Niklas Geske ackert für die Bundesliga-Vorbereitung

Basketball

Direkt um die Ecke relaxen Sonnenanbeter am Kanal. Der Dortmunder Basketball-Profi Niklas Geske (23) hingegen ackert bei 30 Grad Celsius in einem Fitness-Studio in Mengede, macht sich fit für die anstehende Bundesliga-Saison bei den MHP RIESEN Ludwigsburg. Marcel Schürmann hat mit ihm über seine Vorbereitung gesprochen.

Dortmund

von Von Marcel Schürmann

, 27.07.2017, 13:11 Uhr / Lesedauer: 4 min
Niklas Geske ackert für die Bundesliga-Vorbereitung

Ohne Schweiß und Fleiß kein Preis: Niklas Geske bereitet sich gerade in Dortmund und Hagen auf seine neue Aufgabe beim Erstligisten in Ludwigsburg vor. Der Spielmacher trainiert Basketball-spezifisch bei B2B-Performance in Mengede.

Herr Geske, Sie haben mit 23 Jahren schon ordentlich Bundesliga-Erfahrung gesammelt. Wie sind Sie damals ans Basketballspielen geraten, und wann war absehbar, dass es für Sie zum Profi reichen würde?

Ich habe bereits mit sechs Jahren angefangen, Basketball zu spielen. Mein Vater war damals Jugendtrainer bei meinem Heimatverein TVE Barop. Es ist gar nicht so leicht zu sagen, wann es absehbar war, dass ich Profi werde, da es im Basketball nicht so viele schaffen. In meinen Teams war ich immer einer der besten Spieler. Aber inwieweit es dann wirklich klappt, ist immer schwer vorherzusagen.

Nach Ihrem Abitur erhielten Sie schließlich Ihren ersten Profivertrag bei Phoenix Hagen…

Ich bin damals beim SVD Dortmund im Junioren- und Seniorenbereich an meine Grenzen gestoßen, es gab keine Perspektive für mich. Hagen war zu der Zeit noch Erstligist, und ich kannte auch viele Leute im Klub, daher war der Schritt für mich, nach Hagen zu wechseln, naheliegend.

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Wie aufgeregt waren Sie vor Ihrem Debüt als Profispieler?

Extrem nervös – das kann man gar nicht bestreiten. Die Hände haben gezittert, als mein Name das erste Mal aufgerufen wurde. Da kribbelt es am ganzen Körper. Man braucht schon zwei, drei Spiele, bis man ein wenig Routine entwickelt hat und der Mannschaft wirklich helfen kann. Die ersten Partien sind schwierig, auch mental, da es eine Riesenumstellung ist, plötzlich vor so vielen Zuschauern zu spielen.

Sie spielten zwei Jahre für Hagen. Was sagen Sie zur Insolvenz und dem Zwangsabstieg ihres Ex-Klubs?

Die Entwicklung ist sehr traurig, weil die Region extrem basketballbegeistert ist. Aktuell läuft für Hagen der Neustart in der 2. Liga. Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass es für den Verein relativ schnell wieder in die 1. Liga geht.

Das Kapitel Phoenix Hagen haben Sie abgeschlossen und sind für ein Jahr nach Vechta gegangen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und was waren die Beweggründe den Verein nach nur einem Jahr wieder zu verlassen?

Ich wollte einfach mal ein neues Umfeld kennenlernen und so war es für mich an der Zeit, Hagen zu verlassen. Die Entscheidung fiel mir wirklich schwer. Sportlich hat es leider nicht so gepasst. In Vechta war der Anspruch vor der Saison bei allen sehr hoch. Bei mir, beim Team, bei den Verantwortlichen. Nach dem Abstieg war es für mich dann an der Zeit für einen Neustart. Und ich wollte definitiv weiter in der 1. Liga spielen. Nun versuche ich mein Glück in Ludwigsburg.

Ludwigsburg hatte eine gute letzte Saison, wurde Achter und hat sich für die Playoffs qualifiziert. Was sind die Ziele für die kommende Saison, und wer sind für Sie die Favoriten in der Liga?

