NADA klagt gegen einjährige Schöber-Sperre

Schwimmen

Eigentlich hatte der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) den „Fall Sonja Schöber“ am 29. April 2010 zu den Akten gelegt, doch nun werden die Aktendeckel überraschend wieder geöffnet.

DORTMUND

von Von Petra Nachtigäller

, 23.09.2010, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
NADA klagt gegen einjährige Schöber-Sperre

Sonja Schöber möchte schnellstmöglichst wieder ins Wettkampfbecken steigen.

„Offenbar war der NADA die von unserer eigenen Sportsgerichtsbarkeit verhängte Sperre von einem Jahr zu gering, da sie für Dopingvergehen eine Mindeststrafe von zwei Jahren vorsieht“, erklärte Anselm Oehlschlägel, Vize-Präsident Recht und Anti-Doping-Beauftragter im Schwimmverband. Der Fall stellt sich wie folgt dar: Bei Sonja Schöber, Olympia-Teilnehmerin von 2008, waren im Sommer 2009 während einer Trainingskontrolle auffällige Testosteron-Werte festgestellt worden, auch eine zweite Kontrolle innerhalb von drei Monaten ergab einen erhöhten Testosteron- bzw. Epi-Testosteronwert.

„Faktisch sind das zwei Verstöße, aber es wird von uns wie ein Vorfall behandelt, weil die Athletin zum Zeitpunkt der zweiten Kontrolle noch nicht das Ergebnis der ersten Probe kannte“, sagte der DSV-Jurist. Die NADA hingegen gehe von zwei Vorgängen aus. Schöber, deutsche Meisterin von 2007 über 100 Meter Brust, hatte nach Bekanntwerden der Werte im November 2009 ihre Unschuld beteuert: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich werde seit zwölf Jahren regelmäßig untersucht. Noch nie hat es bei mir Auffälligkeiten gegeben“. Als Erklärung führte sie einen seit Jahren gestörten Hormon-Haushalt an und äußerte die Vermutung, verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel hätten zu den Werten außerhalb der Norm geführt. Die 24-Jährige verzichtete damals auf die Öffnung der B-Probe und nahm den Spruch des DSV-Schiedsgerichtes an.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Angelegenheit und dem Beginn des verbandsinternen Ermittlungsverfahrens hatte der DSV betont, es handele sich um keinen Dopingfall. Der Form halber erstattete der Verband bei der Staatsanwaltschaft Dortmund Anzeige gegen die Studentin wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. „Das Verfahren wurde am 30. August 2010 eingestellt, eine Verurteilungs-Wahrscheinlichkeit ist nach unseren Ermittlungen nicht gegeben“, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dieser Zeitung. Sollte vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS die einjährige Sperre des DSV gegen Schöber in eine zweijährige Zwangspause umgewandelt werden, müsste die Schwimmerin, so will es das Reglement des Internationalen Olympischen Komitees, alle künftigen Olympia-Träume begraben.

Übrig bleiben würden eine zerstörte Karriere und mehr Fragen als Antworten, denn der nach monatelangen Ermittlungen erstellte 107-seitige Untersuchungsbericht enthält zwar Indizien, aber keinen dezidierten medizinischen Befund. Die CAS hat nun das Wort. 

Lesen Sie jetzt