Reiten als Therapie

DORTMUND "Na, dann steig mal auf dein Weihnachtspferd." Rita Hölscher-Regener hält der kleinen Nadine (8/Namen geändert) den Steigbügel, hilft ihr auf das Pony, das mit dem Mädchen und vier weiteren kleinen Teilnehmern samt "Untersatz" in die Reithalle trabt.

von Von Christopher Dömges

, 16.01.2009, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Überzeugt von der "Kraft" der Pferde: Rita Hölscher-Regener

Überzeugt von der "Kraft" der Pferde: Rita Hölscher-Regener

Wir sind auf einem Ponyhof in Menglinghausen, wo der Reitverein "Kultur Aktiv e.V." seinen Sitz hat. Hier arbeitet auch die Reitpädagogin Rita Hölscher-Regener, die stadtweit die einzige reittherapeutische Praxis innehat. Sie bietet eine heilpädagogische Förderung mit dem Pferd für Kinder an.

Das sind Kinder mit Problemen "oft im sozialen, emotionalen oder motorischen Bereich", so die Therapeutin, während sie ein Pferd sattelt für den neunjährigen Tim, der das wegen seiner Behinderung nicht alleine machen kann. "Es geht bei dieser Förderung in keinster Weise darum, dass die Kinder reiten oder voltigieren lernen, wir nutzen lediglich das Medium Pferd zur Entwicklungsförderung".Bei der Sache bleiben

Hyperaktive, körperlich eingeschränkte junge Menschen kommen, werden von den Eltern gebracht, nach einer Stunde wieder abgeholt oder nehmen den Bus. Hölscher-Regener: "Kinder mit Konzentrationsschwächen lernen hier, bei der Sache zu bleiben. Ein Pferd benötigt Aufmerksamkeit, muss geführt werden." Auch Interaktion finde statt mit den sanften Lebewesen - ähnlich wie bei der Delphintherapie.

Keine Frage: Die heutige Zeit bringt Probleme mit sich. Kinder verbringen Stunden, Tage vor dem Fernseher, dem Computer - und verlernen das Verhalten in der Realität. Beim Reiten sind reelle Abläufe gefragt, ist Kommunikation unerlässlich. "Leider", sagt Rita Hölscher-Regener, "gibt es viele Vorbehalte gegen diese Methode, die ich für so geeignet halte." Behauptet werde etwa, das sei doch eine Luxustherapie. Oder: Der Therapeut will bloß seine Arbeit mit seinem Hobby verbinden.Erfolge sprechen für sich

Falsch sei das, wie die Erfolge beweisen. Da ist die kleine Nadine, die mit ihren Freundinnen die Reitstunde inzwischen beendet hat. Sie lacht, redet mit den Anderen. "Das war nicht immer so", wie ihre Mutter Gerda erläutert, die kommt, um sie abzuholen. Nadine ist adoptiert, hat viel mitgemacht bei ihrer "alten" Familie und beim "Wechsel". Sie hatte motorische, emotionale, mentale Störungen und wird immer noch behandelt. Die Mutter: "Mit drei hat Nadine noch kein Wort gesprochen. Durch das Reiten hat sie sich geöffnet." Nadine geht trotzdem noch auf eine Sonderschule. "Mit diesen Einrichtungen arbeiten wir oft zusammen", meint Hölscher-Regener.

Übrigens: Die Kasse übernimmt das heilpädagogische Reiten nicht, dafür gibt es Möglichkeiten der Beantragung über die Stadt Dortmund. Und während Hölscher-Regener ihre neue Stunde vorbereitet, winken ein paar Kinder der alten Gruppe zum Abschied - sie müssen zur Bushaltestelle.

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