Olympiasieger Maximilian Reinelt auf großer Fahrt

Rudern

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Frühmorgens mit den Booten raus auf den Klopeiner See, nachmittags mit dem Rennrad auf die Straßen rund um Völkermarkt im österreichischen Kärnten. „Das Zauberwort, das bei uns gerade kursiert, heißt Einschleifen“, sagt Maximilian Reinelt, einer der Recken aus dem Deutschland-Achter, der in Rio erneut Olympia-Gold holen will.

DORTMUND

, 01.07.2016, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Maximilian Reinelt (vorne rechts) arbeitet mit dem Deutschland-Achter auf die Spiele in Rio hin.

Maximilian Reinelt (vorne rechts) arbeitet mit dem Deutschland-Achter auf die Spiele in Rio hin.

Der 27-jährige Ulmer wurde von der Deutschen Sporthilfe gerade nominiert als „Sportstipendiat des Jahres“ (sportstipendiat.de) als Beispiel für einen Athleten, der den oft schwierigen Spagat zwischen Leistungssport und Ausbildung bewundernswert bewältigt. Der angehende Humanmediziner hat in den vergangenen zwölf Monaten 15 Klausuren geschrieben, die Hälfte mit „sehr gut“ bestanden und den zweiten Teil der ärztlichen Prüfung mit der Note „gut“ abgeschlossen.

Wenig ruhige Minuten

Wie sich beide Lebensbereiche vertragen? Reinelt hat darauf eine klare Antwort: „Es ist auf jeden Fall intensiv, ich muss viel organisieren, auf Zack bleiben. Ein normaler Tag beginnt um 7 Uhr mit der ersten Trainingseinheit. Anschließend geht es an die Uni, danach folgt die nächste Trainingseinheit, am Abend wird dann bis in die Nacht hinein gelernt. Da bleiben wenig ruhige Minuten.“

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Das Medizinstudium sei ohnehin „stark verschult“. Praktika, Unterricht am Krankenbett und anwesenheitspflichtige Vorlesungen finden zu festen Terminen statt und müssen mit dem Trainingsrhythmus in Einklang gebracht werden – nicht zu vergessen die vielen Fehltage auf Grund von Trainingslagern und Regatten. „Nur durch ein hohes Maß an Selbstdisziplin, persönliches Vorsprechen im Studiendekanat und bei Dozenten sowie einen gut geführten Terminkalender lässt sich diese Doppelbeanspruchung erfolgreich meistern“, berichtet der Olympiasieger von London 2012 aus seinem Tagesablauf.

Sport hat Priorität

Zur Zeit besitzt der Sport absolute Priorität, der Traum vom erneuten Olympia-Gold mit dem deutschen Prestigeboot lebt, „aber das Studium möchte ich nicht missen. Denn es bereichert, es ist ein Ausgleich zum Sport – und umgekehrt genauso. Man muss hart für beides arbeiten, aber wenn man tausend kleine Schritte macht, dann kommt nach und nach der Erfolg“, erzählt Max Reinelt, der gerade mit dem Team Deutschland-Achter in Kärnten am „Einschleifen“ im vierten Trainingslager des Olympia-Jahres arbeitet. Es ist die Arbeit an der Boots-Harmonie, am Automatisieren von Bewegungsabläufen.

Harmonie? Passt das in den Leistungssport? Reinelt, ein reflektierter, meinungsstarker Typ, überlegt, sagt dann: „Der Erfolg unserer Trainingsgruppe in den letzten Jahren beruht auf dem hohen, durch unseren Trainer Ralf Holtmeyer forcierten und aufrechterhaltenen Leistungsdruck. Er sagt, Harmonie verträgt sich auf die Dauer nicht mit Erfolg.“ Aber natürlich bilden sich Freundschaften, wenn man so viele Wochen im Jahr gemeinsam trainiere und unterwegs sei. „Ich denke auch, dass es ein Vorteil ist, wenn man sich in einem Boot gut versteht.“

Auf dem Heimweg an die Orgel

Harmonien sind Reinelt im Leben wichtig. Wenn der Modellathlet vom Dortmunder Stützpunkt heim in seine WG radelt, hält er öfter an der Pfarrkirche St. Suitbertus an und setzt sich dort an die Orgel. „Die Musik bietet eine von Erfolg und Misserfolg losgelöste Dimension, in der ich mich dann für einige Zeit verlieren kann. Eine Orgel ist total faszinierend, riesengroß, laut, mit so vielen Klangfarben und Tönen. So wie der Achter das Flaggschiff im Rudersport ist, so ist für mich die Orgel die Königin der Instrumente. Der Leistungssport hat allerdings ein Verfallsdatum, Musik kann man dagegen sein ganzes Leben machen.“

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