Nervig oder taktisches Mittel? Die Dortmunder Trainer sind beim Thema Rückpassregel bei der Hallenfußball-Stadtmeisterschaft uneins. Doch die Diskussion darüber halten fast alle für nötig.

Dortmund

, 16.01.2019, 18:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Guckt man allein auf die Zahlen, hat sich nichts verändert. 4000 Zuschauer am ersten, 4500 Zuschauer am zweiten Endrundentag – genau wie im Vorjahr. Das Bier floss, die Tore fielen – und doch blieb ein Nachgeschmack. Denn das Niveau hat nachgelassen.

„Es muss etwas passieren“

„Ich glaube, Bövinghausen hätte in den 25 Veranstaltungen davor größere Probleme gehabt“, schrieb Axel Schmeing, früher Trainer vom SV Brackel und aktuell vom Oberligisten Holzwickeder SC, am Dienstag in seiner Gastkolumne. Und auch Wickedes Trainer Alexander Gocke sagt: „Es muss etwas passieren, ich habe die Wahrnehmung, dass das Turnier in diesem Jahr bei den Zuschauern an Stellenwert eingebüßt hat.“ Gocke hat festgestellt, dass kaum noch Spieler in Eins-gegen-Eins-Situationen gehen: „Das hat den Hallenfußball so interessant gemacht.“ Der Coach bezieht sich in die Kritik mit ein: „Wir Trainer müssen wieder zu mehr Mut animieren – und die Regeln müssen offensiver werden.“

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Welche Regeln konkret geändert werden müssten, sollte laut Gocke ausführlicher diskutiert werden. Doch vor allem die Rückpassregel hat ihren Teil dazu beigetragen, dass viele Teams einen sehr abwartenden Fußball spielten. „Oder wie es Reza Hassani vom Landesligisten VfL Kemminghausen ausdrückt: „Dieses 40 Mal Hin und Her.“

„Oder wir spielen wieder mutiger“

Sein Team war eins der wenigen, das den gegnerischen Torhüter konsequent angelaufen ist: „Auch wenn wir dann Gefahr gelaufen sind, dass wir Unterzahlspiel hatten und leiden mussten.“ Diese Taktik brachte den VfL immerhin bis ins Halbfinale – und den inoffiziellen Titel des Teams mit den meisten Toren im Turnier. Hassani schlägt vor, die Kontakte des Torhüters auf zwei zu begrenzen, oder Rückpässe auf den Torwart in dem Moment zu verbieten, in dem der Ball die Mittellinie überschritten hat. „Man sollte sich etwas einfallen lassen, damit es für die Zuschauer noch attraktiver wird“, sagt Hassani. Aber auch er fügt hinzu: „Oder wir lassen es so, und spielen wieder mutiger.“

Die Rückpassregel abschaffen? „Stattdessen sollten wir die Torhüter einfach wieder aus dem Strafraum rauslassen.“ Tobias Vößing

Tobias Vößing vom Bezirksligisten Mengede 08/20 würde Änderungen begrüßen – allerdings nicht bei der Rückpassregel: „Stattdessen sollten wir die Torhüter einfach wieder aus dem Strafraum rauslassen.“ Der Trainer verweist auf frühere Stadtmeisterschaften, bei denen das möglich war, dann aber verboten wurde, weil Teams mit Feldspielern im Tor angetreten und erfolgreich waren: „Wenn es alle machen, muss man halt taktische Gegenstrategien entwickeln, das Vier-gegen-Fünf zu verteidigen.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Sebastian Didion vom Hombrucher SV: „Wir haben da auch schon drüber gesprochen, ich tendiere zu unserer alten Variante. Die Attraktivität auf dem Platz würde sich erhöhen und die Zuschauer würden wieder ihr altes Hallenspektakel erleben.“

„Kein normales Hallenturnier“

Auch Dominik Grobe vom Bezirksligisten DJK TuS Körne kann den Wunsch nach einer Änderung aus Zuschauersicht verstehen, erklärt zugleich aber, warum so gespielt wird: „Das ist ja kein normales Hallenturnier, wo ein bisschen gezaubert wird – wie vielleicht in anderen Städten, wo die Spieler die Halle als spaßige Abwechslung sehen.“

„Die Vier-Sekunden-Regel reicht meiner Meinung nach völlig aus, um das Spiel schnell zu machen.“ Sven Thormann

Wenn die Rückpassregel angefasst werden sollte, wirft Grobe eine Art „Shot Clock“ wie beim Basketball in den Raum: „Sodass eine Mannschaft nicht unbegrenzt hintenrum spielen darf und nach einem Signal nach vorne spielen muss.“ Doch es gibt auch Stimmen, die keine Änderung für nötig halten. Sven Thormann vom Stadtmeister TuS Bövinghausen zum Beispiel: „Die Vier-Sekunden-Regel reicht meiner Meinung nach völlig aus, um das Spiel schnell zu machen. Die Regeln sollten beibehalten werden.“ Auch Daniel Sekic vom ASC 09 sagt mit Blick auf die Verletzungsgefahr: „Ich fand es fantastisch, wie fair dieses Jahr alles war. Ich weiß nicht, ob es durch eine Änderung der Rückpassregel nicht viel hektischer würde.“ Und Alen Terzic vom Vizemeister FC Brünninghausen meint: „Ich finde es eigentlich ganz okay, wie es ist. Die aktuellen Regeln erlauben dem Torwart aus seiner Zone, den Aufbau aktiv mitzugestalten und mitzuspielen. Aber klar, es ist auch immer mal gur über neue Ansätze für die Zukunft nachzudenken.“

„Viele wollen lieber den traditionellen Hallenfußball“

Florian Buchholz vom Bezirksligisten Viktoria Kirchderne würde dagegen eine Futsal-Annäherung begrüßen, schränkt jedoch ein: „Wir sollten machen, was die Zuschauer wollen – und viele wollen lieber den traditionellen Hallenfußball sehen. Was bringt es uns, die Regeln zu ändern, wenn keiner mehr versteht, was auf dem Platz passiert?“

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Der Vorsitzende des Dortmunder Fußballkreises, Jürgen Grondziewski, steht einer Regeländerung ähnlich reserviert gegenüber: „Früher, als nach den alten Regeln ständig der Torwart mit einbezogen wurde, war dieses Taktieren doch viel schlimmer. Ich denke, wir haben diesmal viele sehr attraktive Spiele gesehen. Und die Spannung war auch da, wenn mal weniger Tore gefallen sind. Man hat es ja beispielsweise auch im Finale gesehen.“

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