Kooperation mit Soccerwatch: Livespiele und Highlights von Dortmunder Teams auf RN.de

Amateurfußball live

Die meisten Fußballspiele in Deutschland finden abseits der Öffentlichkeit statt. Das soll sich ändern. RN.de zeigt in Kooperation mit Soccerwatch ab sofort Livespiele und Highlights vom Amateurfußball.

Dortmund

, 22.03.2019, 16:49 Uhr / Lesedauer: 4 min
Kooperation mit Soccerwatch: Livespiele und Highlights von Dortmunder Teams auf RN.de

Diese Dortmunder Teams haben bereits Kameras auf ihren Sportplätzen installiert. © Soccerwatch

Irgendwie fühlte man sich bei Salman Tilkidag ja ein bisschen an Vedad Ibisevic erinnert. Der Fußball-Profi von Hertha BSC, also Vedad Ibisevic, hatte jüngst bei der 2:3-Niederlage der Berliner BVB-Torwart Roman Bürki den Ball an den Kopf geworfen und daraufhin die Rote Karte gesehen. Auch Tilkidag durfte früher duschen gehen. Am vergangenen Sonntag war das.

Rote Karte wie Ibisevic

Die Bezirksliga-Partie zwischen dem VfR Sölde und dem FC Nordkirchen war gut 45 Minuten alt, da schnappte sich der Abwehrspieler des VfR den Ball, den Joachim Mrowiec Sekunden zuvor noch über die Linie gedrückt hatte, und pfefferte ihn Patrick Trawinski an den Rücken. Der Stürmer des FCN, das muss man zu Tilkidags Verteidigung sagen, hatte die 1:0-Führung seiner Mannschaft äußerst provozierend gefeiert. Für einen Freispruch reichte das als Begründung freilich nicht – und Tilkidag sah Rot.

Eine Szene des Amateurfußballs, wie sie bis vor Kurzem wohl nur jenen Zuschauern vorbehalten geblieben wäre, die sich tatsächlich auf den Weg zum Sportplatz am Rosengarten gemacht hätten. Heute kann sich dagegen fast jeder ein eigenes Bild von Tilkidags Platzverweis machen.

Online-Plattformen wie Soccerwatch und Sporttotal übertragen immer mehr Spiele des Dortmunder Amateurfußballs live oder bieten Highlight-Videos an, die sich bequem vom heimischen Sofa aus abrufen lassen. Ab sofort dank einer Kooperation mit Soccerwatch auch auf RN.de (siehe Infokasten).

Ab sofort auch auf RN.de
  • Ab sofort können Sie ausgewählte Livespiele und Highlights auf RuhrNachrichten.de sehen.
  • Wir verbessern ständig unser digitales Angebot für unsere Leser in der Region. Wichtiger Bestandteil ist der Lokalsport. Wir wollen hier kurzfristig weiter investieren und unseren Kunden bald noch mehr Live-Übertragungen und Highlights anbieten“, sagt Moritz Tillmann, Chief Digital Officer und Chefredakteur bei Lensing Media.
  • Los geht es mit drei Livespielen: Hombrucher SV - Firtinaspor Herne (Landesliga), TuS Eichlinghofen - BV Brambauer (Bezirksliga) und FC Roj - Alemannia Scharnhorst (Bezirksliga=

Das Potenzial scheint riesig. Fast 25.000 Fußballvereine mit 160.000 Mannschaften gibt es in ganz Deutschland. Jährlich werden rund 1,8 Millionen Spiele ausgetragen.

Keine Live-Spiele aus Aplerbeck

Nicht alle sind überzeugt von der Idee, den Fußball auch aus den unteren Ligen auf die Bildschirme zu bringen. Beim Oberligisten ASC 09 lehnt man Live-Übertragungen aus dem Waldstadion seit jeher kategorisch ab.

„Wir haben gemerkt, dass uns im Schnitt 20 eigene Fans bei Auswärtsspielen fehlen, wenn die Partie auch im Internet zu sehen ist“, sagt Samir Habibovic, Sportlicher Leiter des Oberligisten. Seine einfache Rechnung: „Wenn auch pro Spiel 20 Gästefans aufgrund einer Übertragung nicht zu uns kämen, würden uns rund 3000 Euro bei den Zuschauereinnahmen fehlen.“

Reichweite schaffen

Jan Taube, früherer Eishockey-Profi und Geschäftsführer von Soccerwatch, kennt diese Argumentation. Es sei die gleiche Diskussion, wie sie vor rund 20 Jahren auch auf höchster Ebene im deutschen Fußball geführt worden sei. „Als die Spiele in der Bundesliga 1998 entzerrt worden sind, also nicht mehr ausschließlich samstags stattgefunden haben, sondern über mehrere Tage hinweg, gab es noch deutlich weniger Fans“, sagt er.

Heute seien die Stadien „wesentlich voller“. Taubes Vermutung dahinter ist: „Übertragung bringt Reichweite. Reichweite schafft Bekanntheit, Bekanntheit steigert das Interesse.“ Diese These teilt auch Dirk Scharpenberg, Vorsitzender von Urania Lüttgendortmund. Der A-Ligist hat zwar noch keine Kamera am Vereinsgelände installiert. Das System sei aber längst beantragt, sagt Scharpenberg.

