Nach Abmeldung der Mannschaft: Spieler von Kirchderne fühlt sich „im Stich gelassen“

rnFußball-Kreisliga B

Viktoria Kirchderne hat seine zweite Mannschaft abgemeldet. Der Sportliche Leiter sprach von „internen Problemen“. Einer der Spieler kritisiert jedoch den Vorstand und gibt ihm die Schuld.

von Dennis Winterhagen

Dortmund

, 23.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die zweite Mannschaft von Viktoria Kirchderne wird in dieser Saison kein Spiel mehr bestreiten. Der Verein hat das Team aus der Kreisliga B bereits abgemeldet. Frank Schäfer, Sportlicher Leiter Kirchdernes, sprach von „internen Problemen innerhalb der Mannschaft“. Nun äußern sich auch Spieler des Teams. Sie fühlen sich vom Vorstand „im Stich gelassen“ und erklären, warum immer mehr Spieler den Kader verließen.

„Wir wollten bleiben, aber wir haben vom Vorstand keine Unterstützung bekommen“, sagt André Ejsymont im Gespräch mit unserer Redaktion. Zum Ende der Hinrunde war die Mannschaft bereits auf nur noch neun Spieler geschrumpft, viele hatten den Verein schon verlassen.

Die Spieler sind weiterhin gut befreundet

Die verbliebenen neun Akteure hatten sich nach der Hinrunde an einen Tisch gesetzt, und obwohl sie gerne geblieben wären, habe es für sie einfach keinen Sinn mehr ergeben, dem Verein die Treue zu halten. Am Zusammenhalt der Spieler habe sich allerdings nichts verändert. „Wir sind alle immer noch super befreundet“, erklärt Ejsymont.

Zu Saisonbeginn sah die Anzahl der Spieler allerdings noch gänzlich anders aus. „Knapp über 20“, seien es gewesen, sagt Ejsymont. Doch nach dem desaströsen Saisonstart, den Kirchderne hingelegt hatte, sei die Stimmung gekippt. Dazu hätte es dem 27-Jährigen zufolge allerdings gar nicht kommen können, wenn alles nach Plan gelaufen wäre.

Eigentlich wollte die Mannschaft in einer anderen Staffel spielen

Denn eigentlich „wollten wir aufsteigen“, erzählt der Ex-Kirchderner. In der Vorsaison landete die Truppe auf Tabellenplatz sechs, nun sollte es weiter nach oben gehen - ehe sich vor der Saison das Blatt wendete, erzählt der Ex-Kirchderner. „Der Vorstand zwang uns zu einem Staffelwechsel.“ Der Grund hierfür soll bei dem vorgegebenen Spielplan in den Kreisligen zu finden sein. Da der Trainer der dritten Mannschaft, Sascha Thier, zugleich auch die vierte Mannschaft der Kirchderner trainierte, sollten beide Teams an den Sonntagen die Heimspieler hintereinander austragen.

Doch dadurch musste die Zweite Mannschaft auf einen anderen Spieltermin ausweichen - die Lösung war der Staffelwechsel, von der Kreisliga B2 in die Kreisliga B4. Diese schätzt Ejsymont sportlich deutlich stärker ein. „Plötzlich spielten wir mit Mannschaften zusammen, die über unserem Niveau waren. Und so verloren wir häufiger und auch höher“, erklärt der ehemalige Torhüter Kirchdernes.

Weber fiel ein halbes Jahr lang verletzt aus

In die gleiche Kerbe schlägt Robin Weber, der seit der D-Jugend mit kurzer Unterbrechung bei Viktoria Kirchderne vor den Ball trat. „Von dem Staffelwechsel haben wir zwei Wochen vor Saisonbeginn auf Fußball.de erfahren“, erzählt er. „Mit uns hat keiner geredet, wir haben nie eine genaue Erklärung bekommen. Aufgrund von vielen Wechseln in anderen Vereinen waren wir einer der Aufstiegsfavoriten“, meint Weber.

Auf Nachfrage sei ihnen nur entgegen gebracht worden, dass dies „jetzt so entschieden wurde“, erklärt er. Den Verein verlassen hat auch er. Wie viele andere zieht es Weber zu Alemannia Scharnhorst. „Trotz der vertraglichen Vereinbarung vor der Saison, dass ich ablösefrei im Winter wechseln darf, wenn ich ein halbes Jahr nicht mehr für Kirchderne spiele, wurden auf einmal Ablöseforderungen gestellt.“ Weber lief ab Sommer tatsächlich nicht mehr für Kirchderne auf – allerdings aufgrund einer schwerwiegenden Verletzung. „Ich hatte einen Knöchel- und Bänderabriss“, erzählt er.

Die Wechselbestimmungen des Fußballverbandes sind klar

Das Fordern einer Ablösesumme ist grundsätzlich erst einmal legitim und Sache des potenziell abgebenden Vereins, führt bei einem erzwungenen Wechsel ohne Ablöse aber immer wieder zu einer sechsmonatigen Sperre.

In den Wechselbestimmungen des Fußballverbandes Westfalen ist nachzulesen, dass sich ein Amateurfußballer, der im Winter den Verein wechseln möchte, bis zum 31. Dezember beim alten Verein abgemeldet haben muss. Die Abmeldung muss per Einschreibepostkarte erfolgen oder im Seniorenbereich über das DFBnet. Eine Freigabe für Pflichtspiele erfolgt aber im Normalfall erst nach Entrichtung der Ausbildungsentschädigung. Wird die Freigabe des abgebenden Vereins nicht erteilt, ist der Spieler erst nach sechs Monaten für den neuen Verein in Pflichtspielen spielberechtigt. Ein scharfes Schwert, dass aber in der Hand des Vereins liegt - und das in Kirchderne laut Aussage von Ejsymont zumindest als Drohung genutzt wurde.

„Irgendwann wollen wir nochmal alle zusammen in einem Team spielen“

Für Ejsymont ist trotz der Querelen klar: „Wir haben unsere WhatsApp-Gruppe immer noch. Irgendwann wollen wir auch nochmal alle zusammen in einem Team spielen.“ Ob sie diesen Traum allerdings bei Kirchderne verwirklichen, das steht in den Sternen. Der Sportliche Leiter Frank Schäfer wollte sich auf Nachfrage nicht erneut zur Abmeldung der zweiten Mannschaft und den Vorwürfen von Ejsymont äußern.

Information: In einer vorherigen Fassung dieses Textes schrieben wir von Manuel Gutt als Trainer der dritten und vierten Mannschaft. Das war inhaltlich falsch, dafür entschuldigen wir uns. Zudem wurde der Text am 24. Januar noch einmal überarbeitet, mit der Stimme von Robin Weber ergänzt, der einige Vorwürfe von André Ejsymont teilt. Auch wurden die Wechselbestimmungen des Fußballverbandes Westfalen ergänzt und verlinkt, um etwaige Unstimmigkeiten aus den Weg zu räumen.
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