Olympiasieger Wilke steigt aus dem Boot

Rudern: Abschied vom Leistungssport

Auf dem schönen Bodensee machte der kleine Kristof aus Radolfzell seine ersten Ruderschläge – es war der Beginn einer sportlichen Leidenschaft, die den großen Kristof Wilke in den Olymp seines Sports führte. Am Samstag in Bonn nun ist offiziell Schluss. Die Deutsche Sporthilfe verabschiedet den 30-Jährigen und mit ihm seine Dortmunder Ruderkollegen Urs Käufer und Toni Seifert aus dem Leistungssport.

DORTMUND

, 18.11.2015, 07:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Olympiasieger Wilke steigt aus dem Boot

Kristof Wilke (l.) und Toni Seifert steigen aus dem Boot.

Ganz freiwillig ist der Rückzug vom Leistungssport nicht, denn Olympia in Rio 2016 war durchaus ein realistisches Ziel für Kristof Wilke: „Aber die Gesundheit lässt es leider nicht zu, ich musste wegen einer schmerzhaften Gelenkentzündung meine Saison vorzeitig beenden, 15 Wochen pausieren. Ich war nicht mehr in der Lage, ernsthaft Wettkämpfe zu bestreiten“, sagte der Wahl-Dortmunder gestern mit trauriger Stimme, und ergänzte: „Die Zeit ist mir davongerannt.“

London Höhepunkt

Olympia war sein Zauberwort. Die Spiele in London 2012 waren der Höhepunkt in Kristof Wilkes Rudererleben: Als Schlagmann führte der Pädagoge für Biologie und Sport den Deutschland-Achter im Mutterland des Rudersports zur Goldmedaille. Nach der Zieldurchfahrt richtete sich der 1,90 Meter-Mann im Achter auf und imitierte Usain-Bolt – ein Bild, das um die Welt ging. Dieser 1. August 2012 war die Krönung eines entbehrungsreichen Lebens im Zeichen des Leistungssports, die den Mann vom Bodensee vor zehn Jahren in den Bundesstützpunkt am Dortmund-Ems-Kanal führte. In der U 23 gewann Wilke zwei Weltmeistertitel.

Kurz vor Olympia 2008 wurden Wilke und sein Vereinskamerad Andreas Penkner wegen ihrer starken Kleinboot-Leistungen in den Deutschland-Achter berufen. Was folgte, war beinahe traumatisch und am Ende der Grund, es vier Jahre später in London allen zu zeigen. Denn in Peking wurde der Achter in Vor-, Hoffnungslauf und B-Finale jeweils Letzter.

Gold bei der WM 2009

„So wollte ich nicht aufhören, wir wollten zeigen, dass wir es besser können“, erinnerte sich Wilke. Schon ein Jahr später gewann er bei der WM 2009 mit dem DRV-Prestigeboot Gold, die Krönung erfolgte als Schlagmann drei Jahre später in London. Unvergessen war die Schlussfeier: Kristof Wilke führte das deutsche Olympia-Team als Fahnenträger ins Stadion.

Jetzt beginnt für ihn das normale Leben. Gestern unterschrieb der stolze junge Vater seinen ersten Job als Vertretungslehrer am Max-Planck-Gymnasium, „ein neues Kapitel meines Lebens beginnt“, sagt Wilke. Langsam kehrt auch sein Lächeln zurück.

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