Paukenschlag: Gabriele Dittko verlässt die Eisadler

Eishockey

Am Freitag steht für die Eisadler das erste Testspiel auf dem Vorbereitungsplan. Es sollte also eigentlich um Eishockey gehen in dieser Geschichte, aber so richtig will das nicht klappen. Es passiert zu viel abseits der Eisfläche an der Strobelallee. Der junge Verein kommt nicht wirklich zur Ruhe. Jüngster Aufreger ist der Rücktritt der sportlichen Leiterin und Obfrau.

DORTMUND

, 11.09.2015, 09:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gabriele Dittko lebt Eishockey. Seit 1979, damals war sie 29, bestimmt der Puck ihre Freizeit. 36 Jahre Einsatz für eine kleine schwarze Scheibe, die meisten davon - bis auf kürzere Gastspiele in Dorsten und Lünen - für die Eishockey-Klubs in Dortmund. Aufstiege, Abstiege, Insolvenzen: Dittko hat sie miterlebt. Die heute 65-Jährige war 2013 auch Gründungsmitglied der Eisadler. Ein weiterer Versuch für ihren Sport in ihrer Heimatstadt.

Es bröckelt an der Strobelallee

Jetzt ist Schluss, zumindest bei den Eisadlern. Ganz plötzlich. Und die Eisadler stehen ohne Obfrau und sportliche Leitung da. Aus „persönlichen Gründen“ wie es in der Pressemitteilung des Klubs kurz und knapp heißt. Es bedarf allerdings nicht sonderlich viel Fantasie, um festzustellen, dass mehr dahinter steckt, dass was im Argen liegt. Es bröckelt an der Strobelallee. Nicht auf dem Eis, auch nicht sportlich, aber hinter den Kulissen. 

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Meinungsverschiedenheiten, Kompetenzgerangel, Eitelkeitenkabinett – alles dabei. Bereits im Mai verließ Klaus Picker, ebenfalls Gründungsmitglied und damals Pressesprecher des Klubs, den Verein und wechselte zum Eissport-Verband Nordrhein-Westfalen. Ein Weg, den nun auch Dittko geht. Auch sie arbeitet künftig für den LEV.

"Ganz oben muss der Verein stehen"

Lothar Grabe, der Vorsitzende der Eisadler, reagiert auf diese Entscheidung mit Unverständnis. „Ganz oben auf der Prioritätenliste muss immer der Verein stehen. Und den Verein Hals über Kopf zu verlassen, ist vereinsschädigend“, erklärt Grabe auf Nachfrage. Gleichzeitig macht er keinen Hehl daraus, dass „uns die Erfahrung von Frau Dittko fehlen wird“.

Der Rücktritt trifft die Eisadler völlig unvorbereitet. Zum Bruch kam es am 31. August während der Jahreshauptversammlung des LEV. Jeder Verein verfügte dort über zwei Stimmen, Dittko sah eine davon bei sich liegen und eine beim Vorsitzenden Grabe. Vor Ort gingen die Meinungen darüber allerdings auseinander. Grabe wollte die zweite Stimme seinem Rechtsbeistand übertragen, der allerdings nicht zur Versammlung zugelassen wurde. Am Ende ließen die Eisadler die zweite Stimme verstreichen. Dittko war nicht bevollmächtigt und ging leer aus.

"Wir waren schockiert"

„Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Außerdem macht der Ton die Musik. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Herrn und Frau Grabe ist nicht mehr möglich“, sagt Dittko. Die Entscheidung sei ihr sehr schwer gefallen und es tue ihr „wahnsinnig leid für die Jungs“.

Die Mannschaft reagiert betroffen auf den unerwarteten Rückzug ihrer Obfrau. „Wir waren schockiert. Das ist ein Riesenverlust für uns. Sowohl organisatorisch als auch menschlich“, erklärt Kapitän Niko Bitter. Und auch Trainer Krystian Sikorski meint: „Das ist sehr, sehr schade. Gaby hat immer unheimlich viel für uns getan.“

Interne Lösung

Wer zukünftig die sportliche Leitung an der Strobelallee übernehmen wird, ist unklar. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Der Vorstand strebt aber eine interne Lösung an. Der Rücktritt der Obfrau ist nur die Spitze des Eisbergs einer turbulenten Sommerpause bei den Eisadlern. Das klingt wie ein schlechtes Wortspiel, trifft aber ins Schwarze. Die Struktur des Vereins droht zu kollabieren. 

Die sportliche Leiterin und Obfrau ist weg, und der Vorstand um Lothar und Brigitte Grabe sowie Markus Meister hat unlängst erklärt, nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Sie führen die Geschicke nur so lange weiter, bis Ersatz gefunden ist. Wo der herkommen soll, weiß derzeit jedoch niemand so wirklich. Tobias Jöhren

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