Keine Angst vor Zuschauerverlust

Angst vor einem möglichen Zuschauerverlust hat Scharpenberg nicht. Im Gegenteil: Der Verein erhofft sich durch die Übertragungen eine größere Bekanntheit. „Und durch eine höhere Reichweite gelingt es uns vielleicht, den einen oder anderen Werbepartner zu gewinnen“, sagt er.

Doch der A-Ligist muss sich einem harten Wettbewerb stellen. In Dortmund hängen mittlerweile auf mehr als 20 Fußballplätzen Kameras aus Essen. Mit weiteren Vereinen ist das Start-up in Gesprächen. Wer auf eines der Kamera-Systeme, das auf Höhe der Mittellinie – in der Regel an Flutlichtmasten – befestigt wird, zurückgreifen will, muss sich wegen baulicher Veränderungen zunächst an die Sport- und Freizeitbetriebe der Stadt Dortmund wenden.

130 Klubs zeigen schon ihre Spiele live

Auch das Thema Datenschutz werde großgeschrieben, sagt Taube. „Wir weisen am Eingang der Sportanlagen wie auch an den Kabinen mit Schildern darauf hin, dass wir Aufnahmen machen.“

Kooperation mit Soccerwatch: Livespiele und Highlights von Dortmunder Teams auf RN.de

Mit diesen Schildern weist Soccerwatch auf die Aufzeichnung hin. © Schütze

Bundesweit greifen heute mehr als 130 Klubs auf das System zurück. 190 weitere werden in den kommenden drei Monaten folgen. Bis Jahresende sollen dann insgesamt 1000 Vereine mit Kameras von Soccerwatch ausgestattet sein. Was möglich ist, habe ein Spiel des FC Schalke 04 in der Saisonvorbereitung beim ETB Schwarz-Weiß Essen gezeigt. Mehr als 65.000 Zuschauer verfolgten die Partie damals über den Internetstream.

Teilweise mehr als 500 Zuschauer pro Spiel

Noch ist Soccerwatch von regelmäßigen Abrufzahlen wie diesen allerdings ein gutes Stück weit entfernt. „Wir haben Zugriffszahlen von mehr als 500 Menschen pro Spiel. Aber wir sind davon überzeugt, dass diese Zahlen noch stark steigerungsfähig sind“, sagt Taube. Die Entwicklung sei positiv, aber „wir haben natürlich auch Spiele, wo nur 70, 80 Zuschauer gucken“.

Wie auf fast allen Sportplätzen gibt es auch im Bereich des Streamingmodells einen Zweikampf. Soccerwatch ist Herausforderer, Marktführer ist aktuell Sporttotal. Beide kooperieren mit dem DFB. Sporttotal, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 60 Millionen Euro erwirtschaftet hat, hat derzeit 450 Kamerasysteme in Deutschland installiert. In Dortmund überträgt das Kölner Unternehmen die Heimspiele des Oberligisten FC Brünninghausen, die des Westfalenligisten Kirchhörder SC und die des Landesligisten SV Brackel 06 sowie des A-Ligisten TuS Holzen-Sommerberg.

„Ein großer Vorteil“

Taube sieht das Duell sportlich. Während sich Sporttotal auf die oberen Ligen konzentriere, „zeigen wir die Spielklassen ganz unten“ Egal, auf welches System sich die Vereine festgelegt haben. Der Großteil begrüßt die Möglichkeit, Spiele der eigenen Mannschaft im Internet übertragen zu können.

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Ralph Villis vom TuS Bövinghausen hatte die Kamera schon Ende 2017 auf dem Sportplatz hängen. © Schütze

„Wir spielen natürlich lieber vor vielen Zuschauern“, sagt beispielsweise Alexander Gocke, Trainer von Westfalia Wickede. „Aber gerade für ältere Fans, für die es schwierig ist, zum Platz zu kommen, ist das aus meiner Sicht ein Vorteil. So können sie die Spiele auch von zu Hause aus schauen.“ Gocke selbst nutzt Übertragungen anderer Vereine zudem als Gegner-Vorbereitung.

Kamera als Service

Auch der Oberligist Brünninghausen streamt seine Heimspiele live. Klaus-Dieter Friers, Geschäftsführer Sport, sagt: „Wir haben die Kamera als Service installiert. Wenn ich im Urlaub bin, gucke ich mir unsere Spiele über Sporttotal an. Für Videoanalysen nutzen wir aber unser eigenes Videosystem, das wir uns vor zwei Jahren zugelegt haben.“

Soccerwatch bietet ebenfalls ein Analyse-Tool für Trainer an, über das sich einzelne Spielszenen detailliert aufarbeiten lassen. Alexander Enke, Trainer des Landesligisten Hombrucher SV hat vor Kurzem eine Einführung erhalten. Er sieht das Tool grundsätzlich positiv. Man habe die Möglichkeit, „den Spielern das eigene Verhalten, egal ob positiv oder negativ, im Video vorzuführen. Das macht es leichter, Fehler zu beheben“, sagt Enke.

Ob auch Söldes Trainer Daniel Schmiers nach dem 0:3 gegen Nordkirchen darauf zurückgegriffen hat, ist nicht bekannt. Gebraucht hat er es wohl aber nicht. Salman Tilkidags Fehler war einfach zu offensichtlich.

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