Risse kümmert sich um die Jugend beim RC Hansa

Serie Herzblut

Wenn es um die Jugendarbeit im Rudersport geht, macht Elvira Risse so schnell niemand etwas vor. Seit 30 Jahren fördert und fordert die 67-Jährige den Nachwuchs beim RC Hansa am Dortmund-Ems-Kanal. Das Engagement der ehemaligen Lehrerin fing mit einem einsamen Mädchen an, das in den 1980er Jahren regelmäßig am Bootshaus auftauchte, um zu rudern.

DORTMUND

, 01.07.2017, 09:33 Uhr / Lesedauer: 3 min
Risse kümmert sich um die Jugend beim RC Hansa

Elvira Risse mit einem Ruder im Bootshaus des RC Hansa.

An ihrer Schule war Risse in den folgenden Jahren dann nicht nur als Lehrerin tätig, sondern auch als inoffizieller Scout ihres Vereins.

„Ich habe ein lautes Organ. Man hört mich auch noch in 300 Metern“, sagt Elvira Risse grinsend, während sie durch das Bootshaus am Kanal schlendert und schaut, ob wirklich alles an seinem Platz ist. Wenn die 67-Jährige beim Training mit dem Motorboot oder Fahrrad neben den Ruderbooten herfährt, müsse man ihre Anweisungen schließlich deutlich verstehen. Auch, wenn sie in der Regel nicht besonders freundlich formuliert sind: „Das fehlt ja noch, dass ich jemanden beim Training höflich um etwas bitte. Ich muss als Trainerin klare Anweisungen geben. Hier wird niemand mit Samthandschuhen angefasst.“

Risse fordert von der Ruder-Jugend des RC Hansa Einsatz und Disziplin. Wer nicht zum Training erscheint und nur eine plumpe Ausrede parat hat, bekommt ebenfalls eine klare Ansage. Und auch die fällt dann nicht gerade höflich aus. Trotzdem ist die frühere Sportlehrerin beim Nachwuchs beliebt. Etwas streng sei sie schon, aber fair, und man lerne viel von ihr, sagen die Jugendlichen.

Nachwuchsscout am IKG

Ähnlich dürfte es wohl ihrem ersten Nachwuchstalent ergangen sein, das den Ausschlag für Risses Tätigkeit als Jugendtrainerin beim RC Hansa gab. An den Namen erinnert sie sich noch genau: Ilka Ufert. Nachdem sie bereits in der Schulriege aktiv gewesen war, tauchte Ilka 1985 plötzlich beim RC Hansa auf – Tag für Tag, ganz allein. Risse nahm sich ihrer an, brachte sie bis zur Junioren-WM und startete daraufhin ihre Trainerkarriere im Nachwuchsbereich – mit einer Auszeit zu Beginn der 90er Jahre, als der RC einen hauptamtlichen Trainer anheuerte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Risse längst den Ruf des Nachwuchsscouts an ihrer damaligen Schule, dem Immanuel-Kant-Gymnasium (IKG), erarbeitet. „Die Risse kommt, sie sucht wieder Ruderer“ habe es schon in den 70er-Jahren über die Flure gehallt. Kaum verwunderlich, denn Risse hatte nach ihrer aktiven Zeit beim RC Germania und dem anschließenden Sportstudium in Köln schnell den Weg zurück an den Dortmund-Ems-Kanal gefunden – und sich diesmal dem RC Hansa angeschlossen. Dass sie beim Sportunterricht am IKG nicht einfach wegschaute, wenn ein potenzielles Ruder-Talent auftauchte – es gab inzwischen längst eine Schulriege –, war für sie selbstverständlich.

Gutes Gespür

Und die Lehrerin bewies durchaus ein gutes Gespür. Eines ihrer größten Talente sei Norbert Keßlau gewesen, erinnert sich Risse. Tischtennis habe der Hüne damals noch gespielt, als er Risse 1976 an ihrer Schule über den Weg lief. „Weil ihm schon beim Aufstehen schwindelig wurde, habe ich ihm gesagt, er müsse mehr Ausdauersport treiben und ihn mit zum Bootshaus genommen“, sagt Risse. Nach den Sommerferien trat Keßlau dem Verein bei und wurde in den 80er-Jahren mehrfacher Ruder-Weltmeister und Olympia-Dritter in Seoul. Und Keßlau sollte nicht der letzte erfolgreiche Sportler bleiben, den Risse unter ihre Fittiche nahm.

Siege beim Bundeswettbewerb und der damit verbundenen heiß begehrten Fahrt nach Ratzeburg blieben keine Seltenheit. Dass die Ruderakademie des Deutschen Ruderverbands in Schleswig-Holstein ein Traum für viele Nachwuchssportler ist und ein Sprungbrett auf die große Bühne sein kann, weiß Risse nur allzu gut. Schließlich war sie in ihrer aktiven Zeit in den 60er-Jahren noch selbst dort. Zu einer Zeit, in der Frauen-Rudern noch nicht allzu gern gesehen war. „Damals waren die Leute noch der Ansicht, Frauen sollten Stilrudern und nicht Rennrudern. Da hätte ja sonst womöglich die Frisur zerstört werden können“, erinnert sie sich.

"Ich bin noch fit"

Risse störte das Vorurteil nicht. Sie ging ihren eigenen Weg – als Trainerin. Selbst fährt sie heute nur noch selten. Und wenn, dann nicht mehr mit dem Ziel, noch einmal Höchstleistungen abzurufen. Zu denen ermutigt sie inzwischen nur noch den Nachwuchs. Wobei: Eigentlich hat Risse den Posten als Nachwuchstrainerin schon längst an Nachfolgerin Isabelle Guschke übergeben. Das schließt für die 67-Jährige allerdings nicht aus, sich weiterhin um die jungen Talente zu kümmern, sie zu fördern und zu fordern. „Ich bin noch fit. Und solange das so bleibt, werde ich weiter zum Bootshaus kommen“, sagt Risse. Und man wird sie weiterhin hören – auch in 300 Metern Entfernung.

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