Neuzugänge Tim Dudda und Hendrik Brauer im Interview: „Es macht Bock, Verantwortung zu übernehmen.“

rnFC Brünninghausen

Tim Dudda und Hendrik Brauer sind beide auf dem Fußballplatz aufgewachsen und wollen da auch nie wieder weg. Vor ihrem Heimspieldebüt für den FC Brünninghausen trafen wir sie zum Gespräch über Verantwortung, Druck und Kartenspiele.

Dortmund

, 17.08.2018 / Lesedauer: 7 min

Der Start war überragend. Während beim 3:0 gegen Gütersloh vorne wie gewohnt Arif Et und Florian Gondrum wirbelten, hielten hinten auch zwei Neuzugänge den Laden des FC Brünninghausen zusammen. Tim Dudda (24) und Hendrik Brauer (22) haben schon in frühen Jahren gelernt, Verantwortung zu übernehmen.

Hendrik Brauer, Sie waren in Paderborns U23 Kapitän, Tim Dudda, Sie wurden in Sprockhövel schon mit 21 Jahren als Routinier bezeichnet. Liegt das in Ihrem Naturell?

Dudda: Bei mir bringt es die Position als Sechser schon mit sich, ich war es aus der Jugend auch gewöhnt. Bei Sprockhövel musste ich früh Vorbild sein, weil es eine sehr junge Mannschaft war. Mir gefällt das. Ich weiß, dass ich ein ganz guter Fußballer bin und dass sich junge Spieler etwas bei mir abschauen.

Brauer: Ich habe früh gelernt, dass man sich nicht verstecken und die anderen mitziehen sollte. Erst in Paderborn, wo ich als jüngerer Jahrgang immer bei den älteren mitgespielt habe und danach im BVB-Internat, wo man auch mal die Ellenbogen ausfahren musste. Dazu kommt die Position als Innenverteidiger, wo du alles vor dir hast und steuern kannst. Mir macht das Bock, Verantwortung zu übernehmen.

Kann man Verantwortung lernen?

Dudda: Ich glaube, man muss schon ein stückweit dafür geboren sein und vor allem ein lauterer Charakter, der die Ansagen macht.


War es Ihnen in den Gesprächen vor der Verpflichtung bewusst, dass Sie diese Rolle auch in Brünninghausen übernehmen würden?

Dudda: Ich wusste, dass ein Umbruch stattfinden würde und dass der Trainer mich dafür mit meiner Oberliga-Erfahrung auch haben wollte.

Sie haben seit der B-Jugend in Sprockhövel gespielt. Wollten Sie jetzt bewusst mal eine Veränderung?

Dudda: Ich bin generell nicht so der Typ für Vereinswechsel und habe auch lange überlegt. Brünninghausen wollte mich schon im Winter, da war ich aber noch nicht bereit. Jetzt sind meine besten Freunde Felix Gremme und Adrian Wasilewski auch aus Sprockhövel weggegangen, da kam also Vieles zusammen, dass ich was Neues wollte.


Herr Brauer, Sie sind vergangene Saison mit dem SV Lippstadt in die Regionalliga aufgestiegen. Warum jetzt der Schritt nach Brünninghausen?

Brauer: Ich bin da zwar auf 24 Spiele gekommen, hatte aber nicht mehr das Gefühl, dass ich auch in der Regionalliga zu den Stammspielern gezählt hätte. Ich hab mich dann halt umgeschaut und da ich mein Abitur in Dortmund gemacht habe und meine Freundin hier wohnt, lag es nahe. Der Coach kannte mich auch schon durch seinen Bruder und ich hatte schnell das Gefühl, dass er mich wirklich haben möchte und ich hier eine gute Rolle spielen kann.

Und ein bisschen Geld gibts in Brünninghausen ja auch...

Brauer: Spielen ist wichtiger, ans Geld verdienen kann man denken, wenn man mal ein Kind zu Hause hat. Mir ist es wichtiger, zu spielen, als in der Regionalliga für zwei Minuten ständig hin und herzufahren. Das bringt mir nicht viel.

Die Entscheidung, nach Brünninghausen zu wechseln, habt ihr also nicht bereut?

Brauer: Auf keinen Fall! Es macht wirklich viel Bock, wir hocken auch nach dem Training noch viel zusammen.

