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Wer als Fußball-Trainer hoch hinaus möchte, muss entsprechende Lizenzierungen vorweisen können. Und das längst nicht nur im Seniorenbereich.

Dortmund

, 28.11.2018 / Lesedauer: 5 min

Schon Benjamin Franklin wusste: „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“ Was der große amerikanische Staatsmann schon im 18. Jahrhundert sagte, gilt auch heute noch. Auf der Arbeit, wie auch auf den Fußballplätzen Dortmunds. Das sieht zumindest der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) so und bietet deshalb viele verschiedene Fortbildungen für die Trainer des Kreises an. Damit einher gehen aber auch Anforderungen. Und die haben es in sich.

So ist es im Seniorenbereich vorgeschrieben, dass die Trainer, die in der Oberliga und in der Westfalenliga in der Verantwortung stehen, mindestens die B-Lizenz besitzen müssen. Für die Landesliga und die Westfalenliga der Frauen ist die C-Lizenz erforderlich. Immerhin gilt für Aufsteiger eine einjährige Übergangsfrist.

Der Wettbewerb belebt das Geschäft

Daniel Sekic vom Oberligisten ASC 09 hält diese Anforderungen für angemessen. „Meine persönliche Erfahrung ist, dass mich jede Lizenz noch einmal ein ganzes Stück nach vorne gebracht hat“, sagt der A-Lizenz-Inhaber. In die gleiche Kerbe schlägt Arthur Matlik vom Westfalenligisten BSV Schüren. Er berichtet aus seiner Zeit als Zweitligakicker, dass „man als Spieler leider immer eine andere Sicht“ auf Fußball habe. „Ich kann einen Lehrgang nur empfehlen, es erweitert den eigenen Horizont“, so Matlik, der selbst die DFB-Elite-Jugend-Lizenz besitzt. Dem 41-Jährigen ist bewusst, dass dadurch auch der Wettbewerb auf dem Trainermarkt immer stärker werde, aber das sei gut. „Wenn ich irgendwann höherklassig spielen will, muss ich auch gute, qualifizierte Trainer haben. Das ist einfach nur legitim.“

Ein wenig anders sieht dies Reza Hassani vom VfL Kemminghausen. Er bräuchte als alleinverantwortlicher Coach in der Landesliga eigentlich eine C-Lizenz, hat diese aber nicht. Da Alex Stärk und Kevin Großkreutz aus seinem Trainerteam aber entsprechend lizenziert sind, sind die Anforderungen in Kemminghausen erfüllt. „Ich finde, man muss nicht unbedingt eine Lizenz haben, um ein guter Trainer oder ein Coach vom Fach zu sein“, findet Rassani. Man könne das Wissen „auch so aufsaugen“. Dennoch seien die Forderungen des Verbandes okay, damit nicht einfach jeder den Job des Trainers machen könne. „In der Westfalenliga kann ich es verstehen, in der Oberliga sowieso. In der Landesliga finde ich es aber etwas überspitzt“, so Hassani, der sich zwar nicht vor einer Qualifizierung scheuen würde, aber als dreifacher Vater und berufstätiger Mann einfach keine Zeit dafür findet.

„Ich finde, man muss nicht unbedingt eine Lizenz haben, um ein guter Trainer oder ein Coach vom Fach zu sein.“
Reza Hassani, Trainer des VfL Kemminghausen

Noch höher sind die Anforderungen im Jugendbereich. Dort heißt es: D-Junioren-Bezirksliga ist gleichwertig mit der Senioren-Oberliga - hier ist nämlich ebenfalls eine B-Lizenz (wie auch für die A- und B-Junioren-Landesligen, der C-Junioren-Westfalenliga und -Landesligen) vonnöten, für die anderen Bezirksligen und die B-Juniorinnen reicht die C-Lizenz. In der D-Jugend „befinden wir uns im ‚goldenen Lernalter‘. Viele Spieler der D-Junioren-Bezirksliga-Mannschaften werden zusätzlich an den DFB-Stützpunkten gefördert“, erklärt der FLVW die Ausnahmestellung.

Gökhan Avci, der den TSC Eintracht Dortmund in der D-Junioren-Bezirksliga trainiert und selbst die B-Lizenz hat, steht dieser Regelung skeptisch gegenüber: „Ich finde es unangemessen“, so seine klare Aussage.

