Reza Hassani: "Kann hier in Sicherheit leben"

Serie "Heimatgefühle"

Dortmunds Vereine leben seit jeher Integration. Aktive und Trainer aus aller Herren Länder bereichern unsere Sportlandschaft. Wir stellen künftig die immer gleichen Fragen rund um das Thema Heimat an Sportler, die nicht in Dortmund geboren sind. Diesmal mit Reza Hassani.

DORTMUND

26.11.2015, 12:38 Uhr / Lesedauer: 1 min
Reza Hassani: "Kann hier in Sicherheit leben"

Reza Hassani (l.) sprach mit uns über Heimat.

Was ist für Sie Heimat?

Eine schwierige Frage. An meine eigentliche Heimat habe ich fast nur negative Erinnerungen. Wir sind vor dem Iran-Irak-Krieg geflohen. Selbst wenn wir ein nettes Haus hatten, mussten wir weg, weil wir uns ständig in sicheren Räumen schützen mussten. Dortmund ist jetzt  meine Heimat. 

 

Was ist für Sie typisch deutsch?

Sauerbraten. Das wäre wirklich nichts für mich. Dabei esse ich ja bekanntlich sehr gerne. Ansonsten sind es die Disziplin, die Bürokratie. Ohne Ausweis geht hier gar nichts.

 

Was ist an Ihnen typisch deutsch?

Ich bin immer pünktlich. Ich schaffe es auch, immer zum erwarteten Zeitpunkt aufzustehen – ganz egal, ob ich drei oder zehn Stunden geschlafen habe. 

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Was schätzen Sie an Ihrer zweiten Heimat?

Hier habe ich viele Freunde, meine Frau kennengelernt. Meine Familie lebt hier. Ich spiele hier Fußball, mein Lieblingsverein kommt aber nicht aus dieser Heimat.

 

Gibt es etwas aus Ihrem Geburtsland, dass Sie in Deutschland vermissen?

Eigentlich nichts. Ich kann hier in Sicherheit und Frieden leben. 

 

Was schätzen Sie an Deutschland?

Dass jedem, der etwas erreichen möchte, die Türen geöffnet werden. Es ist nicht immer leicht. Das habe ich erfahren. Aber jetzt arbeite ich sehr gerne als Fahrlehrer. Die Leute hier haben ein Dach über dem Kopf. Und natürlich mag ich meine Freunde.

 

Was können die Deutschen von Ihren Landsleuten aus den USA lernen?

Sie könnten etwas offener werden. Wenn jemand wie ich eine Glatze oder ein anderer einen langen Bart trägt, sind einige Leute gleich skeptisch. Die Iraner sehen das lockerer.

 

Gibt es ein Leitmotto, das Ihr Leben begleitet?

Ich habe ja den Krieg erlebt. Daher sage ich: Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

Kurzporträt: Reza Hassani (33) wurde in Teheran  geboren. 1988 als Sechsjähriger kam er nach Deutschland. Zunächst lebte er ein Jahr in Münster. Dann zog seine Familie in die Nähe der in Dortmund lebenden Verwandschaft. Als Zehnjähriger begann er seine Fußaller-Laufbahn beim heute nicht mehr existenten SV Roland 98. Später kickte er unter anderen  für Phönix Eving, VfL Kemminghausen und den Bezirksligisten TuS Eichlinghofen, wo er seit Oktober 2012 Trainer ist.

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