Wird dann eher Skat oder schon Fortnite auf der Playstation gespielt?

Dudda: Ich zumindest kann mich noch zu den Leuten zählen, die auch gerne mal Skat spielen. Klar, spiele ich auch Konsole, aber auf Mannschaftsabenden sitzen wir schon eher bei einer Cola zusammen.

Brauer: Also Fortnite spielen wir wohl alle. Aber ich bin auch für eine Runde Doppelkopf zu haben.

Tim Dudda ist auf dem Fußballplatz aufgewachsen, sein Vater hat ihn immer mitgenommen. Wie war das bei Ihnen, Herr Brauer?

Brauer: Mein Vater hat mich mit meiner Geburt bei den Sportfreunden Blau-Weiß Paderborn angemeldet. Wir haben eine Minute von deren Platz entfernt gewohnt. Ich bin heute noch regelmäßig da und schau bei den Kreisliga-Spielen zu. Ich bin also schon immer auf dem Fußballplatz und will da auch nicht mehr wieder weg.


Gibt es Unterschiede zwischen dem Paderborner, Sprockhöveler und dem Dortmunder Amateurfußball?

Dudda: Wenn man von Sprockhövel nach Dortmund guckt, ist das schon ein Kulturschock. Sprockhövel ist eher ländlich gelegen, Dortmund ist eine fußballverrückte Stadt, man fährt täglich am Stadion vorbei, das ist auf jeden Fall was anderes. Aber auf dem Platz ist das kein großer Unterschied, da hat Fußball für mich schon immer einen großen Stellenwert gehabt.

Brauer: Ich habe ja schon drei Jahre hier gelebt und bin froh, wieder hier zu sein. Ich fühle mich hier richtig wohl.

Wie haben Sie die Vorbereitung erlebt? Es ging ja mit dem 2:2 gegen den VfL Bochum direkt gut los...

Dudda: Das war direkt ein guter Start, das hat Selbstvertrauen gegeben und die Stimmung sehr gut nach oben gebracht. Das Trainingslager hat dann sein übriges hinzugetan. Gut, das 1:5 gegen Meinerzhagen war dann nicht ohne...

Brauer: ...wobei ich das gar nicht so schlecht fand, weil sowas auch mal dazu gehört...

Dudda: ...ja, lieber da auf den Deckel bekommen als in der Liga. Aber alles in allem war die Vorbereitung sehr angenehm. In Sprockhövel war das anders, da wurde sehr viel Wert auf Laufeinheiten gelegt, dieses Jahr haben wir uns die Kondition über das Spielerische geholt.

War das auch wichtig für euch, um euch gleich richtig in die Mannschaft einzufügen?

Brauer: Ich fand auch, dass man nicht viel besser hätte starten können als mit dem 2:2. Da konnten wir Neue uns direkt zeigen.

Dudda: Es ist nach einem Vereinswechsel echt wichtig, zu zeigen, was man kann, damit die Mannschaft und der Trainer auch bei einem schwächeren Spiel weiß, dass das nicht die Regel ist.

Brauer: Ich bin auch einer, der egal ob es gegen einen B-Ligisten im Kreispokal oder gegen einen Bundesligisten geht, immer 100 Prozent gibt.

Jetzt gibt es ein paar Eigenheiten in Dortmund, den Hecker-Cup in der Vorbereitung zum Beispiel...

Brauer: So ein Vorbereitungsturnier mit solchen Teams – viel besser kannst du dich nicht vorbereiten. Zwei Wochen auf einem schönen Rasenplatz bei solch einer Kulisse: Das hat schon Bock gemacht!

...und die Hallenfußball-Stadtmeisterschaften im Winter...

Dudda: Ich habe schon immer gerne in der Halle gespielt. In Sprockhövel war es leider nur ein kleines Turnier, deshalb freue ich mich echt auf den Winter. Klar, man muss ein bisschen auf die Knochen aufpassen.

Brauer: Ich bin gespannt! Ich war schon ein, zwei mal zugucken und fand die Atmosphäre überragend. Ob ich dann spiele, mal schauen, ich hab oft Bänderprobleme.

Was für ein Trainer ist Alen Terzic?

