Jähes Ende der Fußballerkarriere: Wenn das Herz plötzlich aus dem Takt gerät

rnASC 09

Dave Marnold war ein guter Jugendspieler. Die Türen nach ganz oben schienen dem Co-Trainer des ASC 09 offen zu stehen. Doch dann brach er auf dem Feld zusammen - Herzstillstand.

Aplerbeck

, 09.11.2018, 19:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit ein paar Wochen hat Daniel Sekic das Sagen beim Fußball-Oberligisten ASC 09 Dortmund. Sekic hat einen bekannten Namen in der Fußballszene, verdiente sich seine Sporen unter anderem bei SuS Stadtlohn. Neben ihm in der Verantwortung: Dave Marnold, ein 26-jähriger junger Mann, der doch eigentlich noch selbst gegen den Ball treten könnte. Doch manchmal gerät das Leben aus den Fugen oder - wie bei Marnold - das Herz aus dem Takt.

Namhafte Klubs stehen in Dave Marnolds Vita

Seine Karriere beginnt vielversprechend. Beim VfL Reken schnürt Marnold zum ersten Mal seine Fußballschuhe, schnell ist sein Talent sichtbar. Der FC Schalke 04 wird auf ihn aufmerksam und überzeugt ihn und seine Eltern vom Wechsel. Später geht es weiter mit den namhaften Klubs: VfL Bochum, MSV Duisburg, TSV Marl-Hüls und Westfalia Herne stehen in seiner Vita. Im Trikot von Herne kickt Marnold in der A-Junioren-Westfalenliga. Ein Berater spricht ihn an und vermittelt dem Talent ein Probetraining beim SC Freiburg. Trainer der Breisgauer damals: Christian Streich.

Auch eine Stippvisite bei der TSG Hoffenheim soll folgen. „Also war ich nicht so schlecht. Das war schon in Ordnung“, sagt Marnold heute bescheiden. „Wie ein Pitbull, eine Zweikampfmaschine“, beschreibt Robin Gallus, damals Herner Mitspieler, heute Kontrahent beim FC Brünninghausen, Marnolds Spielweise. „Damals haben wir ihn sehr oft mit Gattuso verglichen. Er war fußballverrückt, und das schweißte uns zusammen. Mit Dave hatte man immer Spaß, und man konnte sich immer sicher sein, er ist für einen da, auf und neben dem Platz.“

Geplantes Training findet nicht statt

Doch zum geplanten Training in Sinsheim kommt es nicht mehr. „In der Saison war es so, dass mir manchmal schwummrig wurde“, sagt Marnold. Untersuchungen hätten aber nichts Auffälliges ergeben. Doch dann bricht er mit damals 17 Jahren zusammen. Noch einmal versucht er sich aufzurichten, wieder sacken seine Beine weg. Diagnose: Herzmuskelentzündung.

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ASC-Trainer Daniel Sekic im Interview

Große Gedanken macht er sich trotzdem nicht. „Ich sollte Pause machen, Medikamente nehmen. Danach wurde ich auch wieder für gesund erklärt.“ Er greift wieder an. Eine Zeit lang spielt der Zweikämpfer ohne Probleme. „Monate später“, erinnert sich Marnold, „hatten wir ein Spiel bei Fortuna Düsseldorf“. Und plötzlich wird ihm wieder schwarz vor Augen, diesmal jedoch, ist es richtig ernst. „Da bin ich nicht wieder aufgestanden“, sagt er.

Trainer und Betreuerin reagieren schnell

Marnold muss reanimiert werden, mehrmals. Es ist ein Herzstillstand. „Es war ein Schock für uns alle. Das war leider keine schöne Zeit danach. Ich bin froh, dass es Dave wieder so gut geht“, sagt Gallus, der im besagten Spiel ebenfalls auf dem Feld steht. „Danach wurde ich fünf, sechs Tage ins künstliche Koma versetzt“, weiß Marnold, der heute noch dankbar ist, dass sein damaliger Trainer und eine Betreuerin schnell reagierten und die Situation erkannten. Die Ärzte implantieren ihm einen Defibrillator. „Aufgrund der Vorfälle haben sich eine Art Narben gebildet. Jeder Mensch hat Zwischenschläge beim Herz, das ist ganz normal. Aufgrund der Narben kann es bei mir dann aber passieren, dass es wieder einen Fehlimpuls gibt und es zum Kammerflimmern kommt.“

Marnold - ganz die Kämpfernatur, die er auch auf dem Feld war, erwacht mit Defibrillator genau einen Tag vor seinem 18. Geburtstag aus dem künstlichen Koma. Aufgeben kommt für ihn jedoch nicht in Frage. Nach eineinhalb Jahren Pause, die Marnold wie eine „Ewigkeit“ vorkommen, versucht er es erneut. Und zwar zurück in Reken, wo auch Sekic aktiv ist. „Ich dachte, es funktioniert. Aber von jetzt auf gleich kam es dann. Der Defibrilator hat in den Spielen zu oft ausgelöst. Für mich war es eine Katastrophe“, sagt Marnold.

Nicht die Elektroschocks belasten Marnold am meisten

Sehr heiß wird ihm in solchen Momenten. „Ich merke es körperlich, ich kann meinen Herzschlag dann spüren“, erklärt Marnold, den zu der Zeit aber nicht einmal die „richtig unangenehmen“ Elektroschocks des Defibrillators und das teilweise in Ohnmacht fallen am meisten belasten. „In erster Linie fand ich am schlimmsten, dass die Leute von außen es immer mitbekommen haben. Die kamen immer nach dem Spiel und fragen, und das geht einem dann irgendwann auf die Nerven. Und es guckten auch Kinder zu. Irgendwann habe ich mir gesagt, das bringt es nicht.“

Jähes Ende der Fußballerkarriere: Wenn das Herz plötzlich aus dem Takt gerät

Als Daniel Sekic (l.) den Trainerposten beim ASC übernahm, fragte er Dave Marnold, ob dieser ihm assistieren wolle - der 26-Jährige sagte zu. © Stephan Schütze

In genau dieser schwierigen Phase nimmt Sekic, der zu diesem Zeitpunkt bei Reken stellvertretender Jugendleiter war, eine wichtige Rolle ein. „Als er aufhören musste, merkte man ihm an, dass ihm brutal was fehlt“, so Sekic. Darum bietet er ihm den Job als Trainer der damaligen U15 an. Mit den Jugendlichen steigt Marnold sofort in die A-Liga auf, fast geht es sogar noch höher.

ASC legt ein Angebot vor

Der TSV Marl-Hüls wird auf die Arbeit aufmerksam und bietet Marnold, der mittlerweile die B-Lizenz besitzt, den Trainerjob in der U14 an - mit dem Auftrag, in die Westfalenliga aufzusteigen. „Das haben wir vergangenes Jahr sofort geschafft“. Mit der selben Mannschaft legt er in der neuen Liga auch einen guten Start hin, ehe das Angebot von Sekic und dem ASC kam. „Er mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte mit ihm. Und ich hab dann Ja gesagt...“

Nun heißt Marnolds Realität Oberliga. Dass hier Schluss sein soll, ist bei Marnolds Ehrgeiz fraglich. Denn nicht nur beim Verkraften von Rückschlägen ist er ehrgeizig, auch als Trainer soll es immer weiter gehen: „Ich möchte noch weitere Trainerscheine machen und kann mir auch vorstellen, irgendwann als Cheftrainer so weit zu kommen, wie es geht.“

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