Neue Normalität für Boyamba: Videotagebuch und ein sorgenvoller Blick

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Das Coronavirus wirkt sich auch auf die U23 von Borussia Dortmund aus. Coach Mike Tullberg ließ sich für seine Akteure eine spezielle Aufgabe einfallen. Darüber spricht Joseph Boyamba mit uns.

Dortmund

, 21.04.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer seine Familie, seine Freunde oder seine Kollegen längere Zeit nicht unmittelbar um sich haben kann – und das ist in der aktuellen Corona-bedingten Distanzzeit nur allzu häufig der Fall –, der sucht sich irgendwann seine Wege. So auch Dortmunds U23-Belegschaft, die seit mehr als fünf Wochen nicht mehr aufeinandergetroffen ist und im Gegensatz zu den Profis noch nicht wieder auf dem Rasen trainiert.

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Am freitäglichen 13. März übten die Borussen letztmals gemeinsam in Brackel. Seither harren sie der Dinge, schuften in Einzelarbeit – und halten sich in der teaminternen WhatsApp-Gruppe auf dem Laufenden.

„Kleine Challenge“ bei BVB-Amateuren

Coach Mike Tullberg machte sich Gedanken, wie das am produktivsten und gleichfalls freudvollsten klappen könnte. Er entschied, eine „kleine Challenge“ zu eröffnen, wie Joseph Boyamba dieser Redaktion sagt. Jeder, so schildert es der 23-Jährige, solle in den Chat „mal ein Video hochladen, in dem er von seinem Tag erzählt.“

Manche seiner Mitspieler bauten „schauspielerische Einlagen ein“, andere erzählten schlicht, was bei ihnen passiert sei. Und am Ende werde stets derjenige Kollege nominiert, der als nächstes sein Tagesfazit teilen müsse.

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Es ist also quasi ein Videotagebuch, in dem jeder sein Kapitel hat. Einerseits sei diese von Tullberg erdachte Idee „spaßig“, sagt Boyamba. Andererseits indes führe sie ebenso wie die ohnehin täglich stattfindenden Anrufe mit den engsten Teamkameraden dazu, dass das eigene Wohlbefinden besser sei.

„Ich glaube, dass tut auch dem Kopf ganz gut“, sagt der Kapitän. „Dann merkt man, dass man nicht alleine ist.“ Und habe ein wenig Abwechslung in dieser „etwas gewöhnungsbedürftigen Zeit.“

Viel Zeit zuhause

Vor allem zu Beginn der Zwangspause wegen Covid-19 sei es ungewohnt gewesen, „aufzustehen und dann nicht zum Trainingsgelände zu fahren.“ Meist, stellt Boyamba wenig überraschend klar, sei er aktuell zuhause. Und sicher, da gebe es „doch einige Sachen, die man machen kann, auch im Haushalt.“

An die frische Luft allerdings geht der hauptberufliche Stürmer höchstens mal mit seiner Freundin. Oder er dreht seine vom Trainerteam vorgegebenen Runden, um nicht an Kraft und Fitness zu verlieren, wenn der Regionalliga-Betrieb dann doch irgendwann wieder starten sollte.

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Boyambas tägliche Arbeit findet demnach nur teilweise zuhause statt. Alexander Ulbricht, seinerseits U23-Athletiktrainer, stellt für jede Woche den Trainingsplan zusammen. An einigen Tagen führt er dann ein Videotelefonat mit den Spielern, die unter seiner Aufsicht in den eigenen vier Wänden Stabilitäts- oder Kraftübungen absolvieren. Und an anderen betätigen sich Boyamba und Co. vollkommen alleine, machen mal längere, mal kürzere Läufe, zum Beispiel Tausend-Meter-Sprints.

Intensive Einheiten

„Klar, du bist nach so einem Training aus der Puste. Und es ist natürlich etwas anderes, als das normale Mannschaftstraining auf dem Rasen. Aber es ist natürlich sehr wichtig“, bilanziert Boyamba, der „zuversichtlich ist, dass wir die Situation bald beenden können.“ Den Lockdown, oder zumindest die Fußballpause.

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Pflichtmäßig stand er zuletzt am 8. März auf dem Rasen, bei der 0:2-Niederlage gegen Tabellenführer SV Rödinghausen. Schon zu dieser Zeit hatte das Coronavirus seinen Weg nach Deutschland gefunden, es gab die ersten Infektionen. So präsent wie heute allerdings war es längst nicht. „Am Anfang habe ich das Thema nicht so ernst genommen“, gibt Boyamba zu.

„Uns wurde gesagt, dass wir ein wenig aufpassen sollen. Wir haben uns mehrmals die Hände vor dem Training desinfiziert, haben die Handshakes reduziert. Trotzdem hätte ich diese Entwicklung nicht erwartet. Es ist eine sehr, sehr außergewöhnliche Situation.“

„Haben genug medizinische Abteilungen“

Noch deutlicher und greifbarer für ihn werde sie, wenn er sich mit Teamkollegen aus dem Ausland unterhalte, mit dem Spanier Jose Relucio oder Gianluca Rizzo, der italienische Wurzeln hat. Wie stark das Coronavirus dort ausgeprägt sei und wie viele Opfer es fordere, zeige nur noch einmal, „dass wir uns in Deutschland zumindest teilweise glücklich schätzen können. Wir haben genug medizinische Abteilungen und eine gute Infrastruktur.“

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Während Kollege Taylan Duman das Virus kürzlich in einem Instagram-Beitrag bagatellisierte und damit intern für reichlich Aufruhr sorgte, meint Boyamba: „Mit der Zeit habe ich schon gemerkt, dass damit nicht zu spaßen ist.“

Besondere Maßnahmen

Natürlich sei es deshalb wichtig, „professionell“ zu bleiben und sich an die vorgegebenen Regeln zu halten. Seine Familie, seine Freunde und seine Kollegen würde er zwar gern mal wieder ausgiebig im echten Leben sehen. Doch besondere Zeiten erforderten häufig besondere Maßnahmen.

Und es gibt ja immer noch die Möglichkeit, virtuell vorbeizuschauen. Per Videotelefonat oder -tagebuch.

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