Ring frei zur 75. Runde für Dieter Schumann

Boxen

"Wer einmal am Nappaleder gerochen hat, kommt von dieser Sportart nicht mehr los." So lautet sein Leitsatz. Er, das ist Dieter Schumann. Der „Mr. Boxen“ Dortmunds wird am 15. August 75 Jahre alt. Die Boxhandschuhe schnürt er aber immer noch gelegentlich - wenn er nicht gerade eine Veranstaltung organisiert oder jungen Menschen bei der Integration hilft.

Dortmund

, 15.08.2017 / Lesedauer: 3 min
Ring frei zur 75. Runde für Dieter Schumann

Henry Maske (r.) zählt zu den prominenten Freunden von Dieter Schumann (l.). Der Dortmunder Box-Enthusiast feiert heute seinen 75. Geburtstag.

Er sei Boxsportler 24 Stunden am Tag, sagt Schumann und rührt dabei in seiner Kaffeetasse in seiner Wohnung im Dortmunder Süden. Auch nachts könne es schon einmal vorkommen, dass er einen Anruf entgegennehmen müsse, weil seine Expertise gefragt sei. Denn: Schumann hat nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 1962 – 15 Siege, sieben Niederlagen, drei Unentschieden – dem Boxsport keineswegs die kalte Schulter gezeigt. Vom Ring ist es an den Schreibtisch gegangen. Seit Februar 1972 ist er der erste Vorsitzende des DBS 20/50, der zwei Jahre zuvor aus den Vereinen Dortmunder Boxsport 20 und dem Boxring 1950 Dorstfeld hervorgegangen ist.

Über 100 Veranstaltungen organisiert

Mehr als 100 Veranstaltungen rund ums Boxen hat er in diesen 45 Jahren gemeinsam mit seinen Vereinskollegen auf die Beine gestellt. Schumann will dies betont wissen: „Alleine geht das nicht, das ist keine One-Man-Show, die ich hier abziehe. Da müssen alle immer an einem Strang ziehen.“ Dazu zählen etliche Clubkämpfe, Bezirksveranstaltungen oder Endrunden des Westfälischen Amateur Box Verbandes.

Aber da ihm auch mit 75 Jahren der aktive Sport immer noch so eine große Freude bereitet, schlüpft er jeden Montag beim Seniorenboxen noch selbst in die Handschuhe und hält sich fit. „Zuletzt bin ich gesundheitlich ein wenig angeschlagen gewesen, aber jetzt bin ich wieder auf dem Damm und bin auch wieder beim Training dabei“, sagt Schumann.

Erinnerungsstücke mit den Größten der Szene

Dass er den Sport mit jeder Faser lebt, merkt ein jeder, der mit ihm spricht. Wie aus dem Effeff erzählt er von seinen Boxkämpfen in den 1950er- und 1960er-Jahren. An die entscheidenden Szenen der Kämpfe kann sich der Rechtsausleger noch heute genau erinnern. Auch seine Wohnung erzählt so manche Geschichte zu seiner großen Liebe dem Boxsport. Fotos hängen an der Wand mit ihm und den Größten der Szene: Schumann in Gesellschaft von Wladimir Klitschko, Schumann zusammen mit Max Schmeling, Schumann mit Henry Maske, mit dem er noch immer befreundet ist. Schumann ist auch Archivar. Mehrere Fotoalben hat er Zuhause. Alles, was er ums Boxen herum erlebt, wird per Lichtbild festgehalten.

Einen noch größeren Stellenwert als der Sport nimmt in dem Leben des Vaters zweier Söhne nur die eigene Familie ein. Seine Frau Karin, mit der er schon über 50 Jahre verheiratet ist, habe immer hinter ihm gestanden, damit er sich gänzlich auf die Vereinsarbeit konzentrieren konnte. „Anders geht es auch nicht“, sagt er. Die Freizeit habe darunter selbstverständlich hier und da mal leiden müssen, deswegen hätte es aber niemals Knatsch gegeben, so Schumann.

Integrationshilfe für "ausländische Freunde"

Vor allem in den vergangenen zwei Jahren hat es für Schumann viel Arbeit gegeben. Durch die Flüchtlingswelle habe die Integration von „ausländischen Freunden“, wie Schumann die Neuankömmlinge nennt, einen großen Teil der Vereinsarbeit bestimmt. „Wenn die Leute zum Training kommen, lernen sie neue Freunde kennen. Lernen, die Sprache besser zu beherrschen. Sie lernen die Regeln unseres Zusammenlebens: Ordnung, Sauberkeit, Geradlinigkeit und Anständigkeit“, so Schumann. Zehn Sprachen würden in seinem Verein gesprochen, aber der Boxsport würde durch seine Einfachheit alle Nationen verbinden.

Auf die Frage, was er denn mache, wenn das Nappaleder mal keine Rolle im Alltag spiele. „Meine Frau und ich bewirtschaften einen Schrebergarten“, sagt er. Er sei für das Grobe zuständig, sie für die filigrane Arbeit. Alles also auch wie früher zu seiner aktiven Zeit.

Lesen Sie jetzt