Klaus Henter - fast 70 Jahre für den Schwimmsport

Serie: Herzblut

Viele Menschen opfern für ihren Sport und ihren Verein viel Zeit - oftmals, ohne dafür auch nur einen müden Cent zu erhalten. Ehrenamtler stecken ihr ganzes "Herzblut" in ihr Hobby. Und ohne sie geht es meist gar nicht mehr. In unserer neuen Serie stellen wir einige dieser Menschen vor. Heute: Klaus Henter, der Ehrenvorsitzende des SV Derne

Dortmund

, 29.07.2017, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Klaus Henter - fast 70 Jahre für den Schwimmsport

Klaus Henter steht auch heute noch am Beckenrand des Derner Freibads. Der Ehrenvorsitzende ist seit 1949 beim SVD.

Wenn es um den Schwimmsport geht, könnte Klaus Henter getrost behaupten, er habe alles erlebt, was es überhaupt zu erleben gibt. Von Deutschen Meisterschaften bis zu Olympischen Spielen, von der Vorstandsarbeit im Verein bis zur Präsidentschaft im Deutschen Schwimmverband (DSV). Große Erfolge waren dabei. Aber auch herbe Rückschläge und tragische Ereignisse. Dennoch ist der Ehrenvorsitzende des SV Derne seinem Sport bis heute treu geblieben.

Kein Spaß in puncto Sicherheit

„Nicht vom Beckenrand springen. Das ist gefährlich“, sagt Klaus Henter mit ernster Stimme zu einem kleinen Badegast, der an einem der heißesten Tage des Jahres eine Abkühlung im Derner Freibad sucht. Henter hat diesen Satz wahrscheinlich schon mehrere Hundert Male gesagt. In der Regel sind die Ermahnten dann zunächst etwas verlegen und vielleicht sogar ein bisschen eingeschüchtert. Das stört Henter aber nicht. In puncto Sicherheit, kennt er nun einmal keinen Spaß.

Den wohl schlimmsten Zwischenfall seiner langen Amtszeit hat der 79-Jährige schließlich immer noch im Hinterkopf. Mit Grauen erinnert er sich noch an den Unfall im Jahr 2008, als der damals 15-jährige Kevin aus Lünen so unglücklich mit dem Kopf auf den Beckengrund schlug und von da an querschnittsgelähmt war. Das ist eines der Erlebnisse, auf die Henter während seiner Zeit beim SV Derne 1949 gerne verzichtet hätte. Doch das schreckliche Ereignis gehört genauso zur Geschichte des Vereins wie der Name Henter.

Verein als Familienunternehmen

Blickt man in die Chronik des SV Derne 1949, dann könnte man meinen, der Verein sei eine Art Familienunternehmen. 25 Jahre leitete Klaus Henter die Geschicke des Vereins, 1987 übernahm er die Rolle des Vorsitzenden und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters, der den SVD sogar über drei Jahrzehnte geführt hatte. Dass der Familienname auch in den nächsten Jahren nicht von der Mitgliederliste verschwinden wird, ist ebenfalls so gut wie sicher. „Den Aufnahmeantrag für meine Kinder habe ich bereits zwei Stunden nach der Geburt eingereicht. Bei den neun Enkelkindern war das nicht anders. Und die Schwiegersöhne mussten vor der Hochzeit natürlich auch dem Verein beitreten“, sagt der 79-Jährige schmunzelnd. Bei ihm selbst war das noch anders – im Jahre 1949.

Da gab es eine klare Ansage vom Vater: Der kleine Klaus sollte sich einen Sportverein suchen. Und weil es davon kurz nach dem Krieg nicht allzu viele gab – die Alliierten erlaubten lediglich einen einzigen pro Stadtteil –, fiel die Wahl nicht besonders schwer: Auf zum SV Derne! Oder besser gesagt: Auf zur Gründungsversammlung!

