Kevin Großkreutz: Ein Tor gegen Schalke, ein Matchplan und eine Wohlfühloase

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Kevin Großkreutz sorgt überregional für Aufsehen. Positives. Er hat in einer schwierigen Zeit einen Treffer gegen seinen Erzfeind geschossen. Seine Wohlfühloase ist ein Amateurfußball-Klub.

Dortmund

, 19.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Zeit ist nicht einfach für Kevin Großkreutz. Sein Arbeitgeber würde lieber heute als morgen seinen Vertrag mit ihm auflösen. Sein Geldgeber ist aktuell der Drittligist KFC Uerdingen, für den Großkreutz seit 2018 kickt. Er spielt in den Planungen des Vereins aber keine Rolle mehr, obwohl sein Vertrag noch ein Jahr läuft.

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Der 32-Jährige ist aber pflichtbewusst bei jedem Training und verhält sich professionell. Er will sich nichts zu Schulden kommen lassen. Er möchte dem Klub keine Angriffsfläche bieten, um ihn möglicherweise rauszuschmeißen. Deshalb haut er sich bei jedem Training rein.

Und zur Belohnung durfte er am Dienstagabend im Testspiel gegen den FC Schalke 04 auch wieder mal ein paar Minuten spielen. In der 62. Minute wurde er für Traore gegen die Königsblauen eingewechselt und erzielte beim 3:1-Erfolg sogar den Treffer zum zwischenzeitlichen 3:0. Per Foulelfmeter. Diese Möglichkeit, noch einmal gegen seinen Erzfeind ein Tor zu erzielen, ließ er sich nicht nehmen. An seiner Gesamtsituation im Klub wird das aber nichts groß ändern.

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Wer jetzt aber auf Spott und Häme von Seiten Großkreutz in Richtung Schalke 04 wartete, wurde enttäuscht. Er postete nach der Partie bei Instagram von sich zwar ein paar Bilder im Uerdingen-Trikot und auch die Statistik des Spiels, aber kein freches Wort Richtung Schalke.

Roman Weidenfeller gratuliert

Die BVB-Fans feierten ihn trotzdem in den Kommentaren. Sogar sein ehemaliger Teamkollege Roman Weidenfeller. „3:1??? geil“ schrieb der ehemalige BVB-Torhüter und schickte zwei Herzchen in Gelb und Schwarz hinterher. Rund 17.500 Follower freuten sich mit Großkreutz über den Sieg.

Insgesamt bleibt der Dortmunder aktuell aber eher still. Er haute keinen raus, wie er es noch in der Vergangenheit getan hätte. Es gibt keine Eskapaden, wie es sie schon während seiner Bundesliga-Karriere gab. Er gibt gerade auch keine Interviews, möchte in der aktuellen Lage eher im Hintergrund bleiben, bis alles mit seinem Klub geregelt ist. Es wird wohl auf eine akzeptable Abfindung hinauslaufen.

Großkreutz arbeitet aber noch in einem zweiten Verein. Beim Dortmunder Landesligisten Türkspor Dortmund. Hier unterstützt er Trainer Reza Hassani so gut er kann, wenn es die Zeit neben seinem Profijob zulässt. Türkspor ist Großkreutz‘ Wohlfühloase. Mit dem Verein ist er erst gerade erst in die Landesliga aufgestiegen.

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Und auch hier lebt er seine Emotionen aus. Erst am vergangenen Sonntag beim 4:0-Testspiel-Erfolg gegen den TuS Bövinghausen. Nach zwei strittigen Abseitssituationen diskutierte er kurz mit dem Schiedsrichter. Beide klatschten nach dem Gespräch lächelnd ab und Großkreutz setzte sich entspannt auf die Trainerbank. Da war er schon mal hitziger.

Ein Segen für Türkspor Dortmund

Emotionen gab es zum Beispiel bei den Hallenfußball-Stadtmeisterschaften im vergangenen Winter im Duell mit dem Lüner SV. Lünens Trainer Christian Hampel warf dem zwiefachen Deutschen meister vor, zu Foulspielen gegenüber einen Lüner Spieler aufgerufen zu haben. Der betroffene Spieler bestätigte das. Großkreutz und die komplette Türkspor-Bank bestritt den Foul-Aufruf. Es stand Aussage gegen Aussage.

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Insgesamt ist Großkreutz ein Segen für Türkspor. Er hatte einen sehr großen Anteil daran, dass zum Beispiel Königstransfer Marcel Reichwein zu den Dortmundern kam. Der ehemalige Zweitliga-Profi kannte Großkreutz aus seiner gemeinsamen Zeit bei KFC Uerdingen. Der Ex-Borusse lotste auch den Sportdirektor Tim Eibold zum Klub. Und bei Vertragsgesprächen imponiert es natürlich vielen Amateur-Fußballern, wenn Weltmeister Großkreutz mit am Tisch sitzt.

„Kevin ist extrem wichtig für unsere Mannschaft“, sagt Torhüter Muhammed Acil, „er hält das Team zusammen, vermittelt immer ein Familiengefühl. Für ihn ist es wichtig, dass man als Einheit funktioniert.“ Und sportlich lobt Acil seinen Trainer ebenfalls. „Das ist kein normales Landesliga-Training, das wir hier geboten bekommen. Ich habe ja in der Oberliga gespielt, da hatten wir kein besseres Training“, so Acil.

Großkreutz hat einen großen Einfluss

Und auch auf die Spielweise des Teams hat Großkreutz großen Einfluss. Er hatte in seinem Fußballerleben das Glück, mit Trainern wie zum Beispiel Jürgen Klopp zusammenzuarbeiten. Großkreutz ist es, der die Taktik vor den Spielen mit austüftelt. Wie zum Beispiel die gegen den TuS Bövinghausen, als die Mannschaft dem Konkurrenten den Ball überließ und mit Mittelfeldpressing dafür sorgte, dass der Westfalenligist nie ins Spiel kam und in den gesamten 90 Minuten nicht eine hundertprozentige Chance hatte.

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„Es ist für mich ein Privileg, mit Kevin zusammen zu arbeiten. Durch ihn habe ich ganz neue Sichtweisen bekommen. Kevin ist Profi durch und durch. Worauf er alles achtet, ist der Wahnsinn. Ich lerne so viel von ihm. Ich bin davon überzeugt, dass er als Trainer genauso erfolgreich wird wie als Spieler. Er ist besessen von dem Sport“, lobt Trainerkollegen Reza Hassani.

Großkreutz will in naher Zukunft auch seinen Trainerschein machen. Dann wird Türkspor noch mehr von ihm profitieren.

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