Katharina Grompe juckt es wieder in den Füßen

Leichtathletik

Einen Moment klingt sie fast schon mutlos. "Seit vier Monaten bin ich jetzt weg vom Fenster, es ist hart, wenn man nicht das machen kann, was man am liebsten macht", sagt Katharina Grompe (LGO Dortmund), und ihre Stimme verrät wenig von der sonst so gewohnten Frische und Fröhlichkeit.

DORTMUND

, 30.09.2014 / Lesedauer: 3 min
Katharina Grompe juckt es wieder in den Füßen

So sieht sich Katharina Grompe am liebsten: mit vollem Einsatz auf der Laufbahn. Die Sprinterin hofft, nun von Verletzungen verschont zu bleiben.

Schon in der Hallensaison zwang die Dortmunderin, die im 3. Semester Sport und angewandte Trainingswissenschaft an der Hochschule in Unna studiert, ein schwerer Muskelfaserriss zur Pause. Als sie sich wieder herangekämpft hatte, als sie gerade mit 11,43 Sekunden eine Bestzeit über 100 Meter erzielt hatte, zwickte die Achillessehne, eine hartnäckige Entzündung vertrieb sie erneut von der Tartanbahn.

Man wird bescheiden, wenn man bescheiden sein muss. Und Katharina Grompe hat mit ihren gerade mal 21 Jahren genug Rückschläge erlitten, um zu wissen, dass es wenig hilft, irgendetwas erzwingen zu wollen. "Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern", lautet ein aktueller Eintrag auf ihrer Facebook-Seite. Also hielt sie im wahrsten Sinne des Wortes die Füße still, so groß "die Sehnsucht immer auch war", die Zeit, sich mit Freunden zu treffen oder mal zu verreisen, "das war nur ein schwacher Trost".

Denn der Sport ist schnelllebig, wer ausfällt, ist plötzlich auch nicht mehr dabei. Zum DLV-Trainingslager Ende November in Südafrika ist sie nicht eingeladen, "vielleicht käme es ja auch zu früh", tröstet sie sich. Da sie die EM in Zürich verpasst hat, war sie auch dort nicht im Schaufenster ausgestellt, natürlich stehen die Sponsoren nicht gerade Schlange bei Katharina Grompe. "Leicht machte es das alles nicht."

Aber die Rolle des Stehaufmädchens will sie nicht ablegen. Viel Krafttraining habe sie gemacht, "mit guten Fortschritten", sie hat wieder mit dem Joggen angefangen, sie hat keine Beschwerden, sie ist optimistisch. Aber sie hat auch lernen müssen, dass der Heilungsprozess bei einer entzündeten und gereizten Achillessehne unterschiedlich lange dauert, "bei mir leider etwas länger". Es habe sie stellenweise etwas mürbe gemacht im Kopf, "manchmal war ich schon wieder über den Wolken, dann wieder ganz unten".

Natürlich hat sie verfolgt, wie die Konkurrentinnen sich entwickelt haben, auch wenn dies nicht wirklich furchteinflößend war, die Sprint-Szene der Frauen stagniert eher. "Ich weiß, was ich kann", sagt sie energisch, ihre Angriffslust hat nicht gelitten. Die Hallensaison hat sie auf dem Schirm, "nicht auf Biegen oder Brechen", aber sie hofft schon, "dann wieder auf der Bahn zu stehen". Erst aber gehe es darum, im Training kontinuierlich Leistung zu bringen, der Rest kommt von selbst. "Der Körper kann es", sagt sie. Er muss es nur konstant können.

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