Dudda: Er legt sehr viel Wert auf spielerische Elemente. Das merkt man im Training, wir haben sehr viel mit dem Ball gemacht. Außerdem ist er ein junger Trainer, womit ich sehr gut zurecht komme, ist taktisch immer auf dem neuesten Stand und will sich weiterentwickeln. Das ist für mich als Spieler auch wichtig, wenn ich sehe: Der Trainer ist immer noch hungrig.

Kommt es Ihnen auch entgegen, dass er so detailverliebt ist?

Brauer: Auf jeden Fall, ich merke besonders, dass das, was wir in der BVB-Jugend gespielt haben, also Gegenpressing, schnell den Ball wiederholen, sofort umschalten, dass er diese Dinge von uns unbedingt sehen will. Mir kommt das entgegen, vor allem weil ich dann hinten weniger zu tun habe, wenn wir vorne den Ball sofort wieder gewinnen (lacht).

Habt ihr trotzdem noch viele Freiheiten auf dem Platz?

Dudda: Fußball ist ein Sport, bei dem man alles im Kopf selber entscheiden muss. Da kann man noch so viel vorher genannt bekommen haben, man muss es am Ende selbst entscheiden. Es ist deshalb gut, wenn man ein paar Dinge an der Hand hat. Ich weiß, wie der Trainer spielen will, da tue ich dann meinen Senf noch mit dazu und meistens klappt es dann.

Brauer: Gegen Gütersloh hatten wir einen Plan, der gut funktioniert hat. Aber es gibt immer wieder auf Situationen, die man vorher nicht planen kann. Er gibt uns Möglichkeiten mit auf den Weg, die immer zum Gegner passen. Aber wir füllen das dann mit Leben.

Wie viele Pläne gibt er euch mit? A, B und C?

Dudda: Ja, auf jeden Fall. Wir hatten eine intensive Analyse vor dem Gütersloh-Spiel, da hat er uns gezeigt, wie Gütersloh spielt und Lösungen vorgestellt. Klar ist das im Spiel dann immer nochmal etwas anderes. Aber man hat schon gemerkt, dass die Sachen, die er uns gezeigt hat, dann auch eingetreten sind.

Der Trainer hat auch gesagt, Brünninghausen steckt im Umbruch. Wie viel Qualität steckt denn in der Mannschaft?

Dudda: Ich glaube, wir haben eine gute Mischung in der Truppe. Es gibt keinen, der komplett qualitativ ausreißt, das ist auch wichtig. Zudem haben wir viele Leute dabei, die dafür sorgen, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Deshalb glaube ich, dass wir schon eine gute Chance haben, eine gute Rolle zu spielen und sehr früh den Klassenerhalt zu schaffen.

Wie früh wollt ihr ihn schaffen?

Dudda: Ja, am Besten so früh wie möglich, weil man dann befreit aufspielen kann und vielleicht den letzten Schub nochmal mitnimmt.

Brauer: Den Klassenerhalt zu schaffen, ist besonders in dieser Liga nicht so einfach. Das ist so im positiven Sinne wild, was da für Vereine rumlaufen. Klar, wir sind eine gute Truppe, fußballerisch und menschlich, aber es ist trotz des guten Starts schwer einzuschätzen, wo wir stehen.

Ist es also richtig, vor der Saison tief zu stapeln?

Dudda: Ja, Schalkes U23 ist doch das beste Beispiel. Vor der Saison wollten die unbedingt hoch. Was ist bei rumgekommen? Gar nichts! Ich finde die Herangehensweise deshalb angenehmer fürs Team, es wird kein zu großer Druck aufgebaut, man kann befreit aufspielen und wenn man den Klassenerhalt früher schafft: Umso besser.

Jetzt geht es gegen Ahlen. Hat der neue Torwart, Azmir Alisic, der aus Ahlen gewechselt ist, schon aus dem Nähkästchen geplaudert?

Dudda: Nein, er ist ja auch noch nicht so lange dabei, aber der Trainer wird bestimmt nochmal mit ihm sprechen.

Wie schätzt ihr den Gegner ein?

Dudda: Sicher stärker als Gütersloh. Die haben allerdings auch viele Neue dazubekommen, sodass man nicht so richtig weiß, was da jetzt kommt.

Brauer: In unserem ersten Heimspiel wollen wir aber auf jeden Fall die drei Punkte behalten.

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