Rennvereinspräsident Tiedtke im Interview

Galoppsport

Die Wintersaison im Galopprennsport ist vorbei. Aufgrund der Allwetterbahn hat der Dortmunder Rennverein neben Neuss das Gros der Winterrennen ausgetragen. Thomas Schulzke und Jürgen Schwabe haben mit dem Rennvereinsvorsitzenden Andreas Tiedtke (47) über den Winter, den Rennverein und kommende Aufgaben gesprochen.

DORTMUND

, 24.03.2016, 14:23 Uhr / Lesedauer: 3 min
Rennvereinspräsident Tiedtke im Interview

Auf dem Rundwanderweg A3 geht es für Wanderer vorbei am Dortmunder Hauptfriedhof und an der Galopprennbahn Wambel (Foto).

Wie lief der Winter?

Sportlich sehr gut. Wir haben hier ordentliche Pferde gesehen, die sich auf größere Rennen in St. Moritz oder Dubai vorbereitet haben.

Also war alles positiv?

Eine Katastrophe waren die Anfangszeiten der Renntage und die Termine. Für die Zuschauer und die Aktiven. Und darunter leiden wir.

Warum?

Es geht doch nicht, dass hier die Aktiven noch um 22.15 Uhr an einem normalen Wochentag auf der Bahn sind und am nächsten Tag um sieben Uhr in Stuttgart arbeiten müssen.

Wer gibt die Termine vor?

Wir haben da keinen Einfluss. Der französische Wettanbieter PMU kauft unsere Livebilder und bestimmt die Termine. Die deutschen Rennen sind nur Lückenfüller, wenn es in Frankreich gerade kein attraktives Programm gibt. So kommen die Termine zustande.

Wie profitiert dann der deutsche Rennsport davon?

Wir bekommen einen prozentualen Anteil am Umsatz in Frankreich. Damit können wir die höheren Rennpreise ausschütten. Seit wir mit PMU zusammenarbeiten, sind die Rennpreise in Dortmund um 35 Prozent gestiegen. Das ist für die Aktiven natürlich gut. Wir als Rennverein sitzen aber zwischen den Stühlen.

Warum?

Wir haben kaum noch Wochenendveranstaltungen im Winter. So kommen kaum Zuschauer auf die Bahn. Wir haben am 13. Dezember in Eigenregie mal einen Renntag am Sonntag veranstaltet. Wir hatten 2000 Zuschauer auf der Bahn und eine gute Stimmung.

Wie sehen die Umsätze an Winterrenntagen aus?

Die liegen mal bei 60 000 und mal bei 80 000 Euro.

Und was setzt der französische Wettanbieter PMU an einem Renntag in Dortmund um?

Zwischen 1,6 und 3 Millionen Euro. Es gibt einzelne Rennen, da werden in Frankreich 400 000 Euro umgesetzt. Je früher die Rennen, desto mehr wird dort umgesetzt. In Frankreich kann in vielen Cafés gewettet werden, die schließen aber um 20 Uhr.

Was kommt aus Frankreich finanziell in Deutschland an?

Wir sind am Umsatz beteiligt. Das ist ein kleiner, einstelliger Prozentsatz. Wie hoch der ist, kann ich nicht sagen. Wir haben eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben.

Was verdienen Sie an einem Winterrenntag?

Nichts. Wir benötigen einen Umsatz von 100 000 Euro, um einen Winterrenntag zu decken. So lange parallel in Frankreich auf die Rennen gewettet werden kann, wird es schwer für uns, die 100 000 zu erreichen. Außerdem sind die Abendtermine für uns unter der Woche teurer. Wir zahlen im Jahr allein an Stromkosten eine sechsstellige Summe an die Stadtwerke. Einen großen Teil davon nimmt das Flutlicht ein.

Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Unter diesen Voraussetzungen können wir das so nicht weitermachen. Wir müssen einen Kompromiss finden. Klappt das nicht, dann mache ich lieber weniger Winter-Renntage ohne PMU.

