Nach dem 0:7 gegen Preußen Münster geht BSV Schürens Trainer Dimitrios Kalpakidis seine Spieler hart an. Der Vorsitzende Peter Seifert versteht das nicht und spricht deutliche Worte.

Schüren

, 19.08.2018, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Minutenlang saß Dimitrios Kalpakidis nach dem 0:7 (0:3) im Westfalenpokal beim Drittliga-Tabellenführer Preußen Münster alleine auf der Bank. Der auf die Sitze gedruckte stolze Adler der Preußen schaute in diesem Moment über seinen Schultern hervor. Der Trainer des Westfalenligisten BSV Schüren wirkte dagegen arg gerupft. „Mein Kopf ist leer“, lautete seine erste Reaktion. „So bin ich mit einer Mannschaft noch nie untergegangen. Das ist aktuell mit Abstand das Schlechteste, was ich bisher in Schüren erlebt habe.“

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Kalpakidis sauer - schlechte Stimmung in Schüren

Kalpakidis wirkte nach den 90 Minuten im Preußen-Stadion desillusioniert. Seiner Mannschaft fehle es an Typen, der Charakter sei nicht vorhanden, um sich gegen solch ein Team zu wehren. Das war eine Bankrotterklärung eines Trainers gegenüber seiner Mannschaft. Nicht zu vergessen: Kalpakidis hat die Mannschaft zusammengestellt, er ist für den Fitness-Zustand zuständig und stand gegen die Preußen selbst 90 Minuten auf dem Feld. „Es kann dann aber nicht sein, dass ich mir hier mit 39 Jahren den Arsch aufreiße und die Leute neben mir sich verstecken.“

Kalpakidis: Die Spieler sind nicht fit

Der Wille war Kalpakidis nicht abzusprechen, aber Impulse setzte er zu keinem Zeitpunkt. Er reihte sich ein in die Riege der Spieler, die ihre beste Zeit hinter sich haben. In dem Team stecken feine Fußballer – ohne Tempo.

„Das liegt natürlich daran, dass die Spieler nicht fit sind. Denen fehlt das Training, die Vorbereitung. Die haben in der Vorbereitung mehr Urlaub gemacht als zu trainieren. Und standen sie auf dem Platz, waren es nicht immer 100 Prozent, die die Jungs gegeben haben.“

Am Montag erklärte Kalpakidis, wie es besser werden soll in Schüren: Statt drei gibt es nun vier Trainingseinheiten in der Woche, um die Truppe auf den nötigen Fitnessstand zu hieven. „Ich erwarte, dass der Großteil mindestens drei dieser Einheiten wahrnimmt. Da gibt es kein Wenn und Aber und die Mannschaft akzeptiert das auch. Denn wir alle wollen ja möglichst schnell zurück in die Erfolgsspur.“

Schürens Vorsitzender Peter Seifert war auch angefressen. Nicht aufgrund der Leistung in Münster, viel mehr aufgrund der Aussagen des Trainers. „Dimi stand selbst 90 Minuten auf dem Platz. Und er war schlecht. Da kann er es sich doch nicht erlauben, seine Spieler so anzugehen“, sagte Seifert.

Er stellt auch noch einmal klar, dass mit Kalpakidis ganz klar abgesprochen war, dass er nur noch das Team coacht und nicht mehr mitspielt. „Es ist mir ein Rätsel, warum er sich aufstellt. Er ist doch nicht fit“, ergänzte Seifert. Am Dienstag wird sich der Klub-Boss mit den Führungskräften und Kalpakidis zusammensetzen und die Situation besprechen.

Steht der Posten des Trainers am Dienstag zur Disposition? „Nein. Ich bin kein Typ, der nach zwei Spielen einen Trainer rausschmeißt, und dann noch einen, der uns in die Westfalenliga geführt hat“, sagte Seifert.

Dennoch: In den kommenden Spielen ist auch Fingerspitzengefühl gefragt. Gibt man jungen, trainingsfleißigen Spielern die Chance – oder setzt man auf die Erfahrung und (teilweise vorhandene) Eingespieltheit der Routiniers? „Es ist immer eine Abwägungssache zwischen einzelnen Akteuren. Aber Einsatzgarantien wird es im Ligaalltag nicht geben“, versichert Kalpakidis.

Das Pokalspiel in Münster soll eine Ausnahme bleiben – als Lohn für diejenigen, die im Vorjahr den Kreispokal geholt und damit die Qualifikation geschafft haben. Also auch für Kalpakidis selbst.

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