Mengedes Tobias Vößing trennt sich im Sommer vom Klub: „Ich verlasse hier etwas Besonderes“

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Vor zweieinhalb Jahren hat Tobias Vößing den damaligen Westfalenliga-Absteiger Mengede 08/20 in der Krise übernommen. Nun nimmt er nach dann drei Jahren schweren Herzens Abschied.

Dortmund

, 09.01.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein 1:4 bei Concordia Wiemelhausen war in der Saison 2016/17 das letzte Spiel von Thomas Gerner für den damaligen Westfalenligisten Mengede 08/20. Der Abstieg war aus finanziellen Gründen bereits besiegelt, 13 Spieler verließen den Verein, Gerner war längst mit Westfalia Wickede einig und auch sein Nachfolger stand bereits fest.

Vößing stabilisierte das Team

Es war Tobias Vößing, der damals die A2-Junioren des Hombrucher SV trainiert hatte. Vößing konnte den Absturz allerdings nicht sofort stoppen, Mengede wurde durchgereicht in die Bezirksliga, erst dort schaffte es Vößing, das Team zu stabilisieren und endlich wieder positive Schlagzeilen zu schreiben.

Fortführen kann er seine Arbeit allerdings nicht. „Aus beruflichen Gründen“, wie es die Mengeder am späten Mittwochabend mitteilen, könne Vößing seine Tätigkeit ab dem Sommer 2020 nicht fortsetzen.

„Das klappt einfach nicht mehr“

Der Coach selbst erklärt es so: „Es hat sich einfach etwas bei mir verändert. Ich bin seit dem 1. Januar in einer anderen beruflichen Position, in der ich nicht mehr einfach den Stift fallen lassen kann, um rechtzeitig zum Training zu kommen. Das klappt einfach nicht mehr. So leid es mir tut.“

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Es tut ihm wirklich leid, das Projekt Neuaufbau in Mengede, seinen Verein, seine Mannschaft verlässt er nur äußerst ungern: „Ich trauere dem schon sehr hinterher. Ich weiß auch, dass der Verein gerne mit mir weitergemacht hätte. Wir waren uns fast schon einig, hatten an Lösungen gedoktert, in denen ich nur zweimal die Woche zum Training gekommen wäre.“

„Ganz oder gar nicht“

Aber das wäre nicht sein Modell gewesen. „Ganz oder gar nicht“, das war schon immer Vößings Maxime, ist es auch jetzt im letzten halben Jahr als Mengede-Coach: „Wenn du als Cheftrainer nicht voll da bist, ist funktioniert es nicht“, sagt Vößing. „Ich habe ja auch einen Anspruch an meine Spieler, den ich vorleben muss.“

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Schon in den letzten Monaten sei es nicht so einfach gewesen, Job, Familie und das zeitfressende Hobby als Fußball-Trainer unter einen Hut zu bringen. Mit der neuen Position wird es nun noch schwieriger bis unmöglich. Vößing wohnt in Bochum, arbeitet in Essen, drei-, viermal die Woche fährt er die 45 Minuten in den Volksgarten.

Überragendes Verhältnis zur Mannschaft

Nicht, weil er musste, sondern weil er wollte und will. Das Verhältnis zur Mannschaft beschreibt er als „überragend“, mit dem eingeschworenen Haufen will er am Wochenende die Stadtmeisterschaften rocken: „Mit dieser Mannschaft macht es einfach mega Spaß“, sagt Vößing, „die Chemie stimmt.“

Ein eingeschworenes Team: Mengede 08/20

Ein eingeschworenes Team: Mengede 08/20 © Kirchner-Media

Entsprechend groß war zunächst die Enttäuschung, dass die gemeinsame Zeit zuende geht: „Sie haben es aber verstanden und die Gründe akzeptiert“, sagt Vößing, der sich keinen Illusionen hingibt: „Unterm Strich muss man sich als Trainer nicht zu wichtig nehmen. Es ist der Lauf der Dinge im Fußball und ich kann auch nicht ausschließend, dass im Kader von 23 Leuten zwei bis drei dabei sind, die froh sind, dass der Idiot endlich weg ist.“

Vößing gratuliert Mengede zu Gerner

Zu Nachfolger Thomas Gerner, der auch sein Vorgänger war, „kann ich Mengede nur gratulieren“, sagt Vößing, „wir haben einen sehr sehr guten Draht und ich freue mich darüber, dass Mengede diese Lösung gefunden hat.“

Was seine eigene sportliche Zukunft im Sommer angeht, darüber hat sich Vößing noch keine großen Gedanken gemacht. Nur soviel: „Ich verlasse etwas ziemlich Besonderes“, sagt der Coach, der sich als „Fußballtrainer durch und durch“ bezeichnet, „wenn ich danach etwas mache, muss es perfekt passen.“

Kein Problem, eine Pause zu machen

Mit Vereinen aus der Nähe seines Wohn- oder Arbeitsortes jedenfalls sei er gesprächsbereit: „Das könnte ich mir schon vorstellen“, sagt Vößing, „aber ich habe auch kein Problem, jetzt mal zwei, drei Jahre eine Pause zu machen.“

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Denn wer weiß was ihnen in den nächsten fünf Monaten noch bevorsteht. Zunächst die Hallenfußball-Stadtmeisterschaft, danach wieder die Liga und dann ist da ja noch der Kreispokal, in dem Mengede im Viertelfinale definitiv einen unterklassigen Gegner bekommt. Vorbei ist es erst, wenn es vorbei ist.

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