Rennverein plant Verkauf von Bebauungsfläche

Pferdesport

Rund sechs Millionen Euro möchte der Dortmunder Rennverein durch den Verkauf einer mehr als 30.000 Quadratmeter großen Fläche auf dem Wambeler Areal erwirtschaften. Ein Käufer ist gefunden, die Mitglieder haben dem Verkauf zugestimmt - und die Trainer sind erbost.

DORTMUND

, 14.03.2017, 03:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rennverein plant Verkauf von Bebauungsfläche

Auf der Galopprennbahn werden in der Zukunft keine Pferde mehr trainiert.

Auf der Fläche, die verkauft wird, stehen heute noch die Stallungen der drei Galopptrainer und acht vermietete Wohneinheiten. In naher Zukunft werden an dieser Stelle neue Wohnungen entstehen. Für andere Mieter. Am vergangenen Freitag hatte der Rennvereinspräsident Andreas Tiedtke die Mitglieder zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. 17 der 42 Mitglieder folgten seinem Ruf. Zehn stimmten für den Verkauf der Fläche, sechs waren dagegen, ein Mitglied enthielt sich.

"Plötzlich kein Thema mehr"

Die Aktiven, darunter Pascal Werning und die Trainerin Hella Sauer, stimmten dagegen. „Dass unsere Stallungen wegfallen, wurde ja von Herrn Tiedtke immer klar kommuniziert. Er hatte uns aber versprochen, bei einem Verkauf eine neue Trainingsanlage zu bauen. Das war am Freitag plötzlich kein Thema mehr“, sagt Pascal Werning, Sohn des Trainers Reiner Werning.

Tiedtke bestätigt, dass die ersten Planungen beinhaltet hatten, bei einem Verkauf der Fläche ein neues Trainingszentrum in Wambel zu bauen. „Neben der fehlenden wirtschaftlichen Grundlage würde sich ein Trainingsbetrieb aus immissionsschutzrechtlicher Sicht auch negativ auf das Bauprojekt auswirken“, erklärt Tiedtke jetzt.

Trainingsbetrieb defizitär

Gegen die Geruchsbelästigung durch die Pferde hätten Anwohner aussichtsreich klagen können. Und aktuell seien lediglich 30 der 300 Boxen in Wambel belegt. „Seit Jahren ist der Trainingsbetrieb defizitär“, sagt Tiedtke. Beim Bau eines Trainingszentrums sehe er sein Ziel gefährdet, den Rennverein zu entschulden, dauerhafte Einnahmen zu erzielen und somit die Rennbahn zu erhalten. „Natürlich ist es bitter für die Aktiven. Es gibt aber keine andere Lösung, ansonsten wäre nicht garantiert, dass hier in der Zukunft noch Rennen abgehalten werden.“

Zucker für Verein, Peitsche für Trainer
Der Verkauf der Fläche und die Einnahme der sechs Millionen Euro sind ein Segen für den Galoppstandort Dortmund. Die Zukunft ist damit gesichert. Der Investitionsstau der vergangenen Jahre kann abgearbeitet werden, die Zuschauer bekommen mehr Komfort geboten, denn die heutige Anlage ist keine Hochglanzbewerbung für den Galopprennsport. Bitter ist aber die Tatsache, dass die Trainer ihren Standort verlassen müssen. Das hätte Tiedtke den Aktiven früher sagen müssen, nicht erst am Abend der Abstimmung. Das war nicht sauber. Er hatte sie immer im Glauben gelassen, dass er Ersatz für sie bereithält. Am Freitag gab es diesen plötzlich nicht mehr.

Reiner Werning will sich damit nicht abfinden. „Mein Lebenswerk wird zerstört. Ich bin seit 34 Jahren in Dortmund Trainer. Und was ist eine Rennbahn ohne Trainingsbetrieb? Wir lassen das Vorgehen von einem Anwalt prüfen“, sagt er. Tiedtke macht ihm wenig Hoffnung. „Es gibt keine Chance, den Verkauf zu stoppen“, sagt der Rennvereinspräsident. Mit der Stadt sei er sich einig.

Schulden in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro

Der Rennverein hat aktuell rund 3,5 Millionen Euro Schulden, die durch den Verkauf wegfallen. Rund 1,5 Millionen Euro vom Überschuss möchte Tiedtke in die Tribünen und Funktionsgebäude investieren. Neue Toilettenanlagen sollen entstehen, die Wetthallen sollen barrierefrei und ein Aufzug installiert werden. Das restliche Geld möchte er beiseitelegen.

Käufer soll laut Informationen dieser Redaktion die Baum Gruppe von Gregor Baum sein, der Rennvereinspräsident in Hannover ist. „Ich bestätige keine Namen, solange der Kaufvertrag nicht unterschrieben ist“, sagt Tiedtke. Er verspricht, die aktuellen Mieter beim Umzug finanziell zu unterstützen. Während diese Anfang 2018 innerhalb Dortmunds umziehen können, müssen sich die Trainer in einer neuen Stadt umgucken, wollen sie weiter Pferde trainieren.

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