Mohamed Lmcademali ist ein Unterschiedspieler, der zu wenig aus sich gemacht hat

rn35. Hallenfußball-Stadtmeisterschaft

Mohamed Lmcademali ist eine Attraktion bei der 35. Hallenfußball-Stadtmeisterschaft. Sein Können hat er während der Laufbahn nicht ausgereizt.

Dortmund

, 02.01.2019, 18:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mohamed Lmcademali ist der Spielertyp, den die Zuschauer in der Halle bestaunen. Er ist antrittsschnell, trickreich und spielintelligent. Er ist aber auch der Spielertyp, bei dem sich viele Besucher fragen: Warum spielt der nur bei einem Landesligisten? Sein aktueller Trainer Reza Hassani hat eine ganz einfache Antwort auf diese Frage. „Mo hat sein Talent verschenkt“, sagt der Coach des VfL Kemminghausen.

Er selbst ist natürlich froh darüber, solch einen begnadeten Fußballer in seinen Reihen zu haben. Erst im Winter ist der 32-jährige Lmcademali vom Westfalenligisten Westfalia Wickede zum Landesligisten VfL Kemminghausen gewechselt.

Es stellt sich die Frage, warum es nicht zu höherem reichte

In der Vorrunde der 35. Hallenfußball-Stadtmeisterschaft schoss der seine neuen Farben mit 13 Treffern fast im Alleingang in die nächste Runde. Er führt mit dieser unglaublichen Torausbeute natürlich die Torjägerliste an.

Aber warum ist er während seiner bisherigen Zeit als Fußballer nie über sieben Regionalliga-Einsätze für den 1. FC Kleve hinausgekommen? „Ich war zu ehrgeizig. Ich hatte mich im Trainingslager damals in der Türkei am Sprunggelenk verletzt. Ich wollte als junger Spieler nicht lange pausieren und fing wieder zu früh mit dem Training an. Das hat die Verletzung verschlimmert“, erklärt Lmcademali seine Zeit bei Kleve. Sein Körper sei der hohen Belastung nicht gewachsen gewesen und habe die bis zu zwei Trainingseinheiten pro Tag nicht verkraftet.

„Mo hat definitiv sein Talent verschenkt.“
Reza Hassani

Dimitrios Kalpakidis kennt Lmcademali gut, hat ihn selbst beim TuS Eving-Lindenhorst trainiert und mit ihm zusammen 2008 die Hallenfußball-Stadtmeisterschaft gewonnen. Kalpakidis schwärmt ebenfalls von Lamcademalis fußballerischen Fähigkeiten. „Er ist ein Unterschiedsspieler. Mo macht Dinge, die nicht vorauszusehen sind.“

Was Lmcademali aus seiner Sicht zum Profifußballer gefehlt habe, sei dessen Einstellung. „Er hat viel zu wenig aus sich herausgeholt. Ich hätte gerne sein Talent gehabt“, sagt Kalpakidis. So sieht es Reza Hassani auch. „Wenn Mo den Ehrgeiz eines Rafik Halim gehabt hätte, wäre er Profi geworden. Definitiv“, sagt Hassani. Lmcademali widerspricht seinem Trainer nicht. „Nachdem ich in Kleve als junger Spieler gescheitert bin, ist die Motivation etwas verloren gegangen. Das stimmt.“

So tingelte Lmcademali durch den Dortmunder Amateur-Fußball. Er kickte für den VfR Sölde, TuS Eving-Lindenhorst, ASC 09 Dortmund, Westfalia Wickede, Hombrucher SV, TuS Eichlinghofen, BSV Schüren und spielt aktuell für den VfL Kemminghausen. Zwischenzeitlich trug er auch noch die Trikots des SSV Hagen, SSV Mühlhausen und des VfL Kamen. In den vergangenen zehn Jahren hat er also elf Trikots mit unterschiedlichen Vereinsemblemen über seinen Oberkörper gestreift. „Auch wenn ich es nicht nach ganz nach oben geschafft habe, bin ich nicht enttäuscht. Ich bin sogar zufrieden mit dem, wie es gelaufen ist.“

Noch keine Zeit für ein Resümee

Es sei aber noch lange nicht die Zeit gekommen, um ein Resümee zu ziehen. Er sei noch heiß auf Fußball, habe Ziele. Das untermalt sein Auftritt in der Vorrunden der Stadtmeisterschaft. Er war von seinen Konkurrenten nicht zu stoppen, bereitete neben seinen imposanten 13 Treffern auch fünf weitere Tore vor.

Und das alles, ohne überhaupt körperlich fit zu sein. „Ich bin ein Straßenfußballer. Halle geht immer. Entweder du kannst es, oder du kannst es nicht“, sagte er am Samstag nach dem Zwischenrundeneinzug. Sein Trainer Reza Hassani beschreibt ihn so: „Ich vergleiche seine Füße immer mit einem Handyaufladegerät. Berührt der Ball seine Füße, lädt Mos Akku sofort auf.“

Mohamed Lmcademali ist ein Unterschiedspieler, der zu wenig aus sich gemacht hat

Mohamed Lmcademali (Mitte) traf gegen Deusen am Samstag neunmal. © Schulze

Lmcademali ist jetzt nur noch 14 Tore von einem Allzeit-Rekord entfernt. Vor 31 Jahren erzielte Markus Klingen für den VfR Sölde 27 Tore während der Stadtmeisterschaft. Ein Rekord, der bis heute noch Bestand hat.

„Wenn der Rekord so lange besteht, kann er ruhig weiter in der Form bestehen. Für mich zählt der Teamerfolg in erster Linie. Klar wäre es schön, wenn ich den Torjägerpokal hole, aber mehr als 27 Tore werde ich nicht erzielen“, zeigt sich Lmcademali zurückhaltend.

Der Teamerfolg steht über allem

Sein erstes Ziel sei der Einzug in die Endrunde mit dem VfL Kemminghausen. „Dafür müssen wir uns aber steigern und benötigen unbedingt einen Mo in Topform“, sagt Hassani.

Allein schon den Zuschauern wäre zu gönnen, den Edeltechniker in der Endrunde bewundern zu dürfen. Er wäre eine Attraktion für die Besucher in der Helmut-Körnig-Halle am 11. und 12. Januar. Einen wie ihn wollen sie sehen. Einen wie ihn hätten wohl auch gerne Fans von Profiteams gesehen.

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