Wie immer gehören Bamberg und Bayern zu den heißesten Favoriten. Auch Ulm traue ich in dieser Saison wieder eine gute Rolle zu. Ansonsten sind es die üblichen Verdächtigen: Berlin, Oldenburg. Ludwigsburg ist definitiv etabliert in der Liga. Nächstes Jahr wollen wir mindestens wieder um die Playoffs spielen und mal sehen, ob wir auch die größeren Teams ein wenig ärgern können. Natürlich wollen wir auch international eine gute Saison spielen.

Auf internationaler Ebene haben Sie bislang noch kein Spiel bestritten. Demnächst steht für Ludwigsburg die Qualifikation für die Champions League an. Wie groß ist die Vorfreude auf diesen Wettbewerb?

Ziemlich groß. Das ist etwas komplett anderes, wenn man in andere Länder kommt. Da ist die Stimmung oft sehr hitzig. Ich bin sehr gespannt. Im Endeffekt ist es aber auch nur ein Basketballspiel, und aus meinen zwei Jahren in der A2-Nationalmannschaft kenne ich das ja auch schon ein bisschen.

Mit dem US-Amerikaner Michael Frazier hat Ludwigsburg einen weiteren Aufbauspieler verpflichtet, der auf der gleichen Position wie Sie spielt. Gibt es jetzt einen Konkurrenzkampf um Ihre Position?

Was heißt Konkurrenz? Im Endeffekt spielen wir in einem Team. Unser Ziel ist es, gemeinsam Spiele zu gewinnen. Im Basketball wird ja auch weitaus häufiger gewechselt als im Fußball. Ich denke also schon, dass ich regelmäßig Einsatzzeiten erhalten werde.

Am 8. August beginnt die Vorbereitung mit Ludwigsburg. Wie halten Sie sich bis dahin fit?

Zurzeit halte ich mich mit einem Freund aus Hagen fit, Fabian Bleck, der für Bremerhaven spielt. Wir machen jeden Morgen Krafttraining hier in Mengede in einem auf Basketball ausgerichteten Fitnessstudio. Dann geht‘s abends noch nach Hagen in die Halle für ein Individualtraining. Insgesamt trainiere ich also jeden Tag bis zu vier Stunden. Sonntag ist Ruhetag.

Haben Sie einen Personal Trainer?

Ja, Björn Wienhold begleitet mein Training als Personal Trainer. Er bietet eine weitere Perspektive wie man Muskelverletzungen reduzieren und das Krafttraining verbessern kann. Die Möglichkeiten sind hier zudem besser, als in gewöhnlichen Fitnessstudios. Zum Beispiel gibt es hier viele Druckluftgeräte, bei denen es darum geht, möglichst explosiv aus den Positionen herauszukommen, es ist alles ein bisschen funktioneller. Zudem wird man öfter durchgetestet als in normalen Studios. Und so kann ich auch gezielter an meinen Stärken und Schwächen arbeiten.

Wie verläuft das Training mit Ball in der Halle?

Das Individualtraining absolviere ich in Hagen. Da habe ich immer noch einen guten Draht zum Verein. Ich kenne auch den Trainer, der die Mannschaft jetzt übernimmt. Ich bin sehr dankbar, dass ich da mittrainieren kann. Es trainiert ja jeder für sich, der Trainer gibt Dribblings-, Wurf- und Koordinationsübungen vor.

Ansonsten ist es sicherlich schwierig, privat in einer Halle zu trainieren. Waren Sie daher häufig auch auf Schulhöfen oder Spielplätzen?

Ich bin nicht der begabteste „Draußen-Spieler“. Die Halle liegt mir schon eher. Aber die Hallensituation ist hier in Dortmund alles andere als entspannt. Der Clou an der Sache ist: Meine Mutter ist Grundschullehrerin. Manchmal stibitze ich den Hallenschlüssel und kann alleine für mich trainieren (lacht). Aber es ist natürlich besser, wenn ein Trainer mit dabei ist, der einem Feedback gibt, sodass man sich verbessern kann.

Niklas Geske wurde am 13. April 1994 in Dortmund geboren. Mit sechs Jahren fing er beim TVE Barop mit dem Basketballspielen an. Mit 16 Jahren startete er seine Seniorenkarriere beim SVD 49 Dortmund.
Nachdem er zwei Jahre in Serie mit der Nachwuchs-Mannschaft von Phoenix Hagen das Final-Four der vier besten Nachwuchs-Teams erreichte, spielte er für zwei Jahre bei den Profis in Hagen und zuletzt für eine Saison beim SC Rasta Vechta.

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