Mengede 08/20 ist schlecht in die Saison gestartet. In einer Halbzeitpause änderte der Trainer das System - seitdem gewinnt das Team und ein Ex-Oberliga-Spieler schießt Tore am Fließband.

Dortmund

, 07.10.2019, 15:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die fußballerische Laufbahn von Aaron Vasiliou endet eigentlich im Sommer 2015. Sechs Tage dauert seine Vorbereitung bei seinem neuen Oberliga-Klub Westfalia Rhynern, dann reißt ihm zum vierten Mal das Kreuzband. Vorher hat er mit der SpVgg Erkenschwick und RW Ahlen bereits im westfälischen Oberhaus gespielt. Doch mit der erneuten Verletzung ist ihm klar: Sein Weg ist zu Ende.

Klassischer Strafraumstürmer

Der bullige Neuner, ein klassischer Strafraumstürmer, legt nun keine Bälle mehr ab, sondern wirklich die Füße hoch: „Ich habe zweieinhalb Jahre lang gar nichts mehr gemacht“, sagt der heute 28-Jährige, der zum Zeitpunkt der Verletzung allerdings erst 24 ist. Und wie das so ist bei jungen Fußballern: Irgendwann juckt es dann doch wieder.

„Ich habe eine Einladung für ein Altherren-Turnier bekommen“, erzählt Vasiliou. Es ist der Schluck, der ihn wieder zum Abhängigen gemacht: „Da habe ich Blut geleckt.“ Eineinhalb Jahre spielt er daraufhin in der Kreisliga für die Sportfreunde Nette, ist daraufhin einer der ganz wenigen Fußballer, der in seinem Profil bei Transfermarkt.de von „Karriereende“ zu einem neuen Verein gewechselt ist, „aber wenn ich was mache, dann soll das auch professionell ablaufen.“ Heißt: In Nette war das bald nicht mehr der Fall.

Wege im Westen sind kurz

Da trifft es sich gut, dass die Wege im Dortmunder Westen kurz sind, vier Minuten dauert es vom Sportplatz in Nette in den Mengeder Volksgarten zur Spielstätte von Mengede 08/20, wo sein Vater Panagiotis, den dort alle nur Pit nennen, jede Woche ohnehin am Platz steht - sowohl bei der zweiten, als auch bei der ersten Mannschaft.

„Mein Vater ist Ur-Mengeder, der hat noch vor der Fusion da gespielt“, erzählt Vasiliou, der jüngere. Und weil das so ist, fällt es ihm nach der Kontaktaufnahme aus Mengede auch nicht schwer, den Sprung eine Liga höher noch einmal zu wagen.

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Im Winter 2019 war das, schon da gehört er zum Mengeder Kader und erzielt auch bereits fünf Treffer: „Die Rückrunde war schon sehr gut“, sagt Vasiliou, obwohl die letzten drei Spiele alle verloren gingen und die Mengeder am Ende nur auf Rang acht einliefen: „Ohne Verletzungen am Ende wären wir wahrscheinlich Fünfter geworden.“

Sorgen um Mengede und Vasiliou

Zu Beginn der aktuellen Spielzeit musste man sich dann allerdings fast ein bisschen Sorgen machen um Mengede und Vasiliou, die beide ja früher mal höher gespielt hatten und nun in die Bezirksliga-Saison zu taumeln schienen. 0:6 ging die Elf von Trainer Tobias Vößing bei Aufsteiger Germania unter, zwei Wochen später hieß es 1:5 beim VfR Sölde und wieder zwei Wochen später 0:4 in Mühlhausen. Zwar traf Vasiliou zwischendurch beim 3:0 gegen Holzwickede und erzielte auch das eine Tor in Sölde, „aber danach war erstmal Flaute - und ich hatte einen Vertrag mit dem Aluminium abgeschlossen“, sagt Vasiliou.

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„Er hat wirklich in den ersten Spielen gefühlt 25 Mal Pfosten und Latte getroffen“, bestätigt Vößing, „aber uns war klar: Wenn er einmal trifft, dann läuft‘s.“ Und wie es läuft. Doppelpack beim 3:1 gegen Kemminghausen, Doppelpack beim 5:2 gegen Hannibal im Kreispokal, Doppelpack beim 4:1 gegen Wethmar: „Der Knoten ist endlich geplatzt“, sagt Vößing, der Vasiliou als „einen der Topstürmer der Liga“ bezeichnet.

Systemumstellung entscheidend

Dass dieser nun so zur Geltung kommt, liegt auch an einer Systemumstellung in der Halbzeit des Spiels gegen Mühlhausen. Da lag Mengede mit 0:1 zurück und entschied sich fortan, vorne draufzugehen und offensiv auf eine Dreierkette umzustellen, die defensiv zu einer Fünferkette wird: „Da waren wir plötzlich völlig dominant. Wir verlieren das Spiel viel zu hoch. Aber seitdem läuft es überragend.“

Vier Siege, ein Unentschieden, das ist die Pflichtspielbilanz seitdem: „Wir haben gesehen, dass uns das liegt“, sagt Vasiliou über die neue Spielweise, die ihm natürlich auch zugute kommt. Sechs Liga-Treffer stehen nun schon auf seinem Konter, einer mehr als in der Rückrunde der vergangenen Saison: „Ich sage nicht nein, wenn es so weitergeht“, lacht Vasiliou, betont aber: „Es ist mir wirklich relativ egal, wer die Tore schießt, solange die Punkte am Ende bei uns bleiben.“

Knie machen keine Probleme

Seine Knie lassen ihn in Ruhe: „Ich habe zum Glück keine Probleme“, sagt Vasiliou, der zugibt, dass er manchmal auch nicht trainieren kann, weil er beruflich zu eingespannt ist. Montags merkt er dann manchmal seine Beine. Doch ein bisschen macht er nun auch mit seiner Erfahrung: „Natürlich renne ich auch nicht mehr in jeden Ball.“ Er nimmt nur noch die, die er bekommt - und die macht er dann halt rein.

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