Judomatten, Turngeräte, Tore: Dortmunder Sport wird mit 1,5 Millionen Euro gefördert

rnSportförderung in Dortmund

Jedes Jahr fließt eine siebenstellige Summe in den Dortmunder Sport. Dass es trotzdem noch Missstände gibt, liegt auch an mangelnder Kommunikation in der Vergangenheit.

Dortmund

, 23.11.2018, 16:53 Uhr / Lesedauer: 4 min

Über eine Million Euro wird dem Dortmunder Sport Jahr für Jahr an Fördergeldern über die Sport und Freizeitbetriebe im Rahmen der Sportpauschale des Landes zugesprochen. Um genau zu sein: 1,588 Millionen. 300.000 Euro davon sind für das Projekt Kunstrasen vorgesehen, die restlichen 1,288 Millionen stehen zur freien Verteilung.

Föderzusage vom Land liegt vor

Eingesetzt wird es vielfältig - unter anderem für Baumaßnahmen, wie André Knoche, der Sportdirektor bei der Stadt Dortmund, erklärt. So fließt das Geld auch in den Ausbau der Helmut-Körnig-Halle. Volumen: 5 bis 6 Millionen. 80 Prozent davon werden durch Fördermittel, je zur Hälfte vom Land und vom Bund finanziert, bezahlt. 20 Prozent sind Eigenanteil der Stadt. „Hier erwarten wir in Kürze die finale Förderzusage vom Bund, die vom Land liegt bereits vor“, so Knoche.

Ein anderes großes Projekt ist der Neubau des Leichtathletikstadions in Hacheney. „Sport ist das Thema, über das man in Dortmund jede Familie erreicht. Es ist das Integrativste, was man sich vorstellen kann“, sagt Knoche und rechnet vor: „2010 bis 2020 wurden und werden 100 Millionen Euro investiert.“ Und zwar in alle Sportarten. „Der Sport in Dortmund ist extrem vielseitig“, lobt Knoche. Zwar kennt er keine konkreten Zahlen aus anderen vergleichbaren Städten wie zum Beispiel Essen, „aber ich weiß, dass wir ganz weit vorne sind. Mir ist keine vergleichbare Stadt oder Kommune bekannt, die so viel Geld in die Hand nimmt, wie Dortmund“, so Knoche.

Ob dies auch die betroffenen Sportler so wahrnehmen, liegt nicht in seiner Hand. „Ich glaube schon, dass der sportinteressierte Teil der Bevölkerung mitbekommt, dass viel gemacht wird. Aber es ist klassischerweise so, dass die Missstände immer mehr auffallen“, sagt Knoche.

Knoche räumt Missstände ein

„Davon“, räumt der Sportdirektor ein, „gibt es an den Sportanlagen und Sportstätten noch reichlich.“ Allerdings seien die Um- und Neubauten auch immer mit Einschränkungen verbunden. Wenn an vier Hallen gleichzeitig gearbeitet wird, braucht es Platz für die Sportler, die ausweichen müssen. Auch deshalb wurden Hallen, die eigentlich zum Abriss vorgesehen waren, erst einmal saniert - für den Trainingsbetrieb. Öffentliche Veranstaltungen oder Spiele finden nicht mehr statt. Dafür sind diese Hallen „nicht geeignet“, weiß Knoche.

Judomatten, Turngeräte, Tore: Dortmunder Sport wird mit 1,5 Millionen Euro gefördert

Sophie Donat, Uwe Samulewicz (beide Sparkasse Dortmund), Jörg Rüppel, Vorstandsvorsitzender des StadtSportBundes, André Knoche, Sportdirektor Sport- und Freizeitbetriebe, Thomas Friedhoff, SSB-Vize, Markus Bartsch, stellvertretender Geschäftsführer des Landesleistungszentrums des Westfälischen Schützenbundes und Kurt Schweinert, stellvertretender SSB-Vorsitzender Finanzen bei der Spendenübergabe der Sparkasse an den SSB.

Dies ist auch ein Grund für eine erhöhte Kommunikation bei der Planung von neuen Baumaßnahmen. Dort wurden in der Vergangenheit nicht immer „die Ansprüche der Vereine“ berücksichtigt, räumt Knoche ein. Jetzt aber würden alle Parteien an einem Tisch sitzen und gemeinsame Entscheidungen treffen, wo welches Geld hinfließt.

Früher seien die Sporthallen ausschließlich für die Bedarfe des Schulsportunterrichtes ausgelegt gewesen. Ein Lagerraum für die Vereine, die nach Schulschluss die Hallen nutzen, oder ein Foyer, um bei Veranstaltungen Essen und Trinken zu verkaufen, wurde oft nicht eingeplant. „Jetzt sind wir deswegen hingegangen, dass wir als Vertreter der Vereine mit an den Tisch gehen, um unsere Bedarfe mit anzumelden“, sagt Knoche und betont, dass es sowohl von ihm, als auch von den Vereinen ein Wunsch sei, dass es in jedem Stadtbezirk eine Halle gibt, die 350-500 Plätze bietet.