Aktuell richtet der Dortmunder Rennverein vier Renntage 2016 aus. Der beliebte Sparkassenrenntag findet am 5. Mai in Wambel statt. Höhepunkt ist der Sprint-Cup der Sparkasse Dortmund - ein Listenrennen über 1200 Meter. Der neue Renntag im Dortmunder Terminplan ist am 4. Juni notiert. Der Große Preis der Wirtschaft ist für den 26. Juni angesetzt. Die grüne Saison wird in Dortmund-Wambel am 18. September beendet. Hier findet der letzte Klassiker des deutschen Galoppjahres statt: das Deutsche St. Leger. Ebenfalls ein Gruppe-III-Rennen.

Seite 2: Tiedtke über die Sommerrenntage und das Bebauungsprojekt der Dortmunder Rennbahn. 

Wie viele Sommerrenntage hat der Dortmunder Rennverein 2016?

Aktuell sind es vier, einer mehr als im Vorjahr. Vielleich kommt sogar noch ein fünfter hinzu. Wir versuchen, einen Renntag von einem anderen Rennverein zu übernehmen.

Wollen Sie den Fokus wieder vermehrt auf den Sommer legen?

Eindeutig. Ich möchte wieder mehr Sommerrenntage. Dauerhaft acht bis zehn. Ich wünsche mir kleine Meetings, die über zwei Tage gehen.

Sie sind jetzt seit zwei Jahren Präsident. Was haben Sie bewegen können?

Oberste Priorität hatte, das damals geplante Bauprojekt zu stoppen. Dadurch hätten wir Parkplätze verloren. Unsere Trödelmärkte und der Sitz des Golfclubs wären in Gefahr gewesen. Wir können doch hier ohne Parkplätze nichts veranstalten. Zum Glück konnten wir das Bauprojekt stoppen.

Wie wollen Sie den Rennverein dann entschulden?

Das neue Bebauungsprojekt, das uns rund 1,9 Millionen Euro einbringen würde, würde zur kompletten Entschuldung führen, und wir hätten zusätzlich Geld, um zu investieren. Eigentlich müssten wir hier jedes Jahr rund 100 000 Euro in die Infrastruktur stecken.

Wie weit sind die Planungen mit dem neuen Bebauungsprojekt?

Im Idealfall steht der Bebauungsplan im Mai 2017.

Sie sprachen von Investitionen. In welchen Bereichen muss etwas getan werden?

Es muss so viel gemacht werden. Wir haben hier eine 100 Jahre alte Infrastruktur. Wir benötigen neue Toiletten, Dächer, elektrische Anlagen, eine Mikrofonanlage. Wir haben einen sehr großen Investitionsrückstau. Wie sollen wir denn Sponsoren für Veranstaltungen gewinnen, wenn unsere Tribünen nicht barrierefrei sind? Es fehlt ein Aufzug. Auch sind keine Toiletten in die Tribünen integriert.

Sieht der neue Bebauungsplan auch eine neue Boxenalge vor?

Ja, wir haben aktuell nur noch rund 30 Pferde in Wambel, aber Platz für 300. Die alte Anlage soll abgerissen werden. Wir wollen eine neue Boxenanlage für rund 100 Pferde bauen. Das wäre ideal für zwei größere Trainer.

Laufen denn Gespräche mit neuen Trainern?

Die Gespräche mit Trainern laufen immer. Im Idealfall ziehen die Pferde ja 2018 in die neue Anlage ein. Bis dahin vergeht noch viel Zeit.

Aktuell richtet der Dortmunder Rennverein vier Renntage 2016 aus. Der beliebte Sparkassenrenntag findet am 5. Mai in Wambel statt. Höhepunkt ist der Sprint-Cup der Sparkasse Dortmund - ein Listenrennen über 1200 Meter. Der neue Renntag im Dortmunder Terminplan ist am 4. Juni notiert. Der Große Preis der Wirtschaft ist für den 26. Juni angesetzt. Die grüne Saison wird in Dortmund-Wambel am 18. September beendet. Hier findet der letzte Klassiker des deutschen Galoppjahres statt: das Deutsche St. Leger. Ebenfalls ein Gruppe-III-Rennen.

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