Aus der Schule, ab ins Schwimmbad

Mitspracherecht hatte der damals Elfjährige da zwar noch nicht, doch das 1914 eröffnete Freibad an der Straße Im Sperrfeld kannte er immerhin bereits wie seine Westentasche. „Ich wohnte schließlich in Kirchderne. Nach der Schule flog der Ranzen in die Ecke, dann ging’s über die Schienen, auf denen damals noch der Kokszug von Gneisenau nach Lünen-Süd fuhr, ab zum Bad.“

Hier lernte Henter schwimmen, wie man einen Verein organisiert und was der Sport den Menschen bedeutet. „Schwimmen ist doch eigentlich die liebste Sportart der Deutschen. Die meisten nennen es nur Baden“, sagt Henter. Beim SVD bevorzugte man hingegen von Anfang an das Schwimmen. Und man suchte den Wettkampf, wenngleich der in den ersten Jahren teils unter nicht ganz so seriösen Bedingungen stattfand.

Viele Spitzensportler beim SVD

„Bei den frühen Vereinswettkämpfen mussten unsere Schwimmer auch beim Wasserball antreten. Und bei der Staffel wurde schon mal geschummelt. Da wechselte man einfach schnell die Bademütze und schwamm noch eine weitere Bahn“, erinnert sich der Ehrenvorsitzende, der einst selbst NRW-Jugendmeister wurde: „Das war aber natürlich nichts im Vergleich zu anderen SVD-Schwimmern. Gerald Mörken beispielsweise – der ist in den 70ern dreifacher Europameister geworden.“ In der Folge des Triumphs des Dortmunders seien viele Spitzensportler zum SVD gekommen.

Wie viele Meisterschaften man nach der Gründung der Startgemeinschaft Hansa Dortmund, gemeinsam mit neun anderen Vereinen, eingefahren hat, weiß Henter inzwischen gar nicht mehr. An die Olympischen Spiele und die vielen Länder, die er im Rahmen seiner Tätigkeit als DSV-Präsident bereist hat, erinnert er sich allerdings noch genauso gut wie an die vermeintlich kleinen Erfolge am Rande des Sports – etwa die Übernahme des von der Schließung bedrohten Freibads im Jahr 1990 oder die des Hallenbads in Scharnhorst 2003.

"Henter"-Affäre sorgte für Schlagzeilen

Die Zeit, als Henter an der Spitze des Stadtsportbunds stand, würde er hingegen wohl lieber vergessen – zumindest einen Teil davon. „Wir haben damals viel bewegt, aber ich habe mein Amt dennoch abgegeben, als es diese finanzielle Sache gab. Wir haben Gelder nicht so eingesetzt, wie wir sie hätten einsetzen müssen“, sagt Henter. Die Geschichte um Untreue, Unter-der-Hand-Krediten und Aktien-Deals sorgte damals als „Henter-Affäre“ für Schlagzeilen.

Nach seinem Rücktritt konzentrierte sich der heute 79-Jährige noch mehr auf seinen Heimatverein. Die Ferienfreizeiten mit den Kindern sind ihm immer noch genauso wichtig wie die Städtepartnerschaft mit Rostow am Don, die von den Schwimmern seit vielen Jahren gepflegt wird.

Volles Bad sorgt für Lächeln

Das will Henter auch noch viele weitere Jahre tun, denn für seinen Verein fühlt er sich nach wie vor verantwortlich: „Ich bin Schwimmer durch und durch. Und wenn ich hier gebraucht werde, werde ich da sein.“ Nicht nur als Kursleiter beim wöchentlichen Seniorenschwimmen im Hallenbad, sondern auch im Kassenhäuschen des Derner Freibads, in das an heißen Sommertagen schon mal bis zu 700 Besucher strömen. Ein ausverkauftes Bad ist ohnehin eines dieser kleinen Ereignisse, die Henter ein Lächeln ins Gesicht zaubern. „Es ist immer eine Freude, wenn wir am Ende der Straße das Schild aufstellen, auf dem steht, dass es keine freien Parkplätze mehr gibt, weil das Bad voll ist.“

Und weil die Sicherheit natürlich vorgeht, wird der 79-Jährige auch weiterhin als Unterstützung der vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter des SVD am Beckenrand stehen und darauf achten, dass niemand von dort ins Wasser springt. Auch wenn er die Ermahnten damit etwas in Verlegenheit bringt.

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