Nach Drama um Christopher Reinhardt: Darum hat der Deutschland-Achter das Rennen fortgesetzt

rnRudern

Trotz des Dramas um Christopher Reinhardt siegt der Deutschland-Achter beim „härtesten Ruderrennen der Welt“. Aber war es überhaupt richtig, weiterzufahren? Ja, sagt Steuermann Martin Sauer.

Dortmund

, 10.09.2019, 07:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn man über den Kanal-Cup spricht, landet man schnell bei Superlativen wie „dem härtesten Ruderrennen der Welt“. 12,7 Kilometer müssen die Wettkämpfer zwischen Breiholz und Rendsburg zurücklegen. Eine Strecke, sechsmal länger als bei normalen Rennen, ausgetragen auf einer offenen Seeschifffahrtsstraße.

Am vergangenen Sonntag hielt dieses „härteste Ruderrennen der Welt“ für alle Beteiligten, vor allem aber den Deutschland-Achter,der seinen Stützpunkt in Dortmund hat, nun etwas bereit, „das ich so auch noch nicht erlebt habe und es in dieser Form wohl so auch nicht noch einmal geben wird“, wie Steuermann Martin Sauer am Montag erzählt. „Das war das größte Drama, das wir bei diesem Rennen jemals erlebt haben“, meint Bundestrainer Uwe Bender. „Das macht mich sprachlos.“

Kreislaufprobleme machen Christopher Reinhardt zu schaffen

Christopher Reinhardt, an Postion drei im Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV), hatte bei diesem Ruder-Marathon auf dem Nord-Ostsee-Kanal mit Kreislaufproblemen zu kämpfen, schien etwa auf halber Strecke zu kollabieren und fiel schließlich zurück auf seinen Rollsitz. „Das sah nicht nur auf den Fernsehbildern dramatisch aus“, sagt Sauer, 36 Jahre alt und dem Berliner Ruder Club angehörig, „sondern auch im Boot.“

Es gibt ein Video, aufgenommen an Bord des Deutschland-Achters, das diese dramatischen Szenen hautnah dokumentiert. „Chris, was ist los“, ruft Martin Sauer, als der Dorstener nicht mehr so wirklich im Takt ist mit seinen Teamkollegen. „Reagier‘ doch mal! Was ist los?“ Christopher Reinhardt reagiert nicht.

Erste Anzeichen bereits auf halber Strecke

Die ersten Anzeichen, dass womöglich etwas nicht stimmen könnte mit Reinhardt, habe er nach sechs, sieben Kilometern ausgemacht, sagt Sauer. Der 22-Jährige habe nicht mehr auf Ansagen reagiert und sich bereits zu diesem Zeitpunkt „blau gerudert“, wie es der Steuermann formuliert. „Er war nicht mehr so ganz bei sich.“

„Ich selber habe das nicht mitbekommen“, erzählt Reinhardt, der nach dem Rennen vorübergehend ins Krankenhaus gebracht worden war, später im Gespräch mit dieser Redaktion. „Aber ich muss mich immer wieder aufgerappelt haben, sodass sie dachten, es geht doch noch.“ Aber ging es das tatsächlich?

Christopher Reinhardt fängt einen Krebs

In dem Moment, in dem bei dem ein oder anderen Zuschauer aus leichten Sorgen um die Gesundheit des 22-Jährigen vielleicht doch so etwas wie Angst wurde, muss Martin Sauer eine Entscheidung treffen. Es ist der Moment, in dem Reinhardt, bereits sichtlich gezeichnet, einen Krebs fing, wie es in der Rudersprache so schön heißt.

Jetzt lesen

Ein technischer Fehler, bei dem das Ruderblatt im falschen Winkel ins Wasser getaucht wird und hängen bleibt, sodass das Boot kentern oder sogar der Ruderer aus dem Sitz geschleudert werden kann. „Die Hebelwirkung“, sagt Sauer, habe bei Reinhardt am Sonntag letzteres bewirkt.

Deutschland-Achter stellt das Rudern ein

„Als Chris plötzlich so da lag, haben wir alle sofort aufgehört“, erklärt der 36 Jahre alte Routinier. „Es ging nicht mehr ums gewinnen“, es ging darum, wie es ihm, dem Chris, geht. Und es ging darum, aufzuhören oder weiterzufahren. Reinhardt sei dann „aus eigener Kraft recht schnell wieder hoch gekommen. Aus meiner Sicht bestand also keine Gefahr“, sagt Sauer. Und so traf er die Entscheidung, dass es weitergeht.

Jetzt lesen

Zurück in den Wettkampfmodus, zurück ins Duell mit den Booten aus den Niederlanden und aus Großbritannien. „Unsere Mannschaft hat besonnen, aber auch entschlossen reagiert“, sagt Sauer. Es folgte eine große Aufholjagd, an deren Ende der Deutschland-Achter trotz der dramatischen Umstände doch noch gewann. „Ich bin wirklich stolz auf die sieben Jungs“, sagt der Steuermann.

Das sei schon eine geniale Teamleistung gewesen, meint auch Christopher Reinhardt, der alles daran setzte, seine Kräfte noch einmal zu mobiliseren, und daran scheiterte. „Wir machen Leistungssport. Dabei gehen wir an unsere Grenzen“, sagt Reinhardt.“Ich bin diesmal nicht nur vielleicht, sondern eindeutig darüber gegangen.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt