Nahe an der Sensation

Sie drohten abgeschossen zu werden, dann kämpften sich die Handball-Frauen des BVB gestern Abend bravourös zurück ins Spiel und boten dem Deutschen Meister über 60 Minuten die Stirn. Leider reichte es am Ende nicht ganz.

10.03.2010, 22:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das 27:30 (13:13) vor 500 Zuschauern in Wellinghofen wird in den Geschichtsbüchern des HC Leipzig keine großartige Erwähnung finden. Borussia Dortmund aber durfte sehr wohl stolz sein nach einer Niederlage, die die Chancen auf den Klassenerhalt auf ein Minimum reduzierte. "Kompliment für den Riesenkampf", meinte Trainer Gustl Wilke, der so erschöpft war wie sein Team. Zuvor hatte er seinem Unmut über ein schwaches Schiedsrichter-Gespann Luft gemacht, das ohne Linie pfiff und mit der Regelauslegung große Probleme hatte. "Zwischendurch", so Wilke, "hatte ich das Gefühl, die Leipziger hätten die beiden mit nach Dortmund gebracht."

Ausschließlich daran konnte man die Niederlage aber nicht festmachen. 12:5 führte der Gast nach 17 Minuten, da steuerte der BVB einem Debakel entgegen - Leipzig bestrafte in dieser Phase konsequent das zaghafte und wenig koordinierte Dortmunder Abwehrverhalten. Riesengroß waren die Löcher in der Deckung, besonders über Rechtsaußen Mette Ommundsen enteilte der HCL mit Lichtgeschwindigkeit.

Warum genau beim Gast dann der Faden riss, wird wohl ein Geheimnis der Leipzig-Sieben bleiben - bemerkenswert aber, dass der BVB die sich plötzlich bietenden Chancen nutzte, Tor um Tor aufholte, aus drei Überzahlsituationen fünf Treffer erzielte und kurz vor der Pause plötzlich führte (13:12). Leipzig blieb elf Minuten ohne Feldtor und musste sich in der Kabine erst einmal sammeln.

Kowalska gibt alles

Weil der Gast einige Stars in dieser Phase schonte und Dortmund auf der anderen Seite ohne die doch nicht spielfähige Zuzana Porvaznikova im Rückraum rechts wirkungslos blieb, war aber auch klar, dass es ganz schwere zweite 30 Minuten werden würden.

Und so reichte es zur ganz großen Sensation dann auch nicht, obwohl die nicht zu stoppende Dagmara Kowalska alles in die Waagschale warf, sich die beiden Torfrauen Inge Roelofs und Isabell Roch in einen Rausch spielten und Dortmund streckenweise auch spielerisch zu überzeugen wusste.

Unglaubliche 13 Tore der Polin und fünf von Tessa Cocx am Kreis hielten Dortmund im Spiel, leider aber traf Kowalska vom Siebenmeterpunkt nicht, als der BVB auf zwei Tore hätte herankommen können (52.). Das war die Vorentscheidung. Dirk Krampe

BVB: Roelofs, Roch - Kowalska (13/2), Cocx (5), Kramer, Paulus, Kunze (je 2), Schäfer, Busch, Scholl (je 1), Koopmann, Köhler

Lesen Sie jetzt