Nach Tritten gegen einen Schiedsrichter - Kreis verhängt die längste Sperre jemals

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Es ist eine Rekordstrafe. Länger ist ein Spieler im Bereich des FLVW noch nie gesperrt worden. Der Dortmunder hatte einen Schiedsrichter niedergestreckt und dann auf ihn eingetreten.

Dortmund

, 17.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kreisspruchkammer hat am Mittwochabend die Karriere eines Fußballers beendet – es sei denn, dieser möchte noch als Mittvierziger kicken. Ein Spieler des SC Osmanlispor hatte im Kreisliga-A-Spiel beim VfB Lünen den Schiedsrichter angegriffen und schwer verletzt. Das Urteil hätte höher nicht ausfallen können. Es ist die Rekordstrafe im Bereich des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW).

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Für acht Jahre sperrt die Kammer unter Vorsitz von Frank-Bernd Meyer den 36 Jahre alten Dortmunder Spieler. Vertreter des Kreisschiedsrichter-Ausschusses und des Fußballkreises Dortmund hatten zuvor diese Höchststrafe gefordert. Laut Meyer gab es acht Jahre im FLVW noch nie, einmal habe der Fußballverband Niederrhein diese Sperre verhängt.

Es war schon harter Tobak, den die Anklage und die Zeugen der Kammer präsentierten. Aber an der Richtigkeit der Aussagen gab es keinen Zweifel. Der SC Osmanlispor, der auch vor der Kammer um seinen Ruf bemüht war, habe sich sehr gut verhalten, sich von dem Täter nicht nur distanziert, sondern diesen gemeinsam mit Lünern vom verletzten Schiedsrichter entfernt gehalten. Mehrfach entschuldigte sich der um sein Image kämpfende Verein glaubhaft.

Der Angreifer geht nicht mehr ans Telefon

Dass der neue Sportdirektor Hasan Kayabasi, der in dieser Verhandlung nicht wie sonst als Beisitzer, sondern als Zeuge auftrat, bis zum Eintreffen des Rettungswagens beim Schiedsrichter in der Kabine geblieben war und anschließend dessen Frau ins Krankenhaus brachte, nahmen auch alle Seiten positiv zur Kenntnis.

Es war definitiv die Tat eines einzelnen. Der Spieler, von dem sich Osmanlispor sofort trennen wollte, ist seit diesem Tag für den Klub nicht mehr erreichbar. „Er geht nicht ans Telefon“, erklärte der Vorstand. Somit wohnte er am Mittwochabend auch nicht der Verhandlung in Brünninghausen bei.

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Was geschehen war, ist allerdings auch eindeutig. Der Schiedsrichter und der Spieler lagen schon seit Anpfiff der Partie im Clinch. Irgendwann war es dem Unparteiischen zu viel, und er zückte Gelb. Später gab er einen Handelfmeter für die Lüner. Wieder reklamierte der spätere Angreifer, was die Gelb-Rote Karte zur Folge hatte.

„Dann brannten ihm alle Sicherungen durch“

Zunächst schien es so, als wolle der Spieler anstandslos den Platz verlassen. „Dann brannten ihm alle Sicherungen durch“, sagten selbst die Osmanlispor-Vertreter. Mit einem „Hechtsprung“ und einem Tritt gegen den Brustbereich streckte er den Schiedsrichter nieder.

Selbst die herbeigeeilten Spieler und Vertreter beider Klubs konnten nicht verhindern, dass der Osmanlispor-Kicker auf den am Boden liegenden Schiedsrichter eintrat. „Unglaublich“, verschlug es selbst dem Spruchkammer-Vorsitzenden kurz die Sprache. Der damalige SCO-Coach sagte noch glaubhaft: „Ich schäme mich, hier zu sein und so über einen Spieler, der unser Trikot getragen hat, reden zu müssen.“

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Noch bewegender war die Aussage des Schiedsrichters, der sich von den körperlichen Verletzungen erholt habe, aber psychisch noch immer unter dem Angriff leide.

Die Kammer gab ihm den Wunsch mit auf den Weg, dass er die Kraft finde, weiter auf dem Platz zu stehen und sich gegebenenfalls professionelle Hilfe zu holen. Immerhin hat der Unparteiische die Gewissheit, dass er dem 36-Jährigen als Spieler nie mehr auf dem Platz begegnen wird.

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