Avci hegt Zweifel

Dies liegt aber vor allem an den Inhalten. Bei der B-Lizenz lernt man „gruppentaktische Dinge. Im Großfeld. Das kann man runterbrechen, aber es ist nicht das, was ein Trainer in der D-Jugend braucht“, so Avci, der gerade dabei ist, die Jugend-Elite-Lizenz (dritthöchste Trainerstufe überhaupt) zu machen, welche noch eine Stufe höher ist, und mit der er auch in der A- und B-Junioren-Westfalenliga trainieren könnte.

Dass diese erst nach der B-Lizenz kommt, hält Avci für „paradox“. Denn vor allem bei der Jugend-Elite-Lizenz „geht es darum, wie man Jugendliche und Kinder richtig trainiert, wie man sie anpackt.“ Nach der Jugend-Elite-Lizenz kommt nur noch die A-Lizenz und der Fußball-Lehrer, mit dem dann auch alle Profiteams ab der dritten Liga trainiert werden können. Auch Niklas Nolte, der in der D-Junioren-Bezirksliga den Hombrucher SV trainiert, vertritt eine ähnliche Meinung wie Avci. „Ich glaube nicht, dass man für diese Liga, diese Lizenz braucht. Meiner Meinung nach ist es nicht so komplex, dass man unbedingt eine B-Lizenz benötigt“, so Nolte.

Nur eine Lizenz ebnet den Weg nach oben - eine Übersicht über den Trainerschein-Dschungel

Welche Lizenz braucht man, um eine bestimmte Mannschaft zu trainieren? Die Grafik gibt eine Übersicht. © DFB

Der FLVW verweist auf die Vorbildfunktion erfolgreicher Sportler. „Die überkreislich spielenden Mannschaften machen knapp fünf Prozent aller Jugendmannschaften aus“, sagt Holger Bellinghoff, der Vizepräsident Jugend des FLVW. Es wäre „wünschenswert“, wenn alle Jugendmannschaften von lizenzierten Trainern ausgebildet werden würden, Vereine mit überkreislichen Jugendmannschaften sollten da „mit gutem Beispiel vorangehen“. Klar ist aber auch, dass die Vereine oftmals froh sind, „überhaupt eine engagierte Person für die Jugendmannschaften gewinnen zu können“, so Bellinghoff.

Denn mit den Qualifizierungen ist auch ein hoher Aufwand verbunden. Gökhan Avci musste für seine Lizenz mehrmals ins SportCentrum Kaiserau, Niklas Nolte war drei Wochen lang jeweils fünf Tage beim Lehrgang, hinzu kamen zwei Tage Prüfung. „Dafür muss man dann schon den Urlaub wegplanen. Beim Arbeitgeber kann man es nicht geltend machen, auch wenn es vom DFB unterstützt ist“, so Avci.

FLVW geht neue Wege

Nicht jedem Trainer ist es einfach möglich, die Zeit für eine dieser Fortbildungen zu finden. Ein C-Lizenz-Lehrgang beinhaltet 120 Lerneinheiten inklusive Prüfung, bei der B-Lizenz sind es 140. Oft werden diese Stunden in Abendkursen absolviert.

Um die Belastung etwas zu verringern, erprobt der FLVW derzeit Online-Module, „die die Präsenzzeiten für die Ausbildungslehrgänge verkürzen“, sagt Bellinghoff und betont, dass zentrale B-Lizenz-Lehrgänge im SportCentrum Kaiserau trotz des umfangreichen Aufwandes „seit mehreren Jahren ausnahmslos ausgebucht“ seien.

Hinzu kommen die nicht unerheblichen Kosten. „Eine B-Lizenz ist schon relativ teuer“, sagt Avci. Der Preis liegt bei 1100 Euro, bei der C-Lizenz sind es zwischen 160 und 250 Euro. Absprachen mit dem Verein seien natürlich möglich - im Gegenzug mit Verpflichtungen, eine gewisse Zeit beim Verein zu bleiben, zum Beispiel.

Die Qualifizierungsoffensive sei nach Angaben des FLVWs trotz des Aufwandes aber eine Erfolgsgeschichte. Am Anfang der Umsetzung hätte es noch „zahlreiche Lücken“ gegeben, gibt Holger Bellinghoff zu. Aktuell seien diese aber wesentlich weniger geworden. Dies zeigt sich auch in den Zahlen. Wurden 2009 noch knapp 130 B- und C-Lizenzen zum ersten Mal im Gebiet des FLVW ausgestellt, waren es 2017 schon ungefähr 200 (B-Lizenz) beziehungsweise 750 (C-Lizenz).

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