Karim Bouasker ist Kirchhördes neuer Co-Trainer - er steht mehr auf Taktik als auf Tricks

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Der neue Co-Trainer ist erst 29 und kommt direkt aus der Oberliga. An der Seite von Coach Sascha Rammel will Karim Bouasker mit dem Kirchhörder SC den Neuanfang in der Landesliga schaffen.

Dortmund

, 24.06.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Den Abstieg aus der Westfalenliga wollen sie beim Kirchhörder SC jetzt abhaken. Das Landesliga-Team hat ein neues Gesicht bekommen. Und an der Seite von Neu-Trainer Sascha Rammel hat Neu-Co-Trainer Karim Bouasker daran schon maßgeblich mitgearbeitet.

Rammel und Bouasker kennen sich schon lange, haben bereits gemeinsam bei TuS Eving-Lindenhorst vor fast zehn Jahren und danach nochmal beim Lüner SV gegen den Ball getreten. „Mein Glück war“, sagt Bouasker heute, „dass wir uns, wie das sonst so oft im Sport passiert, nicht aus den Augen verloren haben.“ Und als es galt, in Kirchhörde die Nachfolge von Lothar Huber im Traineramt zu klären, die Wahl letztlich auf Sascha Rammel fiel, da war auf einmal auch Karim Bouasker im Gespräch.

Lange Verletzungsgeschichte

Aber warum entscheidet sich ein anerkannter Innenverteidiger des Oberligisten Holzwickeder SC schon mit 29 für das Co-Traineramt bei einem Landesligisten? „Meine Verletzungsgeschichte ist mittlerweile einfach zu lang“, sagt Bouasker. „Mehrere Kreuzbandrisse, der erste mit 21, schwere Meniskusprobleme, zahlreiche Operationen - irgendwann habe ich in der letzten Saison einfach gemerkt, dass ich nicht mehr richtig in den Rhythmus zurückgefinde.“ Glück für den gebürtigen Bergkamener, dass sein Verein Holzwickede ihm in dieser schweren Zeit die Gelegenheit gab, sich vertretungsweise als Co-Trainer auszuprobieren. Für Bouasker ein wichtiger Test, der positiv ausfiel. „Super für mich war, schon da zu sehen war, dass die Jungs das angenommen haben, was ich gesagt habe. Was ja bei einer Mannschaft, in der du selbst spielst, oft noch schwieriger ist, als in einem Team, das dich von Anfang an nur als Trainer kennt.“

Als die Anfrage von Sascha Rammel kam, zögerte Bouasker dann auch nicht. „Ich kenne seine sportliche Meinung aus unserer gemeinsamen Zeit. Das hat letztlich den Ausschlag für Kirchhörde und gegen andere Angebote gegeben. Außerdem war nach den Gesprächen mit Sascha für mich ganz schnell klar, dass es in Kirchhörde einen richtigen Umbrauch geben würde. Davon ein Teil zu sein, das finde ich sehr spannend. Darum habe ich mich bewusst für dieses Projekt entschieden.“

Einsatz kaum denkbar

Ob er bei diesem Projekt selbst noch einmal im Trikot von Kirchhörde spielen wird, dahinter steht für Bouasker ein ganz großes Fragezeichen. „Einen Pass hab ich wohl noch. Aber mein Knie ist jetzt schon wieder seit drei Monaten dick. Wenn das mal nicht mehr wäre und ich nochmal komplett wäre, dann vielleicht, wenn der Baum mal total brennt. Aber ehrlicherweise muss man sagen, wir haben genug Jungs, die das regeln können.“

Wie gut Rammel und er sich verstehen, das habe er bereits in der Anfangsphase ihrer Zusammenarbeit erfahren, sagt Bouasker. „Er hat mir früh viele Aufgaben übertragen und Spielräume gelassen bei der Kaderplanung und -zusammenstellung. Richtig viel Arbeit, weil es auch für mich ein neues Feld war und gerade deshalb hat es soviel Spaß gemacht.“ Herausgekommen ist aus Bouasker Sicht ein Team, dass sich sehen lassen kann.

Nicht in Tricks verzetteln

Aber was kann der gelernte Innenverteidiger aus der eigenen Wettkampferfahrung seiner neuen Mannschaft mitgeben? „Was ich gelernt habe ist, dass ich spielerische Defizite durch zwei Dinge oft wettmachen konnte: Einerseits durch eine sehr gute Ausbildung, andererseits durch Willen und Einsatz. Für mich persönlich sind Basics absolut entscheidend. Und ich glaube, dass darauf zwar im Jugendfußball großer Wert gelegt wird, dass das aber im Seniorenbereich oft aus dem Fokus gerät. Daran möchte ich arbeiten. Details sind mir wichtig. Taktik ist mir wichtig.“ Konkret: „Es gibt viele Fußballer, die technisch wahnsinnig stark am Ball sind, denen aber einfach das taktische Grundverhalten abhanden gekommen ist.“ Noch konkreter: „Es nützt nichts, sich im 17. Okocha-Trick zu verzetteln, statt das Spiel mit einem scharfen Pass einfach richtig schnell zu machen.“

Die Ziele für die kommende Saison fasst Bouasker bewusst bescheiden. „Ich glaube, es geht angesichts des Riesenumbruchs für uns erstmal darum, in der Liga Fuß zu fassen. Aber wir können mit dieser Mannschaft eine gute Rolle spielen. Und manchmal hat man ja ein Lauf. Dann ist alles möglich. Sicher ist für mich nur, dass Kirchhörde ein viel größeres Potenzial hat als das manchmal wahrgenommen wird im Dortmunder Fußballraum.“

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