Stadtsportbund vertritt die Interessen der Vereine und Verbände

Als Zwischenstation zwischen den Spendengebern und den Vereinen fungiert teilweise der Stadtsportbund (SSB) als Interessensvertreter der Dortmunder Vereine und Verbände. Der SSB hat sich selbst zum Ziel gesetzt, den Sport in Dortmund „für alle möglich“ zu machen, wie es auf der Homepage des Bundes zu lesen ist. „Unsere Aufgabe ist es, allen Dortmunder Bürgerinnen und Bürgern eine sportgerechte Zukunft zu schaffen“.

Das verwaltete Geld soll dabei sowohl dem Breiten- als auch dem Leistungssport zu Gute kommen. „Das Miteinander von Leistungs- und Breitensport ist außerordentlich wichtig für den Vereinssport. Der Breitensport braucht Vorbilder und der Leistungssport braucht Breite, um sich entwickeln zu können“, so der SSB.

Um als Klub selbst einen Teil der Fördergelder zu erhalten, muss ein Antrag auf Gewährung eines Zuschusses für die Anschaffung von sogenannten Grundsportgeräten beim Stadtsportbund gestellt werden. Inklusive Kostenvoranschlag und einem Finanzierungsplan, indem auch der Eigenanteil beziffert wird.

Mit dem Begriff Grundsportgerät ist eine für die Ausübung des Sports essenzielle Ausrüstung gemeint, zum Beispiel eine Tischtennisplatte oder auch Fußbälle. Die Grenze pro Grundsportgerät soll künftig bei 5000 Euro liegen. Dies geht aus den Sportförderrichtlinien der Stadt hervor. Dass dieser Zuschuss für ein Gerät doch mal nicht ausreicht, ist laut Mathias Grasediek, dem Geschäftsführer des SSB unwahrscheinlich, „da der Zuschuss 25 Prozent der tatsächlichen Anschaffungskosten beträgt“.

Die Fördergelder sind für die Vereine im Breitensport „eine sehr große Hilfe“, sagt Jörg Rüppel, der Vorstandsvorsitzende des SSB. Und auch im Leistungssport geht es darum, „den Sport in der Stadt zu fördern.“

Niemand bleibt auf der Strecke

40-50 Anträge aus dem Breitensport, seien im vergangenen Jahr auf Grundsportgeräte gestellt worden. Hinzu kommen 15 Anträge aus den Leistungszentren. Die Bandbreite bei den Grundsportgeräten geht dabei von Druckflaschen für Taucher über Schwebebalken, Sprungbretter und Lichtgewehre bis hin zu Wettkampfleinen für das Leistungszentrum der Schwimmer. Auf der Strecke geblieben, ist bisher niemand. „Es ist selten so, dass der Topf komplett ausgeschöpft wird. Noch haben wir keinen abgelehnt, wenn auch hin und wieder auf das nächste Jahr vertröstet“, so Grasediek.

„Wir wollen deutlich machen, dass sich Dortmunder um Dortmunder kümmern.“
Uwe Samulewicz, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund

Ein Verein, der die Fördergelder regelmäßig in Anspruch nimmt, ist der TSC Eintracht Dortmund. „Dieses Jahr haben wir sieben Anträge gestellt“, sagt Vorstandsvorsitzender Alexander Kiel. Diese Anträge beziehen sich bei den Grundsportgeräten unter anderem auf Judomatten, Fußballtore und Turngeräte. Im Leistungsbereich bekommt die Eintracht zudem Zuschüsse bei den Fahrtkosten für die Reise zu den Deutschen Meisterschaften im Fechten. „Das läuft seit Jahren sehr gut. Es ist vor allem sehr unkompliziert und sehr schnell. Da kann ich eigentlich nur Gutes von berichten. Aber natürlich könnten es mehr als 25 Prozent sein“, so Kiel.

Die größte Spende für den SSB kam in diesem Jahr von der Sparkasse Dortmund. 189.700 Euro investierte die Bank und übergab diese Summe dem SSB. 160.000 Euro davon stehen für Grundsportgeräte und die Förderung der örtlichen Leistungszentren bereit. Die restlichen 29.700 Euro verteilen sich auf Projekte des SSB, zum Beispiel das Minisportabzeichen oder Sportgutscheine für Erstklässler.

Sparkasse und SSB betonen Zusammenarbeit

Uwe Samulewicz, dem Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund, ist die Unterstützung wichtig. „Wir wollen deutlich machen, dass sich Dortmunder um Dortmunder kümmern“, sagt er und betont, dass durch die Einbindung des SSB als „ideales Bindeglied, das in die sportliche Szene in Dortmund eingegraben ist“, möglichst viele Dortmunder in allen zwölf Stadtbezirken erreicht werden sollen. „So werden unterschiedliche Vereine und Sportarten gefördert“, sagt Samulewicz.

Dem SSB ist die Rolle der Sparkasse bewusst. Sie sei „der einzige Förderer, der uns Mittel in dieser Größenordnung zur Verfügung stellt, die wir direkt an die Vereine weiterleiten“, erklärt Mathias Grasediek. Andere direkte Mittel erhalten die Vereine ebenso aus Jugendfördermitteln, indirekt unterstützen auch die Kronenbrauerei, das Autohaus Pflanz und DEW, so Grasediek.

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