunsch. „Auf einmal wollten ein paar Jungs Futsal spielen“, meint er. Nur ein paar Probleme habe es gegeben: Zum einen „gibt es hier im Umkreis nicht mal eine Halle“, und zum anderen „entstehen dadurch weitere Kosten“.

Also suchten sie nach einer Möglichkeit – und wurden in Kaiserau fündig. „80 Euro für eineinhalb Stunden“ bezahlen sie, um dort die Halle zu nutzen. Die Futsal-Akteure sollen fortan auch im Ganztag eingesetzt werden und so andere Kinder trainieren und Gelerntes weiter beibringen.

Der VfR Sölde ist nun seit langer Zeit bereits Landesstützpunkt des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die Fördergelder werden aber nach fünf Jahren gestrichen. Somit sind sie seit drei Jahren auf sich selbst angewiesen, und sammeln daher fleißig Spenden. Wie lange das Projekt noch weitergehen soll, das weiß Siegfried Müller auch jetzt schon. „Mindestens bis zum zehnten Jahr. Genau dann feiert nämlich auch der Verein sein 100-jähriges Bestehen.“

Zwei Möglichkeiten für Spenden

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