SC Hansa gewinnt überraschend gegen Vizemeister Mühlheim

Schach

In der achten Runde der Schach-Bundesliga trafen am Samstag der Erstligist SC Hansa Dortmund und der deutsche Vizemeister SV Mühlheim Nord aufeinander. Die Dortmunder reisten ersatzgeschwächt an - dennoch gelang ihnen die Überraschung.

DORTMUND

01.02.2015, 19:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
SC Hansa gewinnt überraschend gegen Vizemeister Mühlheim

SC Hansa-Spieler Ralf Kotter.

Mit einem ELO-Durchschnitt (Spielstärke) von 2577 der Mühleimer im Vergleich zu 2407 der Hanseaten war die Prognose eigentlich klar: Sieg der überlegenen Mühlheimer. Dass es dennoch anders kommen sollte, lag am Kampfgeist der Dortmunder Jungs. Es waren die Amateure Frank Karger und FIDE-Meister (FM) Ralf Kotter, die an den Brettern sieben und acht durch zwei blitzsaubere Siege für den Gesamtsieg sorgen.

Ungefährdetes Remis

Angefangen hat die Überraschung mit einem ungefährdeten Remis des jungen Dortmunder IM (Internationaler Meister) Patrick Zelbel. Gegen GM Daniel Hausrath gab er sich keine Blöße, nach 21 Zügen einigten sich die Kontrahenten auf ein Unentschieden. Ein weiteres Remis gab es am Brett drei, an dem der 16-jährige ungarische IM Bence Korpa niemand Geringerer als der dreifache Deutsche Einzelmeister und Europa-Mannschaftsmeister von 2013 GM Daniel Fridmann gegenüber saß. IM Korpa hatte die Partie immer im Griff. Nach 35 druckvollen Zügen lenkten beide in ein Remis ein.

Zu diesem Zeitpunkt bemerkten die Hanseaten, dass der auf dem Papier übermächtige Gegner wackelte. Ausgerechnet an den unteren drei Brettern zeichnete sich eine Wende ab. An Brett sechs hatte der für die Dortmunder spielende türkische FM Ufuk Tuncer sich in der königsindischen Verteidigung mit schwarzen Figuren eine gute Ausgangsposition nach der Eröffnung erspielt. Ein ungenauer Zug reichte allerdings seinem Gegner, um die Partie für sich zu entscheiden. Es sollte aber an diesem Nachmittag die einzige Niederlage des Teams bleiben.

Wütende Angriffe

Trotz eines 1:2-Rückstands gaben sich die Dortmunder nicht auf. Zunächst gewann der Rekordsieger der Deutschen Polizeimeisterschaft FM Ralf Kotter an Brett sieben in einer sehr sehenswerten Partie. Einen Zug vor dem Matt ergab sich sein Kontrahent, GM Feygin. Wenig später gelang Frank Karger sein erster Sieg gegen einen Großmeister überhaupt und das mit den schwarzen Figuren. Geschickt verteidigte er sich gegen den wütenden Angriff seines Gegners auf dem Königsflügel. Als diesem die Luft ausging, holte er sich einen gegnerischen Turm und gewann die Partie.

Am Spitzenbrett kämpfte der Waltroper IM Thomas Henrichs gegen die Nummer 22 der Welt, den super GM David Namara. Eine Differenz von 250 ELO-Punkten bedeutet normalerweise eine einseitige Partie zu Gunsten des Favoriten. Doch IM Henrichs bewies Mut, spielte aggressiv und brachte den derzeit besten tschechischen Spieler an den Rand einer Niederlage. Heilfroh willigte dieser in ein Remis ein.

Halber Punkt

Die Partien an Brett zwei und vier waren beim Stand von 3,5:2,5 noch offen. Ein halber Punkt reichte für das Unentschieden und ein ganzer für den Mannschaftssieg. An Brett vier hatte GM Romuald Mainka es mit dem etwa 200 ELO Punkte besseren russischen GM Tregubov zu tun. Mit schwarz nahm er das Bauernopfer im angenommen Damengambit an. Es entwickelte sich eine taktisch geführte Partie, in der GM Mainka zwei Bauern zurückgab, sich aber dafür so fest in der gegnerischen Stellung festbiss, dass dieser keinen Ausweg sah, nach der Zeitkontrolle das Remis zu akzeptieren.

Die Folge: Ein sicherer Punkt und die Aussicht auf den vierten Sieg in Serie. Diesen bescherte an Brett zwei GM Imre Hera. Mit schwarzen Figuren entscheid er sich für Karo-Cann als Verteidigung. Eine zähe Verteidigung mit sehr genauen Zügen war gefragt, um nach 59 Zügen dem russischen GM Konstantin Landa den halben Punkt am Brett und somit den Mannschaftssieg abzuringen.

Die Mischung stimmt

Nach dem gelungenen Coup und dem Gewinn des Doppelpunkts klettern die Dortmunder auf Platz fünf der Tabelle. "Die Mischung aus den jungen Spielern, den einheimischen Lokalmatadoren und gestandenen Großmeistern macht den Erfolg aus", sagte Pressesprecher Dr. Pouya Majdpour.

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